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Gastkommentar Wir brauchen eine europäische Sandbox für Fintech

Ein schwächer regulierter Experimentierraum für innovative Finanzprodukte würde den hiesigen Finanzplatz fördern. Das würde auch etablierten Unternehmern zugute kommen.
  • Wolf-Georg Ringe
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Die Einführung eines Experimentierraums für innovative Finanzprodukte wäre insbesondere auf der EU-Ebene wünschenswert, findet Wolf-Georg Ringe. Quelle: E+/Getty Images
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Die Einführung eines Experimentierraums für innovative Finanzprodukte wäre insbesondere auf der EU-Ebene wünschenswert, findet Wolf-Georg Ringe.

(Foto: E+/Getty Images)

Wie kann der Staat neue Technologien fördern, bei denen vielfältiges Innovationspotential liegt, die aber sicherlich auch unbekannte Risiken bergen?

Die Regulatorische Sandbox ist eine Idee, die ursprünglich aus dem Bereich der Medikamentenzulassung stammt, und für den Bereich der Finanzmarktregulierung zuerst von der britischen „Financial Conduct Authority“ entwickelt wurde. Das Konzept ist mittlerweile in vielen Ländern weltweit kopiert und fortentwickelt worden. Allein die deutsche Bafin steht der Idee jedoch zu Unrecht skeptisch gegenüber.

In der Sache handelt es sich um einen Experimentierraum, eine „Sandkiste“ für innovative (Finanz-) Produkte, die für einen bestimmten Zeitraum von vollumfänglicher Regulierung freigestellt werden. Zugleich begleitet die Marktaufsicht diese Testphase und stellt sicher, dass Verbraucher- und Anlegerschutz gewährleistet sind.

Hauptvorteile einer solchen Sandbox sind die reduzierte Produkteinführungszeit für neue Angebote, wodurch einige Produkte oder Dienstleistungen überhaupt erst realisiert werden können. Angesichts des vielfach verwirrenden und belastenden Regulierungsrahmens für digitale Produkte und Dienstleistungen ist der Rechtsrahmen oftmals für neue Technologiefirmen unüberschaubar und unpassend.

Eine Sandbox kann die Belastung zeitweise reduzieren und an die spezifischen Anforderungen der Branche anpassen. Auf diese Weise kommt es zu erhöhter Innovation und zu Wachstum.

Zugleich ermöglicht die Sandbox der Marktaufsicht, durch enge Begleitung des Prozesses von den Marktteilnehmern zu lernen. Das betrifft sowohl die Technologie und Prozesse, um die es geht, aber auch, welche Risiken bestehen und an welcher Stelle rechtliche Anforderungen neu gefasst, geändert oder auch abgeschafft werden können.

Das ermöglicht risikoangepasstes Verwaltungshandeln ex ante und ist gegenüber panikgetriebenen ex post-Reaktionen vorzugswürdig. Die Bedenken der Bundesregierung fußen vor allem auf dem Argument, eine Sandbox würde zu Ungleichbehandlungen von Marktteilnehmern führen.

Dabei verkennt sie, dass die Vorteile einer gezielten Förderung dem hiesigen Finanzplatz insgesamt und somit auch den etablierten Unternehmen zugutekämen. Von der Einführung einer Sandbox würde auch ein wichtiges psychologisches Element zugunsten von Innovationsbereitschaft und Kreativität ausgehen.

Die Einführung einer Sandbox wäre insbesondere auf der EU-Ebene wünschenswert, da weite Bereiche der heutigen Finanzmarktregulierung bereits auf der Ebene der Europäischen Union verankert sind. Derzeit zögert die Kommission noch.

Dabei hätte eine Sandbox einen weiteren, strategischen Vorteil: Die EU könnte durch einen solchen Schritt den Binnenmarkt für die Zeit nach dem Brexit stärken und die Attraktivität der EU für die Londoner Fintech-Szene deutlich erhöhen.

Prof. Dr. Wolf-Georg Ringe ist Direktor des Instituts für Recht und Ökonomik an der Universität Hamburg und Gastprofessor an der Universität Oxford.

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