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Gastkommentar Unser Google ist der Mittelstand

Deutschland hat die Zutaten, künftige digitale Weltmarktführer zu formen. Unsere Stärke und Überlegenheit sind die Mittelständler im Industriebereich.
12.02.2020 - 11:40 Uhr Kommentieren
Robert Lacher ist Gründer des Venture-Capital-Fonds Visionaries Club.
Der Autor

Robert Lacher ist Gründer des Venture-Capital-Fonds Visionaries Club.

In unserem Privatleben begleitet uns praktisch schon lange kein deutsches Digitalunternehmen mehr durch den Alltag. Bestellt wird über Amazon, gestreamt über Netflix, kommuniziert über WhatsApp und Gmail, Unterkünfte werden gebucht über Airbnb, und auf den Smartphones laufen natürlich Apple und Android.

Was haben diese Firmen und ihre chinesischen Pendants wie Tencent und Alibaba gemein? Sie sind digitale Plattformen, müssen sich nicht mit den Kostentreibern ihrer Branchen auseinandersetzen und haben oft in kürzester Zeit Monopolstellungen in ihren Märkten aufgebaut. Alles Zutaten, die sie in ihren Geschäftsmodellen hochprofitabel und vor allem agil machen.

Sie investieren entschlossen und risikobereit in die besten Start-ups, Talente und Technologien weltweit. Damit sind sie vor allem eines: zukunftsfähig und massiver Treiber digitaler Innovationen in ihren jeweiligen Ökosystemen. Sind wir deshalb in Deutschland bei der Digitalisierung endgültig abgehängt? Nein! Im Gegenteil: Die Digitalisierung in der Industrie fängt gerade erst richtig an!

Bei einer Sache können wir uns sicher sein: Alles, was entlang der herkömmlichen Prozessketten digitalisiert und automatisiert werden kann, wird in den nächsten fünf Jahren auch automatisiert werden. Und genau das ist unsere Chance: Wir besitzen nämlich eine ganz andere Stärke, die kein Land in dieser Überlegenheit hat: unsere Weltmarktführer und Mittelständler im Industriebereich.

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    Sie beherrschen mit ihren Schlüsseltechnologien (noch) tief verzweigte Wertschöpfungsketten, und es gibt kaum Produkte weltweit, in denen nicht deutsche Technologie verbaut ist. Ob Dosierpumpen, Spezialmaschinen, Kurbelwellen oder Rollen für Krankenhausbetten – dies kann weder ein Google noch ein Amazon reproduzieren.

    Damit sind wir weltweit der größte „Enabler“ der Digitalisierung im Industriebereich. Zusammen können diese Firmen also unser Google sein, wenn wir unsere Stärken besser bündeln. Es gibt eine weitere Stärke, die viele dieser Firmen vereint: Sie sind oft Familienunternehmen, das heißt, sie werden von Unternehmern geführt, können sehr schnelle Entscheidungen treffen, Risiken eingehen und sich erlauben, langfristig zu denken.

    In intelligente Köpfe investieren

    Alles Eigenschaften, die diese Firmen zu einem hervorragenden Sparringspartner für Start-ups machen – und umgekehrt. Worin liegt also das Problem? Wir haben nach 50 Jahren erfolgreichen Aufschwungs und Globalisierung unserer Technologien nicht verstanden, welche Einstellung es braucht, sich noch einmal neu zu erfinden.

    Die Zeiten, in denen Unternehmen über Jahrzehnte mit inkrementellen Innovationen wachsen konnten, sind vorbei. Digitale Trends sind heute viel schneller, ab der ersten Sekunde global und lassen sich nicht wie Kurbelwellen in der internen Forschungs- und Entwicklungsabteilung abgeschottet auf der Schwäbischen Alb entwickeln. Sie entstehen in rasantem Tempo in den jungen und intelligentesten Köpfen weltweit.

    In diese Köpfe müssen wir massiv investieren und dabei akzeptieren, dass sie nicht immer zwangsläufig aus dem eigenen Unternehmen kommen, sondern extern über Wagniskapital, Akquisitionen und Partnerschaften erreicht werden. Dabei reicht es nicht aus, halbherzig einen Mitarbeiter in einen Berliner Coworking-Space mit Kicker zu setzen.

    CEOs müssen sich dieses Themas selbst annehmen – und zwar mit Risikobereitschaft und Entschlossenheit. Und woher sollen die Ideen kommen? Wir haben in Europa einige der besten Technologieuniversitäten, 5,7 Millionen professionelle Entwickler (versus 4,4 Millionen in den USA), 60.000 Doktoranden in den MINT-Bereichen (versus 28.000 in den USA) und 32 der globalen Top-100-KI-Institute (versus 30 in den USA).

    Vor allem braucht es aber eines: Unternehmergeist! Und genau der kommt bei den Studenten unserer technischen Universitäten nicht genug an. Warum ich trotzdem optimistisch bin? Wir haben mit Viessmann einen Mittelständler, der binnen zwei Jahren ein 100 Jahre altes Geschäft erfolgreich auf die digitale Zukunft ausgerichtet hat. Celonis ist als Start-up in kürzester Zeit der globale Marktführer für Process-Mining geworden.

    Lilium Aviation erfindet gerade die Mobilität durch Flugtaxis neu. Wenn alle diese Unternehmer jetzt noch an die Unis zurückgehen und mit ihren Geschichten die nächste Generation anstecken, selbst Technologieunternehmen zu gründen, dann vernetzt sich „old“ und „new“: Genau das braucht es, damit unser German Valley endlich Fahrt aufnimmt! 

    Ich bin überzeugt, dass wir in Deutschland die besten Zutaten haben, die digitalen Weltmarktführer von morgen zu formen. Wir müssen nur wieder vor die Welle kommen.

    Mehr: Studien zeigen, dass deutlich mehr potenzielle Nachfolger als vor zehn Jahren in Familienunternehmen streben. Doch der Elan wird oft gebremst.

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