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Erdgaspipeline Eugal wird im Nordosten verlegt

Gastkommentar Was heute Erdgas ist, wird morgen grünes Gas sein

Die Energiewende wird ohne Wasserstoff nicht auskommen. Die Gaswirtschaft hat das erkannt. Doch beim Wandel braucht es die Hilfe der Politik.
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„Gas ist sexy“: So leitete Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kürzlich die Vorstellung der Ergebnisse des Dialogprozesses „Gas 2030“ in Berlin ein. Über mehrere Monate hatte sein Ministerium in einem breit angelegten Dialog über die Herstellung und Einsatzmöglichkeiten von Gas diskutiert. Aus dem Bericht lassen sich drei wesentliche Schlüsse mit weitreichenden Folgen für die Energiewende ziehen.

  • Erstens: Eine Energiewende nur mit Strom funktioniert nicht. Lange galt das unverrückbare Dogma, alle Fragen der zukünftigen Energieversorgung mit erneuerbarem Strom zu beantworten. Jetzt zeigt sich: Diese Strategie ist ungeeignet, um die Klimaziele zügig zu erreichen. Seit über zwei Jahrzehnten bauen wir unser Stromsystem mit großem Aufwand aus. Dennoch deckt Strom gerade mal ein Fünftel unseres Energieverbrauchs ab. Und davon wird nur rund die Hälfte durch erneuerbare Energien erzeugt. Gleichzeitig kommen wir bei den CO2-Einsparungen nicht schnell genug voran. Nun auch bei der Wärmeversorgung, den Industrieprozessen und im Verkehr auf Ökostrom zu warten, macht den Weg zum Ziel nur länger und beschwerlicher. Erdgas und Wasserstoff bieten hingegen praktikable Lösungen für die übrigen vier Fünftel unseres Energieverbrauchs.
  • Zweitens: Energieimporte bleiben wichtig für Deutschland. Lediglich ein Zehntel unserer konventionellen Energie wird derzeit auch in Deutschland erzeugt. Energieautarkie anzustreben und insbesondere auf Gasimporte zu verzichten, bringt uns nicht ans Ziel. Viel spricht dafür, dass die Anstrengungen für mehr Klimaschutz den Gasbedarf nicht sinken lassen. So werden Gaskraftwerke die Stromversorgung während des Atom- und Kohleausstiegs sichern. Auch im Wärmemarkt wird der Anteil von Gas stabil bleiben. Knapp ein Viertel aller Heizungen in Deutschland nutzen heute Öl, verursachen aber fast die Hälfte der CO2-Emissionen des Sektors. Ein Wechsel hin zu effizienten Gasheizungen ist ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaziele.
  • Drittens: Was heute Erdgas ist, wird morgen grünes Gas. Der Wechsel von Öl und Kohle zu Gas wird die CO2-Emissionen erheblich senken. Emissionsarmes Erdgas wird jedoch nicht ausreichen, um auch die langfristigen Klimaziele zu erfüllen. Die bestehende Gasinfrastruktur wird daher statt Erdgas immer mehr Wasserstoff speichern und verteilen. Die Gaswirtschaft bereitet sich bereits intensiv auf diesen Wandel vor und entwickelt zudem Technologien, Wasserstoff in großen Mengen zu produzieren. Und auch das Potenzial von Biogas ist noch lange nicht ausgeschöpft und wird daher von der Gaswirtschaft weiterverfolgt.

Der Bericht der Regierung unterstreicht: Der Energieträger Gas, seine Speicher und das mit einer Länge von über 500.000 Kilometern sehr gut ausgebaute Netz sind zentrale Bausteine für das Gelingen der Energiewende. Doch es liegen große Aufgaben vor Politik und Gaswirtschaft: Die zukünftigen Erdgasbedarfe erfordern, dass neue Infrastrukturen wie LNG-Terminals und Pipelines für den Import von Gas entwickelt und etablierte Handelsbeziehungen weiter gestärkt werden.

Parallel dazu muss ein Ausbauziel für grüne Gase wie Wasserstoff, Biogas und synthetisch erzeugtes Erdgas definiert werden. Nur so bekommt die Gaswirtschaft echte Planungssicherheit und löst die notwendigen Investitionen in Grüngas-Technologien aus.

Den Blick dabei nur auf Deutschland zu richten, reicht nicht. Wir müssen das Thema vor allem europäisch denken: Die EU – einst gestartet als Montanunion, also als Freihandelsgemeinschaft für Kohle und Stahl – ist heute zum größten gemeinsamen Wirtschaftsraum der Welt zusammengewachsen. Das europäische Projekt hat sich seitdem stetig weiterentwickelt. Das nächste Ziel ist ein „European Green Deal“. Europa soll damit zum ersten klimaneutralen Kontinent werden. Kohle, mit der einst alles begann, wird damit zum Auslaufmodell.

Der Autor ist Vorstand von Zukunft Erdgas e.V.
Timm Kehler

Der Autor ist Vorstand von Zukunft Erdgas e.V.

Gas und seine Infrastruktur sind wesentliche Bausteine des zukünftigen Energiesystems – und das nicht nur in Deutschland. Jetzt gilt es erneut, die Ländergrenzen in Europa zu überwinden. Die Bundesregierung muss sich deshalb für einen europäischen Binnenmarkt für grünes Gas engagieren. Ob spanische Windkraft oder griechische Sonnenenergie – im Gasnetz können wir sie schon heute als Wasserstoff speichern und so als grüne Energie in ganz Europa nutzbar machen.

Je schneller Brüssel die Weichen für den breiten Einsatz von Wasserstoff stellt, desto größer wird der Wettbewerbsvorteil für die europäische Industrie. So wird Europa sein technisches Know-how ausspielen und zum weltweiten Spitzenreiter bei Wasserstoff-Technologien avancieren. Im Sinne einer „Montanunion 2.0“ müssen wir eine europäische Wasserstoffunion schaffen. Sie wird der europäischen Idee starke neue Impulse geben.

Mehr: Deutschlands Rechnung zur Energiewende geht nicht auf, kommentiert Klaus Stratmann.

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