Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkommentar Wir brauchen beim 5G-Netzausbau Transparenz – ohne Diskriminierung ausländischer Wettbewerber

Huawei oder andere Unternehmen vom Ausbau auszuschließen, bringt uns nicht weiter. Wir brauchen stattdessen allgemeingültige Standards und effiziente Kontrollen.
04.08.2020 - 12:01 Uhr 1 Kommentar
David Wang (Huawei) und Joe Weingarten (SPD-Bundestagsabgeordneter)
Die Autoren

David Wang ist Chief Representative von Huawei in Deutschland. Joe Weingarten ist SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Digital-Ausschusses.

China braucht Europa und Europa braucht China – auch in der Telekommunikations- und Industriepolitik. In einer globalisierten Welt mit internationalen Lieferketten kann die Lösung für digitale Souveränität nicht Autarkie bedeuten. Denn die Verflechtung von internationalen Zuliefererketten bedeutet, dass kein Land sich oder andere vom Wertschöpfungsprozess der Hochtechnologieprodukte ausschließen kann.

Nach der Coronakrise müssen wir noch mehr zusammenarbeiten, um der Weltwirtschaft neue Anstöße zu geben und die Digitalisierung als Motor der Wertschöpfung voranzutreiben.

Das bedeutet nicht, auf die eigene digitale Souveränität zu verzichten. Digitale Souveränität heißt, selbstbestimmt die Regeln zu setzen und durchsetzen zu können, Technologien zu verstehen und auch zu kontrollieren. Die Stärkung der Rechtsetzung und behördlicher Infrastrukturen ist auch in Deutschland Voraussetzung für den Erhalt der digitalen Souveränität Deutschlands und Europas.

Dabei hängt die Sicherheit einer Technologie im Zeitalter globaler Lieferketten nicht von der Herkunft des Unternehmens oder dem Ort der Produktion, sondern von ihrer Beschaffenheit ab. Deshalb kann keinem Hersteller von vornherein vertraut werden, egal ob er staatlich ist oder wie im Fall von Huawei privat und in den Händen seiner Mitarbeiter. Stattdessen sind konsequentes und dauerhaftes Testen aller eingesetzten Technologien und Werkzeuge unverzichtbar auf dem Weg zu einem echten Maximum an Sicherheit.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Kein Unternehmen darf einen Persilschein bekommen, mit dem es ungeprüfte Updates oder Komponenten liefern könnte. Die Bewertung der Vertrauenswürdigkeit eines Herstellers sollte immer von den aktuellen sicherheitstechnischen Überprüfungen seiner Produkte und seinem regelkonformen Verhalten abhängen. Das ist ein dauerhafter Prozess.

    Null Vertrauen sorgt für eine nachhaltige Partnerschaft

    Dieser sogenannte „Zero Trust Approach“ bedarf eines konstanten Lernprozesses innerhalb der Test- und Kontrollinstitutionen. Um diesen Lernprozess zu ermöglichen, sind der Austausch und die Koordination der nationalen Sicherheitsbehörden, von Wissenschaft und Wirtschaft auf europäischer Ebene, von herausragender Bedeutung. Hierfür bedarf es einer Stärkung der NIS Cooperation Group, der Europäischen Koordinationsgruppe der nationalen Cybersicherheitsbehörden, und der Europäischen Agentur für Cybersicherheit, Enisa.

    Um eine möglichst hohe Sicherheit der 5G-Systeme zu gewährleisten, muss sich die Beurteilung der Unternehmen und Technik an den europäischen Empfehlungen orientieren. Die „Toolbox“ der EU zur 5G-Sicherheit liefert wertvolle Bausteine für eine Sicherheitsarchitektur, die gleichzeitig einen fairen und diskriminierungsfreien Wettbewerb ermöglichen kann.

