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Bernhard Mattes

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) wirbt dafür, die Mobilitätswende entschlossen anzugehen.

(Foto: VDA/photothek.de)

Gastkommentar Wir müssen die Zukunft der Mobilität gemeinsam und entschlossen angehen

Die Mobilitätswende wird nur erfolgreich sein, wenn alle Beteiligten Verantwortung übernehmen. Was wir nicht brauchen, sind Schuldzuweisungen.
  • Bernhard Mattes
1 Kommentar

Die Automobilindustrie befindet sich in einem der größten Umbrüche ihrer Geschichte: Es gilt, den Verkehr bis 2050 treibhausgasneutral zu gestalten. Wir sind entschlossen, zum Pariser Klimaziel 2050 beizutragen und wollen weiter auf den Märkten der Welt erfolgreich sein.

Das bedeutet, heute die technischen Spitzenleistungen von morgen zu entwickeln: faszinierende Fahrzeuge, klimafreundliche Antriebe, vernetzte Fahrfunktionen, innovative Services. Mobilität soll passgenau und komfortabel werden, intermodal und vernetzt, preiswert und klimafreundlich.

Die Klimadiskussion zeigt: Die Erwartungen ändern sich. Wir erleben einen Umbruch. Wer als Unternehmen in Zukunft eine Chance haben will, muss sich dem stellen.

Wir tragen Verantwortung: Mehr als 800.000 Menschen in Deutschland sind direkt bei Herstellern und Zulieferern beschäftigt. Weltweit investieren deutsche Automobilunternehmen jedes Jahr über 40 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. So wollen wir die Zukunft gestalten.

Erstens: Wir wollen Vorreiter und Impulsgeber einer klimaneutralen Mobilität von morgen sein. 2030 werden wir sieben bis 10,5 Millionen Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen sehen.

Diese gewaltige Aufgabe gestalten wir nicht allein. In den nächsten drei Jahren verdreifachen unsere Unternehmen ihr Angebot an Elektrofahrzeugen auf über 100 Modelle.

Aber: Nur wenn Ladeinfrastruktur sehr bald sichtbar, flächendeckend und komfortabel verfügbar ist, kann sich der gewünschte Erfolg einstellen. Für den öffentlichen Bereich sind bis 2030 bis zu einer Million Normalladepunkte und bis zu 100.000 Schnellladepunkte erforderlich. Für den privaten Bereich sehen wir einen Bedarf von etwa acht bis 11 Millionen Ladepunkten.

Es ist gut, dass die Politik die Dringlichkeit der Aufgabe erkannt hat. Jetzt heißt es umsetzen: Die Förderung der öffentlichen und privaten Ladeinfrastruktur muss deutlich erhöht werden. Hemmnisse im Bau-, Wohneigentums- und Mietrecht sind abzubauen.

In jeder Kommune muss es Ziele und Pläne für den Ausbau geben. Positiv ist, dass die Bundesregierung die Förderinstrumente fokussiert und verlängert, mit denen für eine Übergangszeit der Mehrpreis dieser Technologie ausgeglichen werden kann.

Die Transformation der Mobilität ist eine Gemeinschaftsaufgabe, für die Politik und Industrie gemeinsam Verantwortung übernehmen müssen. Wir brauchen eine Koordinierung der Aktivitäten in den Bereichen Strom, Netze, Verkehr und Digitalisierung.

Zweitens: Durch die Vernetzung und intelligente Nutzung von Daten werden wir weniger Staus, mehr Sicherheit, mehr Komfort erleben. Neue Fahrzeugklassen und – erst in den Städten, zunehmend auch im ländlichen Raum – Angebote wie „ridesharing“ und „mobility on demand“ werden die individuelle Mobilität sinnvoll erweitern.

Mit diesen Diensten ergänzen wir auch den öffentlichen Verkehr, dessen Effizienz ebenfalls deutlich steigen muss. Für all das sind eine optimale Vernetzung – Stichwort 5G – und eine intelligente Infrastruktur, von der virtuellen Haltestelle bis zur dynamischen Ampel, unverzichtbar.

Drittens: Dieser Umbauprozess wird unsere Unternehmen verändern. Die Auswirkungen auf die Beschäftigung lassen sich heute nur schwer abschätzen. Produktionskapazitäten bei Verbrennungsmotoren werden wegfallen. Aber auch Neues wird entstehen. Daran arbeiten wir, das wollen wir gestalten. Dafür brauchen wir Zeit und verlässliche Rahmenbedingungen.

Immer wieder heißt es, die deutsche Automobilindustrie hinke bei Zukunftstechnologien hinterher. Das Gegenteil ist der Fall: Rund 40 Prozent aller in Deutschland angemeldeten Patente kommen aus der Automobilindustrie; sie ist damit der größte Innovationstreiber.

Daraus entwickeln wir marktreife Produkte, denn auch in Zukunft wollen wir Deutschland als weltweit führenden Standort der Automobilindustrie voranbringen.

Auf der IAA im September werden wir diesen Anspruch greifbar machen und nachhaltige, sichere und klimafreundliche Fahrzeuge für den Alltag sowie Serviceangebote vorstellen, die den individuellen Mobilitätsbedürfnissen der Menschen Rechnung tragen und die Lebensqualität erhöhen. Die Zukunft der Mobilität wird nicht zuletzt durch eine große Zahl elektrischer Fahrzeuge zu erleben sein.

Wir werben dafür, diese Aufgaben jetzt gemeinsam und entschlossen anzugehen. Die deutschen Automobilhersteller und -zulieferer sind dazu bereit. Was wir nicht brauchen, sind Schuldzuweisungen. Erfolg werden wir nur haben, wenn alle Beteiligten Verantwortung übernehmen. Wir fühlen uns diesem Ziel verpflichtet und wollen es erreichen.

Mehr: Ein Spitzentreffen im Kanzleramt soll den Weg für den Aufbau von Ladestationen für E-Autos frei machen. Die Industrie fordert mehr politische Unterstützung.

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1 Kommentar zu "Gastkommentar: Wir müssen die Zukunft der Mobilität gemeinsam und entschlossen angehen"

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  • Kann man den die Schlagworte auch in Deutsch ausdrucken? "Ride-sharing", "mobility on demand", "Community Richtlinien" hört sich richtig blöd an und im Zeitalter von Brexit wäre ein Umdenken sinnvoll und zumutbar. 😒

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