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Gastkommentar Wir brauchen dringend neue Konzepte für die Kinderbetreuung

Unser Wohlstand steht und fällt mit zuverlässiger Kinderbetreuung, wie die Coronakrise zeigt. Notwendig ist eine robuste Betreuungsinfrastruktur.
23.06.2020 - 09:52 Uhr 1 Kommentar
Angela Schmidt  ist Gründerin und Geschäftsführerin des bundesweit tätigen Unternehmens „Die Notfallmamas“. Quelle: Notfallmamas
Die Autorin

Angela Schmidt ist Gründerin und Geschäftsführerin des bundesweit tätigen Unternehmens „Die Notfallmamas“.

(Foto: Notfallmamas)

Berufstätige Eltern im Homeoffice hatten in den vergangenen Monaten wenig zu lachen. Unter dem Hashtag #CoronaEltern berichten sie in den sozialen Medien eindrucksvoll von ihrer Überforderung. Vor allem Mütter und Alleinerziehende waren – und sind – besonders belastet. Von den Kindern ganz zu schweigen.

Denn während Papa virtuell im Teammeeting saß und Mama mit einem Kunden zoomte, war Linas Quengeln im Hintergrund deutlich zu hören und in Pauls Zimmer lief trotz strenger zeitlicher Beschränkung die Playstation heiß.

Dabei ist Homeoffice eigentlich eine feine Sache. Etwa dann, wenn die Kinder gut betreut sind. Aber genau das war während des Lockdown bekanntermaßen nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: Einer Umfrage der Universität Mannheim zufolge waren neun von zehn Kindern in dieser Zeit zu Hause, also bei Mama und/oder Papa.

Dabei wussten die meisten berufstätigen Eltern schon vor Corona: Konzentriert und vor allem effektiv arbeiten UND GLEICHZEITIG Kinder versorgen, bespaßen oder beschulen – das gelingt nur den wenigsten. Ganz zu schweigen vom schlechten Gewissen, keinem von beiden gerecht zu werden.

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    Noch ist unklar, wann es wieder flächendeckend eine zuverlässige Betreuung in Kindergärten und Schulen für mehr als wenige Stunden oder einen Tag in der Woche geben wird. Das heißt: Tausende hochqualifizierte IT-ExpertInnen, IngenieurInnen oder WissenschaftlerInnen können sich bis auf Weiteres nicht mit ganzer Kraft ihrer Arbeit widmen.

    Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm: Schon jetzt schätzt das DIW allein den langfristigen Wohlstandsverlust Deutschlands durch die Schulschließungen auf rund 110 Milliarden Euro.

    Umso wichtiger ist es, dass Politik und Unternehmen jetzt die richtigen Lehren aus dem Debakel der vergangenen Wochen ziehen. Denn die haben deutlich gemacht: Ohne eine zuverlässige, vor allem auch krisensichere Kinderbetreuung ist es um unseren wirtschaftlichen Wohlstand schlecht bestellt. Und um die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft sowieso.

    Robuste Betreuungsinfrastruktur

    Wenn es mit unserer Wirtschaft schnell wieder bergauf gehen und Vereinbarkeit auch in Zukunft kein Wunschtraum bleiben soll, dann brauchen berufstätige Eltern mehr als Lohnersatzleistungen, einen Bonus vom Staat oder verständnisvolle Arbeitgeber. Sie brauchen eine robuste Betreuungsinfrastruktur, die Eltern auch in Krisen- und Ausnahmesituationen wirksam unterstützt und sicherstellt, dass Kinder ihren Bedürfnissen entsprechend betreut werden.

    Solche Betreuungskonzepte müssen Off- und Onlineangebote intelligent verzahnen. Während Präsenzformate schon aus Gründen des sozialen Lernens unverzichtbar sind, muss Kinderbetreuung 2.0 zwingend auch eine Onlinekomponente enthalten: Zum einen, weil Corona vermutlich nicht die letzte Pandemie oder globale Ausnahmesituation bleiben wird, zum anderen, weil Onlineformate ideale Voraussetzungen bieten, um Kinder frühzeitig an einen kreativen Umgang mit digitalen Medien heranzuführen.

    Dass das geht, zeigen nicht nur zahlreiche gut gemachte Onlinespiele und Lernplattformen, die in den vergangenen Wochen in vielen Familien intensiv genutzt wurden, sondern auch unsere Erfahrungen mit verschiedenen interaktiven Formaten. Dabei ist die Onlinevariante alles andere als „Kinderbetreuung light“, denn auch im Videocall sind erfahrene und pädagogisch versierte BetreuerInnen gefragt.

    Und natürlich kann ein Zweijähriger nicht sinnvoll online betreut werden. Deswegen ist es wichtig, dass das Angebot auf die jeweilige Altersklasse abgestimmt und wirklich interaktiv gestaltet ist und dass sich On- und Offline-Zeiten situations- und bedarfsgerecht abwechseln.

    Die Rückmeldungen von Kindern, Eltern und Unternehmen, die solche Betreuungskonzepte bereits nutzen, machen deutlich, dass Onlineangebote zu werktäglich festen Zeiten oder „on demand“ einen riesigen Bedarf decken, vor allem aber einen wichtigen Beitrag zu funktionalen Familien und wirksamen, effizienten Arbeitsbeziehungen leisten.

    Die Politik sollte sich auf dieser Grundlage zügig mit den Anforderungen einer modernen Betreuungsinfrastruktur auseinandersetzen. Und Unternehmen sollten prüfen, wie sie ihre Beschäftigten mit betreuungsbedürftigen Kindern schnell und wirksam entlasten.

    Dass sie selbst zu den unmittelbaren Nutznießern zählen, soll uns allen nur recht sein. Denn selbst wenn die Corona-Auflagen jetzt schrittweise gelockert werden, ist das Betreuungsproblem nur vermeintlich gelöst. Die nächsten Schulferien stehen bekanntlich schon vor der Tür.

    Mehr: Jedes vierte Unternehmen bildet Lehrlinge noch analog aus.

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Wir brauchen dringend neue Konzepte für die Kinderbetreuung"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Eltern sollen sich um die Schrazen selbst kümmern.
      Bei weniger Wirtschaft brauchts auch weniger meetings!

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