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Gastkommentar Warum Peter Altmaier mit seiner Industriestrategie recht hat

Industriepolitik hat einen schlechten Ruf, weil sie „Verlierer-Firmen“ schützt. Doch es gibt eine Ausnahme. Und sie rechtfertigt Altmaiers Strategie.
1 Kommentar
Die Autorin leitet das Seminar für Internationale Wirtschaftsbeziehungen der Universität München. Quelle: Privat [M]
Dalia Marin

Die Autorin leitet das Seminar für Internationale Wirtschaftsbeziehungen der Universität München.

(Foto: Privat [M])

Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat eine „Nationale Industriestrategie 2030“ vorgestellt, die die heimische Industrie schützen soll. Die geplanten staatlichen Maßnahmen sind umstritten. Lars Feld vom Sachverständigenrat nennt diese Strategie einen Irrweg und bezichtigt Altmaier der Planwirtschaft. Hier geht es aber nicht um eine ideologische Auseinandersetzung wie Feld nahelegt, sondern um die Frage, ob eine solche Industriepolitik funktioniert („what works?“). Was sagt die Wissenschaft dazu?

Eine aktive Industriepolitik hat in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung einen sehr schlechten Ruf. Das hängt besonders damit zusammen, dass dort, wo diese Politik zum Einsatz kam, in der Regel „Verlierer“ durch den Staat gestützt wurden. Dadurch wurde verhindert, dass nicht wettbewerbsfähige Firmen aus dem Markt verschwinden.

Insbesondere in den Entwicklungsländern wurde argumentiert, dass neu entstehende Industrien einen besonderen Schutz durch den Staat erforderlich machen. Die Weltbank hat sich in der Folge durch den Misserfolg der sogenannten Importsubstitutionspolitik in den 60er- und 70er-Jahren von diesem Rezept der Industrialisierung armer Länder abgewandt.

Mit dem Aufkommen der „strategischen Handelspolitik“ in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde erstmals das theoretische Rüstzeug für eine aktive Industriepolitik geliefert. Die optimale Exportpolitik auf einem Weltmarkt mit vollständiger Konkurrenz ist nicht Freihandel, sondern ein hinreichend kleiner Exportzoll.

Diese Schlussfolgerung ändert sich jedoch wenn Firmen Marktmacht auf dem Weltmarkt besitzen. Stehen Firmen in einem strategischen Wettbewerb zueinander (wie etwa Airbus und die US-Firma Boeing), so kann eine Subventionierung der Produktion dazu führen, dass Airbus auf Kosten von Boeing Marktanteile gewinnt. Die Subvention macht Airbus zum „Stackelberg-Führer“, wodurch Airbus der Firma Boeing den Marktanteil diktieren kann.

Es gibt einen theoretischen Fall, in dem eine staatliche Intervention angesagt ist: bei Skalenerträgen, Lerneffekten und Netzwerken. Treten diese auf, so kann ein Nachzügler wie China über eine vorübergehende Industriesubvention in einem Sektor mit Lerneffekten rasch einen komparativen Vorteil erzielen, der auch nach Wegfall der Subvention anhält.

Es gibt einige Gründe, die dafür sprechen, dass es sich bei der Künstlichen Intelligenz um eine solche Technologie mit Lerneffekten handelt. Je mehr Daten ein Sektor produziert, umso mehr lernt er und umso besser wird er auch im Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

China setzt Industriesubventionen clever ein

China hat durch seine Größe einen komparativen Vorteil in Sektoren mit Skalen- und Lerneffekten. China hat dies erkannt und durch den cleveren Einsatz von Industriesubventionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz für sich zu nutzen gewusst. Sollen Deutschland und Europa auf die chinesische Subvention mit eigenen Subventionen reagieren? Kann eine solche Strategie aufgehen?

In jüngster Zeit sind zwei Studien erschienen, die die Wirkung der Industriepolitik Japans und Südkoreas untersuchen. Südkorea gehört heute zu einem der vier wirtschaftlich stärksten asiatischen Tigerstaaten, die eine erfolgreiche Industrialisierung geschafft haben. Hat die Industriepolitik dazu beigetragen?

Das untersucht Nathaniel Lane vom Massachusetts Institute of Technology im Bezug auf die Industrieförderung in den Jahren 1973 bis 1979 zum Aufbau des südkoreanischen Militärsektors. Das Ergebnis der Studie: Die Produktion der geförderten Industrien wuchs im Durchschnitt um 80 Prozent mehr als jene der nicht geförderten Industrien.

Ihre Produktivität erhöhte sich und die Preise der geförderten Industrien zeigten sich um 11 Prozent niedriger, verglichen mit den nicht-geförderten Sektoren. Dabei ist entscheidend, dass nach Wegfall der Förderung das stärkere Wachstum der geförderten Sektoren verglichen mit den nicht-gestützten Sektoren aufgrund von Lerneffekten anhielt.

Ähnlich positive Auswirkungen dieser Industriepolitik findet eine Studie der Stanford University zur japanischen Industriepolitik, die sich Südkorea und China zum Vorbild nahm.

Ich finde es deshalb angebracht, dass sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier angesichts der veränderten Rahmenbedingungen, die durch die Digitalisierung und durch die China-Konkurrenz entstanden sind, dieser Frage neu annimmt.

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1 Kommentar zu "Gastkommentar: Warum Peter Altmaier mit seiner Industriestrategie recht hat"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Peter Altmaiers Vorstoß ist vor allem eines: mutig!
    Denn natürlich war ihm klar, dass er sich damit in der Wirtschaft und der EU nicht nur Freunde machen würde. Und doch ist seine Initiative im Kern nicht falsch.
    Die Soziale Marktwirtschaft braucht dringend ein Update: Aus der National-Ökonomie ist längst eine Global-Ökonomie geworden, in der auch die Kommunistische Partei Chinas machtvoll mitspielt.
    Altmaier hat die Statur, zum „Ludwig Erhard des 21. Jahrhunderts“ werden!

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