Geldentwertung Inflation schadet den Alten von morgen

Die Kosten der Krise wird die heutige Generation 45+ bis ins Alter tragen, das ist klar. Nun ist die Frage: Mit welchem Maß an Inflation? Der Weg der Geldentwertung richtet in jedem Fall den größten Schaden an.
  • Ursula Weidenfeld
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Dr. Ursula Weidenfeld ist freie Publizistin. Quelle: Martin Langhorst

Dr. Ursula Weidenfeld ist freie Publizistin.

(Foto: Martin Langhorst)

Ganz Europa stöhnt über Deutschlands Inflationstrauma. Wie schön könnte alles sein, wenn es nur die Deutschen nicht gäbe. Ein bisschen mehr Inflation, die Staatsschulden würden entwertet, der Geldfluss käme wieder in Gang, die Leute würden ihr Geld ausgeben - so, wie sie es in der Türkei tun, dem neuen Wirtschaftswunderland.

Die Deutschen aber lieben es, das große Trauma des 20. Jahrhunderts zu pflegen und damit die europäischen Nachbarn in Mithaftung zu nehmen. Zieht die Inflation an, bekommen sie Panikattacken. Diese Art der Angst aber beeindruckt die Krisenländer Europas und die großen Handelspartner immer weniger. Dabei gibt es gute Gründe für Deutschland, sich mehr als andere vor der Inflation zu fürchten. Der gewichtigste ist die Demografie. Ein Land, dessen Bevölkerungsmehrheit sich dem Rentenalter nähert, kann verlorenen Wohlstand nicht mehr zügig durch Wirtschaftswachstum und durch solidarische Leistungen der Jüngeren kompensieren.

Der neue Begründungszusammenhang für die deutsche Angst ist einfach. Die Bevölkerung schrumpft, die Babyboomer-Generation darf kaum auf die Opferbereitschaft ihrer wenigen Kinder rechnen, wenn es im Alter zum Leben auf gewohntem Niveau nicht mehr reicht. Sie wird auf ihre Ersparnisse angewiesen sein. Und da die Deutschen nun mal kein Volk von Aktionären und Hauseigentümern wurden, sondern eines der Sparer und Mieter blieben, wird sie die Inflation doppelt treffen. Die Babyboomer werden in den verbleibenden Jahren bis zur Rente nicht mehr in der Lage sein, einen wirtschaftlichen Neuanfang zu machen. Sie haben ihr Geldvermögen für die Altersvorsorge im Wesentlichen schon heute gebildet und sehen nun, jenseits der 50, mit Unruhe einer Zeit entgegen, in der sie der Inflation ausgeliefert wären, ohne selbst noch viel tun zu können, um den vernichteten Wohlstand durch neuen zu ersetzen.

Die Generation 45+ wird für die europäische Schuldenkrise bezahlen müssen, so oder so. Sie wird diese Einbußen nur durch längere Lebensarbeitszeiten kompensieren können, so oder so. Doch sie hat das Recht, darauf zu bestehen, dass diesmal nicht der politisch simpelste Weg dafür eingeschlagen wird. Das wäre die Inflation. Sparer, Immobilieneigentümer, Aktionäre, Gehaltsempfänger, Rentner, Gläubiger und Schuldner müssen die Lasten fair teilen. Dies zu organisieren, für diesen schwierigen Pfad Mehrheiten zu gewinnen ist eine politische Aufgabe. Es darf kein ungesteuerter Prozess werden.

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11 Kommentare zu "Geldentwertung: Inflation schadet den Alten von morgen"

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  • bravo frau weidenfeld .sie bringen die risiken für den bürger auf den punkt-von vielleicht notwendigen steuererhöhungen,sozialkürzungen und einer kommenden rezession abgesehen .aber europa um jeden preis .die geldruckmaschine wirds schon richten.als ehemaliger student
    von ex ezb-volkswirt issing (inflationstheorie) sehe ich in der geldpolitik-zinssenkung nur eine weitere volksverdummung .japan ist trotz 0-zins noch immer in der
    rezession!

    der € hat den südländern ein schönes leben auf pump gebracht, den banken bei minizinsen der ezb megagewinne beim zocken,nur der großindustrie-nicht dem mittelstand -riesige exportgewinne.aber dem bürger vorübergehend sichere arbeitsplätze.
    der staat saniert sich jetzt über minizinsen ,inflation ,die kommen wird -oder gar deflation.
    der dumme ist zunächst vor allem der deutsche sparer und rentner der nicht in sichere,vor allen außereuropäische aktien investieren kann. der "bankbeamte" wird ihm irgend
    ein unverständliches produkt andrehen .sein haus,sofern es sich nicht um sparkasse oder volks-raiffeisenbank handelt-kaum kredite vergeben ,hohe dispozinsen verlangen ,und ihn mit tagesgeldzinsen um 1% abspeisen.

    wann wacht deutschland endlich auf

  • Schuld sind die Blockparteien, unfähige und oftmals korrupte Politiker, die sich fast nie um das wohl ihres Volkes gekümmert haben. Ja es wird so kommen, Rentenkürzungen und der Verlust der Lebensleistung werden die Regel werden.Nur wird das auch den Untergang der Blockparteien und der EU bedeuten. Die Wut im Volk wir immer stärker. Man stelle sich mal vor, wir hätten das Glück gehabt, die letzten 20 Jahre keine Regierung gehabt zu haben.

