Joachim Starbatty Mario Draghi legt Zuschauerrolle ab

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Draghi ist ein Falschmünzer
Euro-Krise jagt Deutschen Angst ein
huGO-BildID: 12294855 Ein Boersenmakler arbeitet am Donnerstag, 16. Oktober 2008, an der Boerse in Frankfurt am Main. Die Angst vor einer Rezession h
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Eine Studie zeigt jetzt aufs Neue, dass die Angelsachsen mit der „German Angst“ grundsätzlich nicht falsch liegen: Auch 2012 wird in der Bundesrepublik wie eh und je gefürchtet. Anders als die Definition der „German Angst“ jedoch impliziert, sind es dabei aber keineswegs diffuse Ängste, die die Deutschen umtreibt. In der am Donnerstag veröffentlichten R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ erreichen in diesem Jahr ausschließlich wirtschaftlich-politische Sorgen Spitzenwerte.

huGO-BildID: 12233878 Ein Aktienhaendler ist am Freitag, 10. Oktober 2008, an der Boerse in Frankfurt am Main zu sehen. Die Angst vor einer weltweite
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Schuldenkrise

Fast drei Viertel aller Deutschen sind sich einig: Die Schuldenkrise einiger EU-Mitgliedsstaaten, wie Griechenland, Portugal, Spanien und Italien, sowie die Auswirkungen des Schuldenkrisenmanagements für den deutschen Steuerzahler bereiten die größten Sorgen. Mit 73 Prozent erreicht diese Angst den zweithöchsten Wert, der jemals in der Ängste-Studie gemessen wurde (2011: 70 Prozent).

Containerschiffe im Hamburger Hafen
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Konjunktureinbruch

Gleichzeitig liegt die Sorge vor einem Konjunktureinbruch gegenüber dem Vorjahr um vier Punkte höher: Sie kletterte von 48 auf 52 Prozent. „Die Sorgen der Mehrheit der Befragten sind verständlich“, so Professor Manfred Schmidt, Professor der Politikwissenschaften an der Universität Heidelberg: „Deutschlands Wirtschaft wächst langsamer als zuvor.“ Viele befürchteten, dass Europas Schuldenkrise Deutschlands Steuerzahler teuer zu stehen komme, so Schmidt.

Deutschland droht Verlust des Spitzenratings
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Euro-Zusammenbruch

Zudem befürchten 2012 zwei Drittel aller Deutschen (65 Prozent), dass der Euro durch die Schuldenkrise gefährdet ist. Diese Angst ist gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozentpunkte gestiegen.

EU-Flagge
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Entscheidungen aus Brüssel

Darüber hinaus grassiert bei den Deutschen auch die Furcht vor politischem Missmanagement in Brüssel. 60 Prozent aller Befragten sehen die Finanz- und Wirtschaftskraft Deutschlands durch Beschlüsse der Europäischen Union gefährdet.

Geldscheine
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Steigende Lebenshaltungskosten

Die Studie wird seit mehr als 20 Jahren im Auftrag der R+V-Versicherung erstellt, rund 2.500 Bürger werden dafür jedes Jahr nach ihren größten Ängsten befragt. Bei den Ängsten, die standardmäßig abgefragt werden, ist die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten erneut mit 63 Prozent Spitzenreiter. Die Befürchtung, dass alles immer teurer wird, ist ein Dauerbrenner im Ängste-Ranking und war in den vergangenen 20 Jahren insgesamt 13 Mal auf dem ersten Platz.

Fraktionen beraten ueber neues Wahlrecht
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Überforderung der Politiker

Seit Jahren zweifelt die Mehrheit der Deutschen zudem daran, dass die Volksvertreter ihren Aufgaben gewachsen sind. Mit 55 Prozent rangiert die Furcht vor der Überforderung der Politiker in diesem Jahr auf Platz 2, gefolgt von der Befürchtung, dass sich die Wirtschaftslage verschlechtern könnte.

Mit der Bedingung, die EZB würde Anleihen nur aufkaufen, nachdem sie geprüft hätte, ob die Schuldnerländer den Programmen der Euro-Rettungsfonds nachkämen, schwingt sich Draghi zum politischen Oberaufseher auf. Die entscheidende Frage lautet dann aber: Kann er Schuldnerstaaten fallen lassen, wenn Regierung und Bevölkerung sich dort gegen solche Programme sträuben? Täte er es, bräche die Euro-Zone sofort auseinander. Den Vorwurf, einer inflationären Entwicklung Vorschub zu leisten, weist er zurück: Zusätzlich geschaffenes Geld würde durch Kompensationsmaßnahmen der EZB neutralisiert. Der Antwort auf die Frage nach dem Wie und Wo kann er sich mit der Bemerkung entziehen, dass er die Märkte mit solchen Ankündigungen nicht verunsichern wolle.

