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Gastkommentar Wir brauchen mehr Engagement für Gleichstellung und Frauenrechte

Die Überwindung der Ungleichheit der Geschlechter erfordert Aktivismus von uns allen – von Frauen und von Männern. Es gibt keine Ausreden mehr. Für niemanden.
  • Anja Langenbucher
05.03.2020 - 18:53 Uhr Kommentieren
Anja Langenbucher ist Europa-Direktorin der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung. Quelle: BrauerPhotos / J.Reetz
Die Autorin

Anja Langenbucher ist Europa-Direktorin der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung.

(Foto: BrauerPhotos / J.Reetz)

Zu Beginn meiner Karriere im Finanzwesen habe ich mit einem Team daran gearbeitet, neue Infrastruktur für die zerstörten Gebiete des Kosovos aufzubauen. Wie für die meisten Banker war es uns am wichtigsten, dass dabei die Finanzen stimmten. Wir haben uns nicht besonders um „Frauenfragen“ gekümmert.

Wir waren zufrieden mit unseren Plänen. Nur die einzige Gender-Expertin in unserem Team war es nicht. „Die Straßenlaternen“, sagte sie immer wieder, „sind zu weit auseinander.“ Wir haben sie nicht ernst genommen, aber sie blieb hartnäckig.

Um Städte und Dörfer erfolgreich wiederaufzubauen, muss man über die Menschen nachdenken, die in ihnen leben werden, sagte sie. Die Hälfte dieser Menschen seien Frauen. Für sie sei es nach den Schrecken des Krieges am wichtigsten, sich sicher zu fühlen. Die düsteren Flecken zwischen den Straßenlaternen waren für die kosovarischen Frauen Orte für Straßendiebe und Vergewaltiger – ein Grund, sich abends auf dem Heimweg von der Arbeit unsicher zu fühlen.

Meine Kollegin hatte recht. Dieser Vorfall hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Allmählich habe ich die täglichen Beispiele von Ungleichheit zwischen den Geschlechtern bemerkt, die mir vorher nicht aufgefallen waren.

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    Beim Rückblick wird mir klar, dass es früher und besonders am Anfang meiner Karriere stets ich war, die allen Kollegen Kaffee eingeschenkt hat. Niemand hat mich dazu gezwungen. Ich habe das freiwillig gemacht, ohne es zu bemerken.

    Wie Millionen von Männern und Frauen weltweit habe ich in den vergangenen Jahren viel darüber nachgedacht, wie diese geschlechterspezifischen Erwartungen geschaffen und verstärkt werden. Heute haben Gender-Experten im Personalbereich etwas zu sagen. Und wir wissen, dass auch Männer Kaffee einschenken können.

    Vor allem in der Wirtschaft ist noch viel zu tun

    Allzu oft bemerken wir die „Straßenlaternen“ noch immer nicht – aber wir nehmen sie ernst, wenn man uns darauf aufmerksam macht. 

    Am Internationalen Frauentag denke ich darüber nach, wie weit wir als Gesellschaft gekommen sind – und wie weit wir noch gehen müssen. Vor allem im Bereich der Wirtschaft müssen wir noch viel weiter vorankommen.

    Nur eines der 30 größten Unternehmen in Deutschland hat eine Frau als CEO. Kein einziges Unternehmen hat ein Drittel Frauen im Vorstand. Mehr als 30 Prozent haben überhaupt keine Frauen im Vorstand.

    Das ist kein rein deutsches Problem. Weniger als fünf Prozent der 600 wertvollsten börsennotierten Unternehmen in Europa haben weibliche CEOs. Im Durchschnitt sind nur 16 Prozent der Führungskräfte dieser Unternehmen Frauen. 2018 berichtete die „New York Times“, dass es weniger Frauen gibt, die in den USA ein Fortune-500-Unternehmen leiten, als Männer mit dem Vornamen James.

    Warum ist das so? Ein wichtiger Teil sind sicherlich die Überbleibsel jahrzehntealter Unternehmenskulturen. Und natürlich spielen die Folgen politischer Entscheidungen eine Rolle.

    Vor einiger Zeit habe ich mit Ursula von der Leyen und Melinda Gates darüber gesprochen. In ihrer Zeit als Familienministerin hat von der Leyen richtungsweisende Reformen angestoßen: So hat das Elterngeld das Leben von Millionen Menschen in Deutschland verändert.

    Aber es bleibt noch viel zu tun. Kinderbetreuung in Kitas, Schulen und Unternehmen ist nicht flächendeckend verfügbar. Die Betreuungssysteme sind oft nicht zuverlässig genug, dass Frauen Entscheidungen treffen könnten, die sowohl für ihre Familie als auch für ihre Karriere gut sind.

    Echtes Engagement von Führungskräften aus Wirtschaft und Politik ist gefragt

    Von der Leyen und Gates sind weibliche Führungspersönlichkeiten und „Role Models“ für viele. Es ist schön, dass es immer mehr neue Beispiele in der ganzen Welt gibt, die Frauen Mut machen, wie die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin oder die Präsidentin von Äthiopien, Sahle-Work Zewde.

    Aber die Gleichstellung der Geschlechter erreichen wir nicht einfach so. Sie erfordert Aktivismus von uns allen – von Frauen und von Männern. Und echtes Engagement von Führungskräften aus Wirtschaft und Politik, die – gewollt oder ungewollt – einen Großteil ihres Lebens damit verbracht haben, alte Machtstrukturen aufrechtzuerhalten. 

    In diesem Sommer kommen einige von ihnen auf dem „Generation Equality Forum“ in Paris mit der Frauenbewegung zusammen, um den 25. Jahrestag der berühmten UN-Weltfrauen‧konferenz in Peking zu begehen. Es ist selten, dass Entscheider so unterschiedlicher Bereiche an einen Ort kommen, um sich auszutauschen und zusammenzuarbeiten.

    Wenn Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft ihre Arbeit gut machen, können wir im Juli ein gemeinsames Arbeitsprogramm zur Überwindung dieser Ungleichheit entwerfen. Diejenigen in den Chefetagen, die noch nicht an „Straßenlaternen“ denken, sind angezählt. Für sie gibt es heutzutage keine Ausreden mehr.

    Mehr: Wie erfolgreiche Frauen denken und handeln – ein Dossier

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