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Grass' Israel-Phobie Der Dichter als Weltenretter

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„Es“ genkt in Grass

Man darf in der Tat nicht sagen, dass der Jude das Böse verkörpert, und das ist gut so. Aber Israel genießt diesen Schutz nicht, und deshalb die ungeheuerliche Übertragung auf den Judenstaat. Laut Grass wolle Israel nicht nur das „iranische Volk auslöschen“, sondern die ganze Welt. Deren Vernichtung sei die Konsequenz der atomaren „Planspiele“, an „deren Ende als Überlebende wir allenfalls Fußnoten sind“. Damit sprengt der Wahn die alten Dimensionen. Früher wollte der Jude bloß Weltherrschaft, heute will er in Gestalt Israels die Welt in den Atomtod schicken.

So denkt „es“ in Grass. „Es“ kann nicht anders, als die konträren Fakten auszusperren, zum Beispiel, dass nicht Israel den Iranern routinemäßig die Vernichtung verspricht, sondern umgekehrt. Das Regime meine es nicht so, und Ahmadinedschad sei bloß ein „Maulheld“. Den „Erstschlag“ plane allein Israel, ein Verbrecherstaat im Quadrat.

Onkel Sigmund würde zufrieden an der Zigarre saugen und über „Obsession“ dozieren – über zwanghafte Gedanken, die ihr Träger nicht bannen kann. Über „Projektion“ auch – die Befreiung von unerträglicher Schuld durch Outsourcing. Israel, dem Erben der Opfer, muss die Maske der Moralität vom Gesicht gerissen werden, damit es aufhöre, uns „zur Rede zu stellen“. Einst die Täter, sind die Deutschen nun die Opfer der Opfer, die mit ihren Auslöschungsplänen den moralischen Vorsprung ein für alle Male verspielt haben.

Ist das Antisemitismus? Nein, nicht der alte, der ist und bleibt tabu. Aber dessen klassische Strukturelemente – Obsession und Projektion, Diffamierung und Dämonisierung – quellen aus den Zeilen wie Klärschlamm aus lecken Rohren. Und die guten Nachrichten? Die könnten besser nicht sein. Bis auf ein paar übliche Verdächtige, die den platten Subtext des Gedichts nicht zu verstehen vorgaben und von „legitimer Israel-Kritik“ nuschelten, hat die politische Klasse mit der gebotenen Abscheu reagiert. Das Land darf stolz sein auf die Blechtrommel – aber noch mehr auf eine 70 Jahre alte liberal-demokratische Tradition, die den unredlichen Entlastungsangriff des Dichters nicht nötig hat.

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