Die Kehrtwenden der Kanzlerin
Streit der Währungshüter
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Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem ARD-Interview Bundesbankchef Jens Weidmann ihre Unterstützung ausgesprochen. Sie sei dafür, „dass er möglichst viel Einfluss innerhalb der Europäischen Zentralbank hat“, sagte Merkel in „Bericht aus Berlin“. Aber offensichtlich können sich auch Weidmanns Kontrahenten noch stärker auf die Kanzlerin verlassen.

Mimikforscher: Führungskräfte lächeln weniger
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Die formale Unterstützung für Weidmann ist nichts viel wert, wenn Merkel gleichzeitig die inhaltliche Position von EZB-Chef Draghi teilt. Die EZB habe ein klares Mandat, auf dessen Grundlage sie ihre Beschlüsse zum Anleihe-Kaufprogramm fällen werde, sagte Merkel. „Die EZB ist trotz ihrer Unabhängigkeit in einer völlig gemeinsamen Linie“, unterstrich Merkel und meinte die Kaufabsichten für Staatsanleihen der EZB – ein inhaltlicher Schlag ins Gesicht für den Bundesbankpräsidenten.

Belgium Europe Financial Crisis
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Auch mit Draghi selbst will sie jede Auseinandersetzung vermeiden. Bei ihrem Staatsbesuch in Kanada betonte Merkel demonstrativ eine gemeinsame Linie mit dem Italiener. „Was der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, gesagt hat, haben wir vielfach politisch wiederholt.“

German Chancellor Merkel smiles during her meeting with China's Vice President Xi at the Great Hall of the People in Beijing
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Auch in der Frage, ob der Euro-Rettungsschirm ESM eine Banklizenz bekommen sollte, machte Merkel ihre gemeinsame Position mit der EZB-Führung deutlich. Sie stimme hier mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, überein. „Es ist auch meine Überzeugung, dass eine Banklizenz für den ESM mit den Verträgen nicht vereinbar ist.“

Bundestag
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Auf beugt sich die Kanzlerin nun der Forderung nach einer gemeinsamen Bankenaufsicht durch die Europäische Zentralbank (EZB). „Ich hätte nichts dagegen, wenn die Europäische Zentralbank künftig hier eine schärfere und stärkere Rolle einnimmt“, sagte Merkel in einer Regierungserklärung. Zuvor hatte sie sich oft gegen die Abgabe von nationalen Kompetenzen gewehrt.

MERKEL
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Schon als Oppositionsführerin im Wahlkampf 2005 hatte sie geben eine übermächtige EU gewettert. „Ich halte zum Beispiel den Weg, dass Europa immer nur Kompetenzen hinzubekommen kann, aber nie etwas an die Nationalstaaten wieder zurückgibt, für überprüfungsbedürftig," sagte Merkel im Interview mit der „FAZ“. Das war nicht ihre einzige Position, die sie im Verlauf der Krise wieder aufgebeben sollte.

Pressekonferenz Bundeskanzlerin Merkel
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"Das Leben über die Verhältnisse ist die eigentliche Ursache des Problems." (Mai 2010)

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hatte Draghi deshalb zu Recht einen Falschmünzer genannt. Im Mittelalter konnten die Fürsten sich höhere Staatsausgaben leisten oder Schulden zurückzahlen, wenn sie aus dem ihnen zur Verfügung stehenden Schlagschatz (meistens Silber) die doppelte Zahl an Münzen ausprägten. Die Verdoppelung der Münzproduktion bei gleichem Schlagschatz ist Münzbetrug. Und wer das tut, ist ein Falschmünzer.

Die Folge war Inflation, unter der im Mittelalter vor allem die arbeitende Bevölkerung litt. Heute besteht der Schlagschatz aus "Papier", der beliebig ausgeweitet werden kann. Es gibt langfristig nur eine Ursache von Inflation - die Finanzierung von Staatsdefiziten durch die Notenbank. Aktuelle rezessive Tendenzen mögen das noch überspielen. Aber dass daraus Inflation erwächst, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Mit Münzbetrug wird Draghi den Euro nicht retten können.

Der Autor lehrt an der Universität Tübingen und ist Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft.

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33 Kommentare zu "Joachim Starbatty: Mario Draghi legt Zuschauerrolle ab"

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  • @Arminus
    Einfache Mathematik, wer mehr produziert als er selber konsumiert, hat Überschuss, wer mehr konsumiert als er produziert hat ein Defizit.

    Ihre verquere Logik hat nichts mit Mathematik, nichts mit Wirtschaftswissenschaft und schon gar nicht mit Vernunft zu tun.
    Die Butter wird ja geliefert alo nicht selbst behalten. Dies scheint Ihnen zu entgehen.
    Näher an der Wahrheit ist, dass die Südländer den gleichen Lebensstandart wie die Deutschen haben möchten, aber nicht bereit sind dafür auch gleichviel zu produzieren.

