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Gastkommentar Was für einen Aufschwung spricht

Lassen wir uns vom verlängerten Lockdown und dem holprigen Impfstart nicht täuschen: Es gibt gute Gründe für eine kraftvolle Erholung, meinen Cornelius Baur und Gabriel Felbermayr.
02.02.2021 - 08:48 Uhr Kommentieren
Cornelius Baur (links im Bild) ist McKinsey-Deutschlandchef, Gabriel Felbermayr ist Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Quelle: Heider-Sawall; dpa [M]
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Cornelius Baur (links im Bild) ist McKinsey-Deutschlandchef, Gabriel Felbermayr ist Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

(Foto: Heider-Sawall; dpa [M])

Der deutschen Wirtschaft steht ein zweigeteiltes Jahr bevor: Die ersten Monate werden stärker durch die Pandemie geprägt sein als zwischenzeitlich erhofft. Wenn aber die Impfkampagnen international vorankommen und größere Rückschläge ausbleiben, wird im Sommer ein kräftiger Aufschwung einsetzen. Statt zaghaft zu warten, bis die Pandemie abflaut, sollten Unternehmen deshalb schon jetzt auf Durchstarten umschalten. In den USA und China ist dieser Geist schon spürbar.

Volkswirtschaftlich sprechen die Erfahrungen aus dem Sommer 2020 für eine starke Aufholbewegung. Sobald Pandemieauflagen zurückgefahren werden, schnellt die Wachstumskurve wieder nach oben. Das dürfte auch nach Impferfolgen der Fall sein. Dort, wo die Schmerzen am größten waren, sind die Erholungs- und Nachholeffekte nicht selten am stärksten.

Deutschlands Konsumenten haben 2020 in Rekordhöhe gespart – aus Vorsicht, aber auch mangels Möglichkeiten, ihr Geld wie gewohnt ausgeben zu können. Nach Schätzung des Instituts für Weltwirtschaft halten sie im Vorjahr und in diesem Jahr rund 200 Milliarden Euro an Kaufkraft zurück. Dieser Konsumstau wird sich auflösen und die Nachfrage ankurbeln.

Auch der für die hiesige Industrie wichtige Welthandel dürfte nach einem Rückgang von 5,4 Prozent im Vorjahr in diesem Jahr wieder um knapp neun Prozent wachsen – angezogen auch von China. Das produzierende Gewerbe dürfte deshalb ordentlich durch die zweite Corona-Welle kommen.

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    Produktive Strukturen sind für den Aufschwung intakt geblieben. Schließlich stabilisiert der Staat die Wirtschaft mit Hilfspaketen in Rekordhöhe. Allein in Deutschland fällt das Volumen des Bundeshaushalts 2020 rund 146 Milliarden Euro und 2021 rund 133 Milliarden Euro höher aus als ursprünglich geplant.

    Krise erzwingt Reorganisationen

    Auch auf Unternehmensebene gibt es gute Voraussetzungen für ein dynamisches Comeback. Die Krise erzwingt Reorganisationen: Die Arbeitsorganisation verändert sich und erfährt einen Digitalisierungsschub, ineffiziente Arbeits- und Organisationsformen werden infrage gestellt, die Agilität steigt. Solche Veränderungsprozesse können Produktivitätstreiber sein, die in einem Aufschwung ihre Wirkung entfalten. Damit sie das tun, müssen Unternehmen nun die Voraussetzungen schaffen.

    Das Topmanagement muss offen die Fragen diskutieren, in welche Welt die Beschäftigten zurückkehren, wenn die Krise abflaut. Welche erkannten Schwächen gilt es zu beseitigen, welche Stärken haben sich als hilfreich und ausbauwürdig erwiesen? Was bedeutet das für Portfoliostrategie und Investments? Welche Wertschöpfungsstufen und Produkte brauchen wir wirklich? Lehren aus der Krise können zu einem veritablen Fitnessprogramm werden. Anpassungsschmerzen sind dabei inklusive, aber wer diese auszuhalten bereit ist, kann am Ende auch stärker dastehen.

    Ein gutes Zusammenspiel von Politik und Unternehmen ist jetzt entscheidend, um die Krisenfolgen abzufedern und die Wachstumsdynamik zu unterstützen. Dazu gehören gut strukturierte, planbare Staatshilfen, fokussiert auf besonders betroffene Firmen mit funktionierendem Geschäftsmodell, die vor allem auf den Erhalt von Eigenkapital setzen. Das Potpourri der vergangenen Monate von immer neuartigen Hilfsprogrammen ist nicht hilfreich, um die Strukturen für den Aufschwung zu erhalten und Planbarkeit zu sichern. Restrukturierungen und Insolvenzen werden Arbeitsplätze kosten.

    Aber das Arbeitskräfteangebot für Unternehmen bleibt strukturell knapp: Die Gesellschaft altert, geburtenschwache Jahrgänge kommen auf den Arbeitsmarkt. Deshalb wird es starken Unternehmen, die dringend Leute suchen, entgegenkommen, dass anderswo Arbeitskräfte freigesetzt werden. Die Arbeitsmarktpolitik kann dazu beitragen, dass für Betroffene der Arbeitsplatzverlust glimpflich verläuft und Unternehmen auf ein passendes Arbeitskräfteangebot treffen.

    Dem Leitmotiv „Safe workers, not jobs“ folgend muss es darum gehen, Arbeitslosigkeit kurz zu halten und die Weiterqualifizierung zu forcieren. Lieber den Strukturwandel flankieren statt alte Strukturen konservieren. Dazu gehört auch, die Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld nicht immer weiter auszudehnen, wo das Ende der Krise absehbar ist.

    Welche produktive Dynamik eine Krise im Zusammenspiel von Unternehmen und Staat auch in Deutschland entfalten kann, zeigen die Entwicklung und Zulassung des Biontech-Impfstoffs. Erfolgsfaktoren waren das entschlossene und disruptive Handeln eines innovativen Unternehmens, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die Bereitschaft des Staates, Großrisiken abzufedern, und die Flexibilität von Behörden, eine schnelle und regelkonforme Zulassung zu ermöglichen.

    Biontech ist ein Beweis, dass Unternehmertum in Deutschland sehr erfolgreich sein kann. Solche Beispiele sind Anschauungsmaterial, wie Herausforderungen unserer Zeit – die sich auch durch Klimawandel oder Digitalisierung stellen – in einem produktiven Miteinander von Wirtschaft und Staat zu bewältigen sind.

    Mehr: Kauflaune der Verbraucher sinkt – Inflation dürfte deutlich steigen

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