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Gastkommentar Wir brauchen eine koordinierte und globale Antwort auf die Coronakrise

Wir haben die Chance, Millionen von Arbeitsplätzen zu retten. Dafür müssen die Regierungen jetzt gemeinsam das Richtige tun.
08.04.2020 - 18:25 Uhr Kommentieren
Guy Ryder ist Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation.
Der Autor

Guy Ryder ist Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation.

Die Auswirkungen Covid-19-Pandemie betreffen alle wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Aspekte unseres Zusammenlebens. Unsere Antwort darauf muss koordiniert und global erfolgen und vor allem schnelle Hilfen für die besonders Bedürftigen bringen. Weit mehr als 25 Millionen Arbeitsplätze sind nach unseren Schätzungen weltweit durch die Pandemie bedroht.

Wir prognostizieren Einkommensverluste von bis zu 3,4 Billionen US-Dollar. Schon jetzt müssen wir davon aus, dass die tatsächlichen Einbußen unsere Prognosen weit überschreiten werden.

Wir brauchen ein abgestimmtes Vorgehen zwischen den Regierungen und denjenigen, die an vorderster Front stehen – den Arbeitgebern und Arbeitnehmern, damit sich das, was wir in den 1930er-Jahren erlebt haben, in den 2020er-Jahren nicht wiederholt.

Die Pandemie hat die tiefen Bruchstellen auf unseren Arbeitsmärkten schonungslos aufgedeckt. Unternehmen aller Größenordnungen haben bereits den Betrieb eingestellt, Arbeitszeiten gekürzt und Personal entlassen. Viele stehen vor dem Zusammenbruch, Geschäfte und Restaurants schließen, Flüge und Hotelbuchungen sind abgesagt, und Unternehmen verlagern ihre Arbeit ins Homeoffice. Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen – Verkäufer, Kellner, Küchenpersonal, Gepäckträger, Reinigungskräfte – verlieren ihre Arbeit zuerst.

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    In unserer Welt, in der nur jeder Fünfte Anspruch auf Arbeitslosenhilfe hat, wirken sich Entlassungen für Millionen von Familien katastrophal aus. Da viele Zusteller – auf die wir alle jetzt angewiesen sind – keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bekommen, stehen sie oft unter dem Druck, weiter zu arbeiten, auch wenn sie krank sind.

    In den Entwicklungsländern geraten Akkordarbeiter, Tagelöhner und informell tätige Händler in ähnlicher Weise unter Druck, weil sie ihre Familien versorgen müssen. Dies wird nicht nur die Verbreitung des Virus verstärken, sondern längerfristig die Zyklen von Armut und Ungleichheit dramatisch verstärken.

    Expansive Finanz- und Geldpolitik ist unerlässlich

    Wir haben die Chance, Millionen von Arbeitsplätzen und Unternehmen zu retten, wenn die Regierungen entschlossen handeln und wirtschaftlich Kontinuität sichern, Entlassungen verhindern und gefährdete Arbeitnehmer schützen. Zweifellos bestimmen die aktuellen Entscheidungen die Gesundheit unserer Gesellschaften und Volkswirtschaften auf Jahre hinaus.
    Eine beispiellose expansive Finanz- und Geldpolitik ist unerlässlich, um zu verhindern, dass sich der gegenwärtige Abschwung zu einer lang anhaltenden Rezession ausweitet.

    Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen genug Geld in der Tasche haben, um es bis zum Ende der Woche – und der nächsten – zu schaffen. Zuvorderst müssen die Unternehmen – die Einkommensquelle für Millionen von Arbeitnehmern – während des rapiden Abschwungs überleben, um umgehend weiter zu wirtschaften, sobald die Bedingungen es erlauben.
    Für die schwächsten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, einschließlich der Selbstständigen, Teilzeitbeschäftigten und Zeitarbeitnehmer, sind passgenaue Maßnahmen erforderlich, um die nicht vorhandenen sozialen Absicherungen auszugleichen.

    Da die Regierungen alles daransetzen, die Aufwärtskurve der Infektion abzuflachen, sind gezielte Maßnahmen zum Schutz der Millionen Menschen in Pflege- und Gesundheitsberufen – darunter vor allem Frauen – nötig. Fernfahrer und Seeleute, die medizinische Geräte und andere lebenswichtige Güter liefern, müssen ebenfalls angemessen geschützt werden.

    Telearbeit bietet neue Möglichkeiten für Arbeitnehmer und für Arbeitgeber zur Aufrechterhaltung der Geschäfts- oder Verwaltungstätigkeit während der Krise. Wichtig sind verbindliche Maßnahmen, am besten zwischen den Tarifpartnern ausgehandelt, um das Gleichgewicht der Arbeit mit anderen Lebensbereichen – Betreuung von Kindern, Kranken oder älteren Menschen – und der eigenen Gesundheit aufrechtzuerhalten.

    Viele Länder haben bereits beispiellose Konjunkturpakete und Schutzschirme für Gesellschaft und Wirtschaft auf den Weg gebracht und Arbeitnehmer und ihre Familien so abgesichert. Um die Wirksamkeit dieser Maßnahmen zu maximieren, ist es für die Regierungen unerlässlich, mit den Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften zusammenzuarbeiten, um praktische Lösungen zu finden, die die Sicherheit der Menschen und den Schutz der Arbeitsplätze gewährleisten.

    Dazu zählen Einkommensbeihilfen, Lohnsubventionen und Zuschüsse für vorübergehende Entlassungen für Personen in formelleren Arbeitsverhältnissen, Steuergutschriften für Selbstständige und finanzielle Unterstützung für Unternehmen.

    Aber neben starken innerstaatlichen Programmen werden multilaterale Maßnahmen zu einem Schlüsselfaktor für die globale Antwort auf den globalen Feind. In diesen schwierigen Zeiten erinnere ich an ein Prinzip, das in der Verfassung der ILO festgelegt ist: Armut, wo immer sie besteht, gefährdet den Wohlstand aller.

    Es erinnert uns daran, dass die Wirksamkeit unserer Reaktionen auf diese existenzielle Bedrohung in den kommenden Jahren nicht nur an Umfang und Geschwindigkeit der Finanzspritzen gemessen werden kann, sondern auch vor allem daran, was wir für die Schwächsten unter uns getan haben.

    Mehr: Die Coronakrise macht revolutionäre Konzepte salonfähig, darunter Schecks oder Bargeld für die Bevölkerung. Im Vordergrund steht die Verzahnung von Geld- und Finanzpolitik.

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