  • Hallo Frau Weidenfeld,

    ihren Auftritt bei Phoenix-Presseclub habe ich gesehen. Ihre wahrheitsgetreuen Beiträge und dass die Deutschen garnichts vom Wechsel DM->EURO hatten und haben kann ich auch nur beipflichten.

    Richten Sie doch dem Herrn Schönborn mal aus, er soll nicht immer so linke Ansichten propagieren im GEZ-TV und die anderen Moderatoren beim Presseclub sind viel weniger einschränkend bei der Meinungsäusserung.

    Herr Schönborn fasst das Gesagte immer zusammen als Gedankenstütze, worüber man gerade geredet hat und zu welchen "gemeinsamen" Ergenissen man beim DIskutieren im Presseclub man gekommen ist. Natürlich gesäubert poilitisch System-kompatibel.

    Warum lassen die eingeladenen Journalisten sich sowas gefallen und übern Mud fahren ? Warum wird Herr Tichy von der WIrtschaftswoche und Frau Titty Bruns vom Tagesspiegel nicht mehr eingeladen ? Nicht System-kompatibel ?

    Und warum haben Sie am ENde vom Presseclub so EU-hörig argumentiert und alles so schöngeredet, was mit EU zusammenhängt Frau Weidenfeld, waren wir in den 80er Jahren mit EWG und eigenen justierten Währungen nicht glüclicher und freier in Europa ?

    Ja. Meine Antwort jedenfalls dazu.

  • Man drucke seitens der EZB Geld, gebe jedem Bürger einen
    Wäschekorb voll. Alle sind zufrieden. Man kann damit
    Schulden abbauen oder in den Konsum stecken. Man bekommt
    das Geld von der EZB geschenkt , wie die Banken auch.
    Im Prinzip macht die FED in den USA das Gleiche und pumpt
    das gedruckte Geld in die Bankenwelt und in den Staatshaushalt. Haben wir dort so eine hohe
    Infation? NEIN. Geben wir mal endlich den Bürgern in der ganzen
    Welt für umme Geld in die Hand, als ständig die Banken zu
    füttern . DerVorteil: Die Binnennachfrage und die Weltkonjunktur
    würde steigen. Am Ende geht soundso alles kaputt, sprich
    Staatsbankrotte. Nach nach drücken der Resttaste wird wieder
    fröhlich durchgestartet. Haben Sie mal endlich Lachen müssen.

  • Danke für die guten Kommentare - brauche ich schon weniger schreiben...

    Nur eines noch: es gibt kein "Demografieproblem".

    Es gibt "nur" ein Verteilungsproblem.

    Wir verteilen die Leistung (Exportüberschüsse) und erhalten als "Gegenleistung" einen Schuldschein. (und fällt der Schuldner aus, wer bezahlt dann? ... -richtig.).

    Bei einer enstsprechenden Neustrukturierung, hin zu einem Wirtschafts"kreislauf" fällt durch
    a) steigende Binnenkonjunktur und
    b) Wohlstandsaufbau im EIGENEN Land
    ind Kombination mit
    b) stetig steigender Produktivität
    auch genug für all jene ab, die nicht (mehr) arbeiten.

    Bei entsprechender Infrastruktur (Mobilität, Energie, Bildung) braucht es auch nicht mehr so viel Einkommen, um dennoch gut und in ordentlichem Wohlstand sorgenfrei leben und alt werden zu können.

    wenn wir natürlich
    a) über die Eigentums- und Besteuerungssituation eine Umverteilung von "Unten" nach "Oben" durchführen,
    und
    b) mit den Verfügbaren Ressourcen erst mal ganz Europa aufbauen sollen während wir uns selbst laufend "den Gürtel enger schnallen",
    ja dann wirds eng.

    Dann bleibt nur: jeder für sich.
    Raffen und Sparen.
    Und: Angst haben.

  • Guter Ansatz!

  • Ich wünsche mir dass unsere Bundesregierung ihren Leitsatz "Solidarität kann keine Einbahnstraße sein" auch mal auf die auf die Solidarität überträgt welche die ältere von der jungen Generation in ganz Europa erwartet.

