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GastkommentarZwanghafter Öko-Anbau ist verantwortungslos

Öko-Anbau produziert deutlich weniger Nahrungsmittel. Die Krise in Sri Lanka zeigt, wohin das in armen Ländern führen kann, mahnt Björn Lomborg. 17.07.2022 - 16:33 Uhr Artikel anhören

Björn Lomborg ist Präsident des Copenhagen Consensus und Visiting Fellow an der Hoover Institution, Stanford University.

Foto: Ted, Montage

Aufgrund der sich abzeichnenden globalen Nahrungsmittelkrise müssen politische Entscheidungsträger weltweit intensiv darüber nachdenken, wie Nahrungsmittel billiger und in größerer Menge verfügbar gemacht werden können.

Dazu bedarf es der Bereitschaft, mehr Dünger und besseres Saatgut zu produzieren, das Potenzial der Gentechnik zu maximieren und die Besessenheit der reichen Länder mit Bioprodukten aufzugeben.

Russlands brutaler Krieg in der Ukraine führt dazu, dass weniger Nahrungsmittel zur Verfügung stehen, da die beiden Länder für mehr als ein Viertel der weltweiten Weizenexporte und große Mengen an Gerste, Mais und Pflanzenöl verantwortlich sind.

Putin setzt Getreideexporte von ukrainischen Häfen nun sogar explizit als Druckmittel gegen den Westen ein, um Erleichterungen bei den Sanktionen zu erreichen. Zusätzlich steigen auch durch klimapolitische Maßnahmen und die Coronapandemie die Preise für Düngemittel, Energie und Transport in die Höhe, sodass die Lebensmittelpreise in den letzten zwei Jahren um 61 Prozent zugelegt haben.

Öko-Anbau senkt den Output um 25 bis 50 Prozent

Putins Krieg hat einige harte Wahrheiten ans Licht gebracht. Eine davon ist, dass Europa – das sich selbst als Vorreiter in Sachen grüner Energie darstellt – in hohem Maße von russischem Gas abhängig ist.

Der Krieg hat uns in aller Deutlichkeit die Tatsache vor Augen geführt, dass fossile Brennstoffe nach wie vor für die überwiegende Mehrheit des globalen Energiebedarfs entscheidend sind. Die sich abzeichnende Nahrungsmittelkrise offenbart nun eine weitere bittere Wahrheit: Die Biolandwirtschaft kann die Welt nicht ernähren und könnte künftige Krisen sogar noch verschlimmern.

Lange Zeit nur ein Modetrend für das wohlhabendste Prozent der Weltbevölkerung, gehen Umweltaktivisten zunehmend mit der verführerischen Idee hausieren, dass ökologische Landwirtschaft den Hunger lösen kann.

Die EU setzt sich aktiv für eine Verdreifachung der Biolandwirtschaft auf dem Kontinent bis 2030 ein, und eine Mehrheit der Deutschen glaubt tatsächlich, dass diese zur Ernährung der Welt beitragen kann.

Untersuchungen zeigen jedoch eindeutig, dass der ökologische Landbau pro Hektar viel weniger Nahrungsmittel produziert als die konventionelle Landwirtschaft. Zudem müssen Biolandwirte einen Teil ihrer Flächen regelmäßig aus der Produktion nehmen, damit sie sich regenerieren können.

Zieht man diese Flächen in die Berechnung ein, ist die ökologische Produktion noch weniger effektiv. Insgesamt erzeugt der ökologische Landbau zwischen einem Viertel und der Hälfte weniger Nahrungsmittel als die konventionelle, wissenschaftlich betriebene Landwirtschaft.

Die Krise in Sri Lanka ist eine ernüchternde Lektion

Dies macht Biolebensmittel nicht nur teurer, sondern bedeutet auch, dass ökologische Landwirte viel mehr Land benötigen würden, um die gleiche Anzahl von Menschen wie heute zu ernähren – möglicherweise fast die doppelte Fläche.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Landwirtschaft derzeit 40 Prozent der eisfreien Fläche der Erde nutzt, würde die Umstellung auf Biolandwirtschaft bedeuten, dass große Teile der Natur für eine weniger effektive Produktion zerstört werden.

Die Katastrophe, die sich aktuell in Sri Lanka abspielt, ist eine ernüchternde Lektion. Die Regierung hat im vergangenen Jahr die vollständige Umstellung auf den ökologischen Landbau durchgesetzt und Biogurus als Landwirtschaftsberater ernannt, darunter einige, die zweifelhafte Zusammenhänge zwischen Agrarchemikalien und Gesundheitsproblemen behaupteten.

