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Gastkommentar Warum die große Klimakatastrophe nicht eintreten wird

Kollektive Schockstarre beim Thema Klimawandel ist unangebracht. Stattdessen haben wir allen Grund zum Öko-Optimismus. Denn der Wandel ist im Gange.
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Matthias Horx ist Gründer des Zukunftsinstituts, Daniel Dettling leitet das Berliner Büro. Sie erreichen sie unter: gastautor@handelsblatt.com
Matthias Horx und Daniel Dettling

Matthias Horx ist Gründer des Zukunftsinstituts, Daniel Dettling leitet das Berliner Büro. Sie erreichen sie unter: gastau[email protected]

„Heißzeit“. Das Wort des vergangenen Jahres erinnert uns daran, dass es jenseits von Populismus, Fremdenangst und Datenklau noch etwas gibt, das uns alle verbindet: Wir leben zusammen auf einem blauen Planeten. Der ist eine wahre Schönheit, um die wir uns kümmern können.

Aber warum bleibt die Klimabewegung immer wieder in einem Sumpf von Besserwisserei, Pessimismus und Zynismus stecken, nach dem Motto „Bringt ja sowieso nichts“?

Das Klimaabkommen von Kattowitz im Dezember 2018, wie alle Abkommen vorab schon als „unmöglich“ deklariert, kam am Ende doch zustande. Auch weil 2018 das wärmste Jahr seit Aufzeichnung des Wetters war. Prompt stiegen in Deutschland die Werte der Grünen ebenso an wie der Anteil der erneuerbaren Energie, der inzwischen bei 40 Prozent liegt. Alles Zufall? Alles wertlos? Alles zu spät?

Dabei haben wir, statt in kollektive Angst- und Katastrophenstarre zu verfallen, allen Grund zum Öko-Optimismus. Der notwendige Wandel ist längst im Gange. Die große Mehrheit der Bürger will deutlich mehr Klimaschutz. Die meisten deutschen Großunternehmen befürworten heute klare, auch strenge Richtlinien.

Statt als Kampf um knappere Ressourcen, als große Verzichtsübung bei Strafe des Untergangs müssen wir die Energiefrage als Projekt eines spektakulären technischen Fortschritts angehen, der die Kräfte der Natur freisetzt. In drei Bereichen gibt es längst klimaschonende Alternativen mit erheblichen positiven Nebenwirkungen: Energie, Verkehr und Ernährung.

Das letzte Jahr markiert einen wichtigen Meilenstein in der Klimawende. Der Anteil der Erneuerbaren hat mit 40 Prozent am Strommix in Deutschland einen neuen Rekord erreicht. Es ist noch nicht lange her, als uns die Stromriesen vorrechneten, dass mehr als zehn Prozent nie möglich wären – Solar und Wind seien viel zu „schwache“ Energien für ein nördliches Land wie Deutschland.

Die deutsche Autoindustrie, die den Wandel lange ignoriert hat, denkt jetzt radikal um. Der „Dieselsünder“ VW steigt ins regenerative Energiegeschäft ein, experimentiert mit Carsharing und beeilt sich, eigene Ladenetze zu errichten. Plötzlich geht alles sehr schnell.

Kopenhagen und Amsterdam als Vorbilder

Vor allem die Städte des europäischen Nordens machen vor, wie man die Energiewende mit einer steigenden urbanen Lebensqualität koppelt. Kopenhagen und Amsterdam haben den Autoverkehr in den letzten Jahren weitgehend reduziert – im Einvernehmen mit den Bewohnern und zu ihrer weitgehenden Freude.

Und Deutschland? Hier stagniert der Anteil der Radfahrer, weil die Wege zu gefährlich sind. Beim Rad- und Nahverkehr gehört Deutschland zu den Entwicklungsländern in Europa. Dabei sind Radfahrer Umfragen zufolge die glücklichsten Verkehrsteilnehmer.

Der „Dieselsünder“ VW steigt ins regenerative Energiegeschäft ein, experimentiert mit Carsharing und beeilt sich, eigene Ladenetze zu errichten. Plötzlich geht alles sehr schnell. Matthias Horx und Daniel Dettling

Obwohl die Bevölkerungszahl der Erde 7,5 Milliarden überschritten hat, können wir heute die gesamte Erdbevölkerung ernähren. Nur in Krisen- und Kriegsregionen kommt es noch zu Knappheit. In den Wohlstandsnationen stellen wir inzwischen viel zu viele Kalorien her, von denen eine viel zu große Menge einfach verdirbt.

Es gibt also keinen Sachzwang zur immer weiteren Intensivierung der Landwirtschaft und den damit verbundenen Klimaschäden. Der „Peak Meat“, der Gipfel des Pro-Kopf-Fleischkonsums, ist bald weltweit erreicht. Immer mehr essen weniger und gezielter Fleisch. Sie sind „Flexitarier“ – der größte Ernährungstrend der Zukunft.

Lust auf die Zukunft

Handelsketten wie Edeka und Metro betreiben „Vertical Farming“ und gehen unter die Gärtner. Die deutschen Fleischkonzerne Rügenwalder Mühle und Wiesenhof investieren massiv in Fleischalternativen. Soja, Insekten und Erbsen sind das neue Fleisch – und in den USA bereiten Innovatoren wie „Beyond Meat“ die nächste Welle der Fleischsubstitution vor.

Wir wagen eine Prognose: Der „Carbon Peak“, der Gipfel des globalen CO2-Ausstoßes, wird schon in den nächsten zehn Jahren erreicht. 2050 wird das Wort „Klimakatastrophe“ aus dem öffentlichen Wortschatz verschwunden sein. Es wird wärmer sein auf dem Planeten, aber deshalb nicht unbedingt dauerhaft katastrophisch. Ökologie handelt dann nicht mehr von Schuld, Sünde, Strafe und Enthaltsamkeit.

Die postfossile Sanierung unseres Planeten braucht aber eine gesellschaftliche Mehrheit, die Lust auf Zukunft macht. Und die Dinge zusammenfügt, die tatsächlich zusammengehören. Ökologie und Ökonomie. Technik und Natur. Fortschritt und Schönheit. Das geht. Wetten?

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