    Wettbewerb und Sicherheit widersprechen sich nicht, im Gegenteil: Um die Abhängigkeit von einzelne Zulieferern und Unternehmen zu minimieren, sollte jeder Netzbetreiber grundsätzlich mehrere Zulieferer nutzen. Hierfür muss die Kompatibilität der verschiedenen Komponenten gewährleistet werden, was durch globale Standards geschieht. Über diese Standards brauchen wir einen offenen Dialog, bei dem die notwendigen hohen Sicherheitsaspekte im Vordergrund stehen.

    Voraussetzung für einen konstruktiven Austausch zwischen Unternehmen, Politik und Behörden ist wiederum Transparenz. Die Politik muss klare Regeln und Anforderungen an Technologie und Unternehmen formulieren. Die Unternehmen müssen gleichzeitig die Quellcodes für Behörden offenlegen. Und sie sind gut beraten, beim Einsatz neuer Techniken auf eine Diversifizierung ihrer Geschäftspartner und Lieferanten zu achten. Wettbewerb und technologische Unabhängigkeit sind die Basis für digitale Souveränität.

    Vorbehalte durch klare Regeln und Transparenz ersetzen

    Dieses Vorgehen darf nicht nur in Deutschland gelten: Auch China muss sich wie alle internationalen Akteure klar zu globalen Standards, transparenten Sicherheitskriterien und fairen, offenen Marktzugängen bekennen. Wettbewerb darf es nicht nur in Europa geben. Vor diesem Hintergrund ist es positiv, dass der Marktzugang im Sektor Netzausrüstung in China bereits seit 30 Jahren für europäische Zulieferer grundsätzlich gegeben ist. Wie von KPMG testiert, erhält Huawei zudem vom chinesischen Staat lediglich 0,3 Prozent des Gesamtumsatzes an Subventionen für Forschungs- und Entwicklungsprojekte – eine Größenordnung, die auch europäische Unternehmen in öffentlichen Forschungsprojekten erhalten. Weltweit faire Wettbewerbsbedingungen dürfen auch in Zukunft nicht untergraben werden.

    Für ein Industrieland wie Deutschland stellt die Verbindung von Maschinenbau und Elektrotechnik mit digitaler Infrastruktur eine wesentliche Basis seiner wirtschaftlichen Zukunft dar. Gerade weil China auch auf diesem Gebiet gleichzeitig Partner und Wettbewerber ist, ist es legitim, die Nutzung aller Hard- und Software in diesem Zusammenhang besonders kritisch zu prüfen. Aber ohne prinzipiellen Ausschluss einzelner Unternehmen von vorneherein, denn deutsche Firmen müssen die Freiheit haben, sich im Rahmen gesetzlicher Regelungen ihre Technologielieferanten selbst auszusuchen, auch um selbst wettbewerbsfähig zu bleiben.

    Deswegen müssen sich alle Unternehmen an den gleichen Standards und Regeln orientieren, und Aufgabe des Staates ist es, ständig zu überwachen, dass diese von allen Firmen, unabhängig von ihrer Herkunft, eingehalten werden. Nur so entsteht Rechts- und Investitionssicherheit. Wenn ein Unternehmen die festgelegten Standards und Regeln erfüllt, darf es nicht als Zulieferer ausgeschlossen werden. Die beste technische Lösung muss sich durchsetzen. Wir brauchen beides: Wettbewerb und Kontrolle.

    Mehr: China belebt seine Wirtschaft wieder: Mit moderner Infrastruktur, langfristiger Strukturpolitik – und enormen Kosten.

    Startseite
    Mehr zu: Gastkommentar - Wir brauchen beim 5G-Netzausbau Transparenz – ohne Diskriminierung ausländischer Wettbewerber
    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Wir brauchen beim 5G-Netzausbau Transparenz – ohne Diskriminierung ausländischer Wettbewerber"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Genauso ist es. Es müssen zwischen den verschiedenen Stakeholdern transparente Schnittstellen und entsprechende Experten auf allen Seiten aufgebaut werden. Dadurch kann dann auch Vertrauen zwischen den konkurrierenden und kollaborierenden Partnern entstehen. Das "Blame Game" ist abzulehnen. Aber es gilt: Vertrauen ist gut Kontrolle ist besser.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%