Trotz extravaganter Behauptungen, dass mit ökologischen Methoden vergleichbare Erträge wie mit konventioneller Landwirtschaft erzielt werden könnten, führte diese Politik innerhalb weniger Monate zu nichts als Elend, wobei sich die Lebensmittelpreise teilweise verfünffachten.

Sri Lanka war jahrzehntelang in der Reiserzeugung autark, ist nun aber tragischerweise gezwungen, Reis im Wert von 450 Millionen Dollar zu importieren. Tee, die wichtigste Exportpflanze und Devisenquelle des Landes, wurde mit einem geschätzten wirtschaftlichen Verlust von 425 Millionen Dollar zugrunde gerichtet.

Bevor das Land durch brutale Gewalt und politische Rücktritte in eine Abwärtsspirale geriet, sah sich die Regierung gezwungen, den Landwirten Entschädigungen in Höhe von 200 Millionen Dollar anzubieten und Subventionen in Höhe von 149 Millionen Dollar bereitzustellen.

Sri Lankas Bio-Experiment scheiterte vor allem an einer einfachen Tatsache: Das Land verfügt nicht über genügend Fläche, um synthetischen Stickstoffdünger durch tierischen Dünger zu ersetzen. Um auf Bio umzustellen und die Produktion aufrechtzuerhalten, bräuchte man fünf- bis siebenmal mehr Dung, als es heute hat.

Synthetische Stickstoffdünger sind für die weltweite Ernährung entscheidend

Das Beispiel Sri Lankas unterstreicht die Verantwortungslosigkeit unserer Obsession mit Biolandwirtschaft. Wohlhabende Verbraucher in Deutschland können Lebensmittel-Preissteigerungen vielleicht problemlos verkraften, aber viele arme Haushalte in Entwicklungsländern geben mehr als die Hälfte ihres Einkommens für ihre Ernährung aus.

Jeder Anstieg der Lebensmittelpreise um ein Prozent stürzt weitere zehn Millionen Menschen in die Armut. Wer sich für eine globale ökologische Landwirtschaft einsetzt, schlägt implizit vor, dass Milliarden Menschen auf Lebensmittel verzichten sollten.

Untersuchungen zeigen, dass mit ökologischem Anbau weltweit nur etwa die Hälfte der derzeitigen Weltbevölkerung ernährt werden kann. Die ökologische Landwirtschaft wird zu teureren, knapperen Lebensmitteln für weniger Menschen führen, während sie mehr Natur verschlingt.

Synthetische Stickstoffdünger, die meist aus Erdgas hergestellt werden, sind ein modernes Wunderwerk, das für die Ernährung der Welt von entscheidender Bedeutung ist. Vor allem dank dieses Düngers konnte die landwirtschaftliche Produktion im letzten halben Jahrhundert verdreifacht werden, während sich die Bevölkerung verdoppelt hat.

Kunstdünger und moderne landwirtschaftliche Technologien sind der Grund dafür, dass in allen reichen Ländern die Zahl der Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, zurückgegangen ist und Menschen für andere produktive Tätigkeiten zur Verfügung standen.

Ein schmutziges Geheimnis des ökologischen Landbaus besteht zudem darin, dass in den reichen Ländern die überwiegende Mehrheit der bestehenden ökologischen Nutzpflanzen von importiertem Stickstoff abhängig ist, der aus Tierdung gewaschen wird.

Der aber kommt von Kühen, die in der Regel mit Mais und anderen Lebensmitteln gefüttert werden, die mit synthetischen Düngemitteln hergestellt werden. Im Wesentlichen importiert der ökologische Landbau also indirekt Dünger aus fossilen Brennstoffen.

Um die Welt nachhaltig zu ernähren und künftigen globalen Schocks vorzubeugen, müssen wir Lebensmittel effektiver und billiger produzieren. Die Geschichte zeigt, dass dies am besten durch die Verbesserung des Saatguts, auch durch gentechnische Veränderungen, sowie durch die Ausweitung von Düngemitteln, Pestiziden und Bewässerung zu erreichen ist.

So können wir mehr Nahrungsmittel produzieren, die Preise senken, den Hunger lindern und die Natur schützen.

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Der Autor:
Björn Lomborg ist Präsident des Copenhagen Consensus Centers und Visiting Fellow an der Hoover Institution der Stanford University.

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