Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastkommentar Wir brauchen eine neue, europäische Revolution!

Der neue deutsch-französische Kooperationsvertrag muss der Anstoß für einen europäischen Neuanfang sein – vor allem im technologischen Bereich.
Kommentieren
André Loesekrug-Pietri ist Technologie-Investor und Sprecher der Joint European Disruptive Initiative.
Der Autor

André Loesekrug-Pietri ist Technologie-Investor und Sprecher der Joint European Disruptive Initiative.

Es ist bereits 55 Jahre her, als Charles de Gaulle und Konrad Adenauer den Élysée-Vertrag schlossen. Am Dienstag unterzeichnen der französische Präsident und die Bundeskanzlerin in Aachen einen neuen Kooperationsvertrag.

Wir begrüßen diese neue Etappe in der deutsch-französischen Freundschaft, die trotz der beiden schwierigen nationalen politischen Situationen und im Kontext der Schwächung Europas, von dem der Brexit nur der medienwirksamste Teil ist, erreicht wurde.

Der Ansatz der beiden Staaten ist ein pragmatischer: Es wird nach gegenseitigem Verständnis gesucht, sei es im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit (etwa mit der Schaffung eines deutsch-französischen Wirtschaftsrats) oder im Rahmen der Strategie- und Verteidigungskultur. Der neue Vertag steht dafür, dass Frankreich und Deutschland sich nicht mehr allzu gut kennen und dass die gemeinsame Arbeit im Ganzen wieder von Neuem begonnen werden muss: in der Politik, in Regierungskreisen und in grenzüberschreitenden Projekten.

Es ist natürlich bedauerlich, dass die 28 Artikel des Textes sehr vage bleiben. Konstruktiver und notwendig wäre es, diesen sehr klassischen Vertrag mit einer neuen Methode auszustatten, die an die Welt, in der wir leben, angepasst ist: eine Welt, in der Politik nicht mehr nur in den gedämpften Debatten der Ministertreffen stattfindet oder durch gewundene Pressemitteilungen imitiert wird.

Gleichzeitig muss die Zivilgesellschaft wirklich einbezogen werden – der einzige Weg, um zwei Regierungen in Schwierigkeiten zu stimulieren und den Konservatismus der Verwaltungen zu überwinden, die sich dagegenstemmen, anders als wie üblich zu arbeiten. Und das in einer Zeit, in der die Fähigkeit zum Experimentieren – in allen Bereichen – ein grundsätzlicher Erfolgsfaktor geworden ist.

Europa muss aufholen

Haben wir denn erkannt, dass wir in eine neue Ära eingetreten sind? Eine Epoche, in der Tempo, mehr noch als Geld, das entscheidende Element ist. Der Bonus für den Pionier ist offensichtlich, wenn die Konzentration des Reichtums unverhältnismäßig auf den Akteur fällt, der am schnellsten innoviert und neue Technologien einzusetzen weiß.

In Europa sprechen wir oft davon, dass die Vereinigten Staaten und China uns in der Schaffung von Unicorns und Digitalchampions weit voraus sind, aber dass wir in der Grundlagenforschung eine beneidenswerte Position einnehmen.

Haben wir erkannt, dass auf dem wichtigsten Kongress über Künstliche Intelligenz (NIPS, in Montreal) die Vereinigten Staaten 85 Prozent der veröffentlichten Forschungsarbeiten für sich einnahmen und alle europäischen Länder separat nur sieben Prozent? Dennoch pflegen wir immer noch, nationale Strategien einzuberufen – Frankreich, aber auch Deutschland verkennen die Realität, wenn Sie einen nationalen Weg gehen.

Deutschland benennt sogar seine Strategie KI made in Germany. Wollen wir weiterhin hören, wie Li Kai Fu, ehemaliger Chef von Google in China und heute ein Verfechter des chinesischen technologischen Nationalismus, vor einigen Tagen ankündigte, dass Künstliche Intelligenz wie eine Münze ist: eine amerikanische Seite, eine chinesische Seite. Und das Europa in diesem Bereich gar nicht mehr existiert.

Wir müssen wieder die Initiative ergreifen, indem wir die Methode ändern. Es ist notwendig, den französischen Jakobinismus und die deutsche Ultra-Dezentralisierung zu überwinden, die beide in dieser neuen Welt in Bedrängnis geraten. Wir müssen radikal neue Initiativen unterstützen, und der Impuls des deutsch-französischen Vertrags kann eine Gelegenheit sein, die Zivilgesellschaft und das Innovationsökosystem nicht nur als Ideengeber, sondern auch als Co-Pilot für die Umsetzung wiederherzustellen.

Es gibt viele konkrete und strategische Umsetzungsfelder: zum Beispiel eine deutsch-französische Innovationsagentur, die für alle europäischen Länder offen ist und vom Innovationsökosystem angetrieben wird, um ihre Agilität zu gewährleisten. Oder im Bereich Cybersicherheit, eine tödliche Gefahr für unsere Infrastruktur und unsere demokratischen Systeme.

Allerdings haben heute nur die Vereinigten Staaten und Russland die Kompetenz zu erkennen, wer angreift. Nur ein Bündnis einiger europäischer Länder könnte es ermöglichen, dieses wesentliche Element der Souveränität wiederherzustellen. Schließlich der Weltraum, das andere wichtige Thema, bei dem über die Zukunft der Kommunikation, der Geolokalisierung, des autonomen Verkehrs und globaler Konflikte entschieden wird.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Gastkommentar - Wir brauchen eine neue, europäische Revolution!

0 Kommentare zu "Gastkommentar: Wir brauchen eine neue, europäische Revolution!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%