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Der Autor

Philipp Depiereux ist Gründer des Beratungsunternehmens etventure.

Gastkommentar Wo sind die mutigen CEOs, die gegen Hetze und Lügen aufstehen?

Die verrohte Maskendebatte zeigt, wie kritisch unsere Lage ist. Auch Unternehmer stehen in der Pflicht, für einen rationalen Diskurs zu kämpfen.
19.08.2020 - 02:42 Uhr 1 Kommentar

Vor Kurzem habe ich auf LinkedIn ein Statement zu den Corona-Demonstrationen gepostet. Ich habe die Menschen, die ohne Abstandsregeln und Mundschutz zu Zehntausenden auf den Straßen demonstriert haben, für ihr egoistisches und unsolidarisches Verhalten kritisiert. Was dann passiert ist, hat mich wirklich überrascht: In drei Tagen sahen knapp 300.000 Menschen meinen Post, 2.800 versahen ihn mit „gefällt mir“ und über 1.100 Kommentare häuften sich. Scheinbar habe ich mit dem LinkedIn-Post den Puls der Zeit getroffen.

Was mich fast noch mehr überrascht hat, sind jedoch die Respektlosigkeit und der unverstellte Hass, der mir in einer Vielzahl von Kommentaren von Coronaleugnern und Verschwörungstheoretikern entgegenschlug – wohlgemerkt in einem Business-Netzwerk von Mitgliedern mit Klarnamen und Angaben zu Beruf und Unternehmen. Sie schimpften und beleidigten mich und weitere Mitglieder des sozialen Netzwerks in Diskussionen und zogen mit schwerem Lügengerät in vergleichbarer Trump-Manier in die Schlacht.

Ich habe mich gefragt, warum diese Menschen so offen in die teilweise sehr aggressive Kommunikation gehen, und bin schnell zu dem Schluss gekommen, dass sie eine gewisse Art von Mut beweisen. Sie stehen mutig mit ihrem Namen und in aller Öffentlichkeit für das ein, was sie denken. Das ist generell großartig – würden sie sich dabei an ein respektvolles Miteinander und an Gesetze halten.

Denn Mut vermisse ich in unserem Land absolut und überall! Täglich kämpfe ich auf meinen Social-Media-Kanälen, auf Konferenzen, in Blogs und persönlichen Gesprächen für mehr Mut, den wir für den notwendigen Wandel in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft dringend brauchen. Und auch wenn sich etwas bewegt, es fehlt an vielen Stellen die Entschlossenheit, wichtige Themen rund um unsere (Aus-)Bildung, unsere Sozialsysteme, die Digitalisierung, die Flüchtlingsthematik und den Klimaschutz voranzutreiben. Und es fehlt in der Breite an Mut, für unsere Werte ein- und gegen Hetzer, Angstmacherei und Lügen aufzustehen.

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    Vor allem: Wo bleiben die mutigen CEOs aus der Wirtschaft, die Influencer oder Sportler? Alle verfügen über eine große Reichweite in der Öffentlichkeit. Sie könnten dabei helfen, Menschen zu erreichen und sie zu motivieren, sich ihrerseits mutig gegen die – um auf die Coronademonstrationen zurückzukommen – Minderheit der Coronaleugner und sonstigen Verschwörungstheoretiker zu stellen. Warum aber stehen hier nur die wenigsten auf und verlassen ihre Komfortzone?

    Schuld daran ist die „Cover your ass“-Mentalität. Dazu gibt es einen Wikipedia-Eintrag. Er beschreibt die Handlungsweisen von Personen in einem arbeitsbezogenen oder bürokratischen Kontext, die sie vor möglicher späterer Kritik, rechtlichen Sanktionen oder anderen Konsequenzen schützen. Ein Phänomen, das mutige, zukunftsgerichtete Entscheidungen verhindert und die Menschen in ihrer Saturiertheit und Nicht-Veränderungsbereitschaft verharren oder die egoistischen Demonstranten gewähren lässt.

    Es geht den CEOs, Sportlern, Influencern und vielen anderen Menschen um Absicherung, die gleichzeitig für Stillstand sorgt. Sie haben Angst vor dem Shitstorm, der möglicherweise auch auf sie einprasseln könnte. Sie haben Angst, dass ihre Verträge nicht verlängert werden, Bücherkäufe einbrechen, Einschaltquoten zurückgehen oder die Follower-Anzahl massiv sinkt. Dieses Verhalten führt uns geradewegs in die Drittklassigkeit.

    Denn die Welt verändert sich in einem noch nie da gewesenen Tempo. Das Konsumverhalten ändert sich durch das Internet rasant, und über Social Media können sich Fake News rasend schnell verbreiten. Die Welt wurde durch Corona von heute auf morgen in Schockstarre versetzt, die Digitalisierung und Disruption ist allgegenwärtig, und psychopathisch anmutende Präsidenten wie Donald Trump sind am Werk – um hier nur mal ein paar „welterschütternde“ Beispiele zu nennen.

    Wer nicht Schritt hält, den Wandel aktiv gestaltet und sich gegen Egoisten, Aggressoren und „Fake News-Spreader“ mutig zur Wehr setzt, wird nicht nur massiv hinterherhinken, sondern verlieren!

    Wir brauchen daher dringend eine Diskussionskultur, um unangenehme Themen ansprechen und offen kommunizieren zu können. Denn das ist die Basis dafür, den Wandel unter den Aspekten zu gestalten, die uns wichtig sind – im Kontext unserer Werte und Ethik. Dafür müssen wir jetzt sofort unsere Konformität und Komfortzone verlassen und aufstehen und handeln.

    Die VIPs aus Wirtschaft und Gesellschaft sollten hier Vorbild sein und sich etwa den Verschwörungstheoretikern und Coronaleugnern mutig und faktenbasiert entgegenstellen und ihnen zeigen, dass sie mit ihrem Hass und ihren Verschwörungstheorien in Wahrheit eine kleine Minderheit sind. Es könnte eine längst überfällige Bewegung lostreten – auch für den Wandel.

    Mehr: Auch wenn sich die Protestler auf der Corona-Demonstration danebenbenommen haben: Ein Verbot solcher Kundgebungen wäre der falsche Schritt.

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Wo sind die mutigen CEOs, die gegen Hetze und Lügen aufstehen?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • In Zeiten wo Kritiker des Regierungskurses von allen Seiten auf das Übelste diffamiert werden, Demonstrationszahlen extrem runtergerechnet werden und Saskia Esken Teile der Bevölkerung im Netz beleidigt, wundert es mich nicht, wenn Betroffene mit Ihren Äußerungen auch mal extremer reagieren.

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