    Wenn ich in der EZB sitzen würde, würde ich sowas von die Gelddruckmaschine anwerfen und alle Staatsschulden in Europa aufkaufen. Wo nichts ist kann auch nichts entwertet werden. Übrigens Schulden habe ich keine. Meine lächerlichen paar Tausend Euro die ich aufm Konto habe würden da genau so drunter leiden wie alles andere auch.

    Aber die Europa Politik die derzeit von unserer Bundesregierung betrieben wird dient nur dazu das Ersparte der alten zu sichern.

    Bei mir jedenfalls manifestiert sich derzeit ein Feindbild. Nicht gegenüber den Spaniern oder den Griechen, nein auch nicht gegenüber den Italiänern.

    Sondern einfach nur gegenüber den alten reichen die in der Lobby im Bundestag stehen und Merkel anflehen, koste es was es wolle dafür zu sorgen dass wir keine Inflation bekommen so lange sie leben!

  • Ja, genau so ist es. Und deswegen packt viele aus der Generation 50+, speziell die kinderlosen, jetzt die Furcht. Jahrzehntelang wurde unsere Zukunft rücksichtslos verpfändet. Natürlich war und ist jedem klar, dass diese ebenso verantwortungslose sowie völlig unnötige (es herrschten Frieden, Stabilität und Wohlstand) Mega-Verschuldung irgendwann schlimme Folgen haben werde. Aber man scherte sich offenbar nicht darum, ging vielmehr davon aus, sich bis dahin über die Zeit gerettet zu haben.
    Es war und ist schockierend, welch totales Desinteresse an der Zukunfts- und Lebensperspektive junger Menschen bis heute sämtliche Debatten dominiert. Sehen Sie sich dazu nur mal hiesige Polit-Runden im TV an. Geht es da um die zu 50% arbeitslosen jungen Menschen aus Spanien oder Griechenland? Um die 40% aus Portugal? oder um die 35% aus Italien? Leider nein. Stattdessen geht es um Themen wie "Altersarmut in Deutschland" - sie liegt bei 3%.

  • Mal ein anderer Denkansatz:

    Führt Inflation nicht einfach dazu dass genau die Generation für die Schulden zahlt, welche Sie auch verusacht haben?

    Ich bin noch jung und von mir aus kann jetzt die dicke Inflation kommen und die Staaten dadurch entschuldet werden. Dann muss ich wenigstens nicht mein Leben lang für die Schuldenpolitik meiner Vorfahren aufkommen.

  • Dieses Gerede von der Inflation finde ich unfassbar (dämlich). Es ist für den blindesten unter den Ignoranten nach 4+ Jahren Krise zu sehen, dass wir in einer deflatorischen Gefahrensituation sind, welche durch die Austaritätsmassnahmen in der Südperipherie bereits lokal zu depressionsartigen Zuständen geworden ist. Eine weltweite Überschuldung auf allen Ebenen, begründet durch die in den 70/80er eingetretene Bedürfnisbefriedigung aller Grundbedürfnisse (mit der Folge der dann einsetzenden Bedürfnisschaffungsmaßnahmen, vulgo Werbung, kombiniert mit zunehmendem Konsumvorzug via Kreditierung). Nun sind wir an einer Stelle, an der auch nach massiven Bilanz- und BIP-Kosmetika ("hedonische" Methode) einerseits weder neuer Bedarf entstanden ist (wie auch), noch das Aufschuldungspotential irgendwie ausgeweitet werden kann (außer durch finale Verschiebung auf die Staatshaushalte mit Restkapazität aus den überblähten Bankbilanzen mit dem Assetschrott als "Aktiva").
    Folglich reißt eine enorme, normative Kraft des Faktischen an dieser unserer Wirtschaftswelt, und zwar nach unten. Egal wie viel Geld erzeugt wird, egal wie viel Inflation man auch herbeireden möchte, es wird auch bei 14 oder 15 stelligen Summen keine (Hyper)Inflation einsetzen, jedenfalls nicht im alltäglichen Leben (oder zumindest nicht, VOR einem anstehenden Depressionskollaps). Alle Mühe unserer lenkenden "Klasse" dient nur der Erhaltung des Status Quo mit immer kürzerer Halbwertszeit bei immer größeren Um- und Aufschuldungen. Doch man kann zwar die Realität ignorieren, doch kann man nicht die Konsequenzen des Realitätsignorierens ignorieren. Die Realität wird sich einstellen, und die besteht nicht in Ansparvermögen, hohen Renten für eine größtenteils nicht mehr produktiv arbeitende Bevölkerung, aber auch nicht in Superreichen. Die besteht in einer wiederhergestellen Normalverteilung dessen, was Vermögen bedeutet (=Geldvermögen, sicherlich aber nominell in solchen Einheiten welcher Art auch immer gemessen).

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