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Gastkommentar Unternehmensführung muss endlich nachhaltig gestaltet werden

Spätestens in der jetzigen Krise ist es Zeit, die Kleinteiligkeit bei den Ansätzen zur Corporate Governance zu überwinden. Die Herausforderung ist groß.
29.07.2020 - 15:51 Uhr Kommentieren
Daniela Weber-Rey ist Rechtsanwältin und Aufsichtsrätin bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Sie ist Mitglied im Kuratorium des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung. Quelle: laif, Montage Handelsblatt
Die Autorin

Daniela Weber-Rey ist Rechtsanwältin und Aufsichtsrätin bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Sie ist Mitglied im Kuratorium des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung.

(Foto: laif, Montage Handelsblatt)

Spätestens seit der Finanzmarktkrise ist klar, dass wir als Gesellschaft einen Vertrauensverlust in die Wirtschaft erleben. Der Leistungsgesellschaft wird vorgeworfen, Risiko und Verantwortung seien entkoppelt. Nun stürzt uns die Coronakrise endgültig in eine Diskussion um eine zukünftige Wertegesellschaft. Welche Rolle fällt dabei den Unternehmen zu?

Die Diskussion rund um eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance), die (soziale) Betriebslizenz von Unternehmen (License to operate) und die Rolle der Unternehmen in der Gesellschaft (Purpose) ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Widerstandsfähigkeit unserer Wirtschaft UND Gesellschaft wird durch die Covid-19-Pandemie auf das Äußerste getestet.

Notwendigerweise verschieben sich auch unsere Annahmen hinsichtlich der Rolle der Wirtschaft, der Investoren und der Regierungen für unsere und in unserer Gesellschaft. In den Vordergrund tritt wieder die Sozialpflichtigkeit des Eigentums. Gesucht wird der Seinszweck der Unternehmen.

Nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die unterschiedlichsten Investoren legen mittlerweile ihren Fokus auf nachhaltige Wertentwicklung und die legitimen Interessen der verschiedenen Akteure (Stakeholder) statt nur auf die Aktionärsinteressen.

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    Es muss aber die kommunizierte edle Gesinnung einer nachhaltigen Werteentwicklung in ein klares Handeln übergehen. Gesucht wird der richtige Weg zur Allgemeingültigkeit von Purpose – und eben nicht nur gutes Marketing.

    Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Wirtschaften

    Seit Jahrzehnten arbeiten wir nun an einem besseren System der Unternehmensführung. Schon vor der Finanzmarktkrise wurden die Anforderungen an das Management und den Aufsichtsrat deutlich verschärft.

    Auslöser der Neuerungen waren immer endogene Ereignisse, wie Skandale in der Wirtschaft und dem Finanzsektor. Verschärfte Regulierung gefolgt von immer neuen Kontrollen sollten dem wahrgenommenen Fehlverhalten Einhalt gebieten. Große Ziele.

    Wie aber steht es mit dem Erfolg? Zu viel der vielleicht für den Finanzsektor erforderlichen Regulierung der Corporate Governance ist auf alle börsennotierte Unternehmen erstreckt worden: Zu viele unternehmerische Freiheiten wurden beschnitten, zu kleinteilig waren manche Ansätze, und das System der Unternehmensführung wurde gestört durch Verschiebungen der Aufgaben zwischen den Organen.

    Es fehlt leicht an Zeit und Fokus für die wichtigsten Themen: die mittel- und langfristige Strategie, das Unternehmen in seiner Raison d’Etre, seiner Rolle (Purpose) und seiner Verantwortung in der Gesellschaft.

    Um zum Kern der Verantwortung für Unternehmen über die nackte Gewinnerzielung hinaus zurückzufinden, gibt und gab es verschiedene Ansätze in den letzten Jahren. Die neuen Schlagworte heißen unter anderem Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Wirtschaften.

    Wieder wird zu viel auf Regulatorik und sogenannte Soft-Law-Empfehlungen zurückgegriffen. Wieder geht es um viele kleinteilige Ansätze. Natürlich ist es wichtig, sich um Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG) zu kümmern. Aber wir reduzieren Corporate Governance zu Compliance-Regeln und drohen dabei erneut den Blick auf das große Ganze zu verlieren.

    Richtiges Zusammenspiel

    Es muss uns gelingen, Diskussionen in den Organen unter einem Kerngedanken zu bündeln, die Unternehmen dadurch fest in der Gesellschaft zu verankern und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Dem sollen die Arbeiten zur Zukunft von Unternehmen und ihrer Rolle (Purpose) in der Gesellschaft dienen.

    In Großbritannien wurde der UK Corporate Governance Code im Jahr 2018 verschärft und der Board aufgefordert, für das Unternehmen einen Purpose, Werte und eine Strategie festzulegen, die ausgerichtet sind auf die Kultur des Unternehmens.

    In Frankreich wurde 2019 durch das Gesetzeskonglomerat PACTE nicht nur auf Purpose Bezug genommen, sondern konkret eine Raison d’Etre (ein Seinszweck für die Gesellschaft) für Unternehmen gefordert. Die Neufassung des Deutschen Corporate Governance Kodexes aus diesem Jahr fordert nun in ihrer Präambel, dass Unternehmen und ihre Organe sich ihrer Rolle in der Gesellschaft und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein sollen.

    Noch weiter zielt ein aktuelles Projekt der British Academy ‚The Future of the Corporation‘. Hierbei geht es um das richtige Zusammenspiel von Purpose, Profit, People & Planet: „The purpose of business is to profitably solve problems of people and planet, and not profit from creating problems.“

    Dabei geht es um ein gesellschaftliches Ziel in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Unternehmenszweck. Es geht nicht um Wohltätigkeit. Die Herausforderung bleibt groß, aber der eingeschlagene Weg ist richtig.

    Mehr: Die Finanzmärkte genießen Vorrang vor der Wirtschaft, meint Katharina Pistor.

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