  • @ Hannes-B,
    Z.Bsp. einfach in dem auf Importe in die EU aus Deutschland Zölle erhoben werden!

  • Wenn dem so ist, warum exportiert Deutschland soviel anstelle mehr zu konsumieren und importieren damit die verschuldete Länder ihre Schulden abbauen können?
    Die Butter verkaufen, den Erlös kassieren und die Butter behalten, das ist was Deutschland möchte, das funktioniert aber nicvht.
    Wenn ein Land immer einen Überschuss erzeugt muss es irgendwann Probleme geben. Womit sollen die Käufer bezahlen wenn sie selbst nicht verkaufen?
    ASber dass ist doch einfache Mathematik, jeder müsste es wissen!

  • Schließe mich an!

  • Passt zwar hier nicht hin, aber wenn ich eure filme abspielen möchte bekomme ich nur werbung und keinen beitrag. Das finde ich scheiße!

  • Hahaha, ein Beitrag aus Deutschland. Das Land der Dichter und Denker. Dichten Sie nicht so viel, sondern fangen Sie lieber an zu sparen! Die anderen brauchen Ihr Geld nämlich bald.

  • @deutscher Michel: zu ihren paar Milliarden: Haben Sie (als deutscher Michel) schon vergessen, dass die Exportnarren ihre Exporte mit Krediten, die nie zurückgezahlt werden, finanzieren? Die Target2-Salden betrugen Ende August 751,449 Mrd. Euro. Diese Summe ist uneinbringlich. Tritt D aus dem Euro, ist der target2 der Buba weg. Die Auslandsvermögen der Deutschen werden entwertet. Der Euro ist die perfekte Falle für alle Mitglieder. Die, die diesen Euro wollten sollen Verantwortung für ihr Desaster tragen, auch die, die seit Lehman zusehen wie target2 wächst und wächst. Entweder sind Sie sehr naiv, oder einer der wenigen Profiteure der Exportnarretei, denn die Profite blieben bei den Unternehmern hängen, das mittlere Einkommen der Deutschen ist seit Euro gesunken (das der Spanier, Portugiesen,... stieg). Nur die Haftungsrisiken für die Deutschen stiegen und steigen, und die sind mit 700 Mrd bei Ausfall aller anderen Zahlerstaaten sicher kein "peanuts"."

  • Ich halte Schäuble für mindestens so gefährlich als Falschredner Falschmünzer wie Draghi als Falschmünzer. Asmussen sowieso.
    Das Tragische ist, dass Deutschland - im Gegensatz zu den Krisenstaaten - keine Volksvertreter hat, die sich für das Wohl der Masse der Deutschen einsetzen.
    Besonders die "Opposition" vertritt klar die Interesssen der wenigen Europrofiteure auf Kosten der Allgemeinheit.
    Gemäss dem guardian wird Deutschland mit dem ESM in Leibeigenschaft genommen, mindestens für eine Generation.

  • Korrektur:
    Das Deutschland-Protokoll. (sollte jeder gelesen haben!!!)
    http://gedankenfrei.files.wordpress.com/2008/12/das-deutschland-protokoll.pdf

  • Gerade UNSERE Politiker haben alle Vereinbarungen, die zum Schutze der deutschen Sparer in den Maastricht-Verträgen vereinbart wurden – außer Kraft gesetzt!

    Es sind UNSERE Politiker, die unsere Sparguthaben plündern und das geraubte Geld gen Süden transferieren!!

    Es sind UNSERE Politiker, die auf Teufel komm raus am Euro festhalten!

    Es sind UNSERE Politiker, nicht Draghi, die das Ausplündern Deutschlands vollziehen!

    “Früher saßen Patrioten in der Regierung und Verbrecher im Gefängnis. Wie sich doch die Zeiten geändert haben.”

    Joseph (Joschka) Fischer, ehem. “Die Grünen”:
    „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas (und der Welt) sind. Das wird immer wieder zu ‘Ungleichgewichten’ führen. Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal wofür, es kann auch radikal verschwendet werden – Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet.“ (USA 2008)

    Das Deutschland-Protokoll. (sollte jeder gelesen haben!!!)
    http://siggi40.de/app/download/57792...-protokoll.pdf

    Mahatma Gandhi: "Ziviler Ungehorsam wird zur heiligen Pflicht, wenn der Staat den Boden des Rechts verlassen hat".

    Berthold Brecht: "Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht".

    Im Art.20 Abs.4 haben die Väter unseres GG Widerstand nicht nur toleriert, sondern sogar ausdrücklich gewünscht. Jeder Deutsche, der noch einen Arsch in der Hose hat, hat die Pflicht zum Widerstand (sinngemäß). Und von einem friedlichem Widerstand habe ich nichts gelesen!

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