Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

JuLi-Chef Konstantin Kuhle Die Kultur der zweiten Chance, auch für die FDP

Seite 2 von 2:
Das Stigma des Scheiterns

Politik kann die Risikobereitschaft in der Gesellschaft nicht erzwingen, aber sie kann die Bedingungen für risikobereite Menschen verbessern, etwa mit sozialversicherungsrechtlichen Anreizen für Co-Working-Modelle, weniger praxisfeindlichen Regelungen wie dem Praktikanten-Mindestlohn und einer echten Eigentumsordnung für Daten, um die Digitalwirtschaft zu beleben, ohne das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung zu opfern.

Mit dem Problem der Stigmatisierung haben auch ehemalige Strafgefangene zu kämpfen. Für viele Berufe können Prävention und Wiedereingliederung noch so gut geplant werden – wer einmal im Knast gesessen hat, hat keine Chance mehr. Nicht ohne Grund darf die Wirksamkeit einer Gefängnisstrafe für Fortschritt und Wohlstand in der Gesellschaft in manchen Fällen bezweifelt werden. Die Möglichkeit zu einem stärkeren Engagement der Wirtschaft in den Gefängnissen ist daher ebenso nötig wie das Ausprobieren anonymer Bewerbungsverfahren.

FDP-Chef Christian Lindner hat beim Dreikönigstreffen der Liberalen Anfang Januar in Stuttgart die „Republik der Chancen“ als politisches Ziel ausgerufen. Ein großer Teil der Häme, die der FDP in den letzten Jahren zuteil wurde, lässt sich wohl damit erklären, dass die selbst ernannte Gewinnerpartei in den Augen vieler Menschen endlich einmal selbst Misserfolg und Scheitern erleben musste. Auch die bisherige Partei der ersten Chance tut gut daran, ihren Horizont zu erweitern.
Zu einer Republik der Chancen gehört auch ein Recht auf Scheitern. Wer die zweite oder dritte Chance nicht nutzen will, der bedarf keiner politischen Bemutterung. In Deutschland herrscht jedoch für manche Menschen geradezu eine Pflicht zum gesellschaftlichen Scheitern – man denke auch an ehemalige Drogenabhängige, Spielsüchtige oder Aussteiger aus extremistischen Kreisen.

Unser Land braucht aber nicht nur den Optimismus und die Tatkraft der Arrivierten, sondern auch den Durchsetzungswillen der Schul- und Studienabbrecher, der Insolventen und Pleitiers und auch der ehemaligen Strafgefangenen. Underdogs brauchen weder Mitleid noch Sonntagsreden. Sie brauchen eine Politik, die dafür kämpft, dass diese Menschen ihre zweite und dritte Chance nutzen können. Wenn das Teil der neuen Politik der Freien Demokraten wird, dann hat auch der Underdog FDP eine weitere Chance verdient.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

12 Kommentare zu "JuLi-Chef Konstantin Kuhle: Die Kultur der zweiten Chance, auch für die FDP"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn die Menschen den FDP-Parteivorsitzenden Lindner wegen seiner ehrlosen Nichtrückzahlung seiner KFW-Kredite tadeln, kommt sofort aus der neolibertären Ecke der Satz "Er hat es wenigstens mal versucht". Gemeint ist damit Lindners gescheiterte Firmengründung. Und genau dies ist die Tragödie der neolibertären FDP- Schichten. Hauptsache versucht, und wenn man dabei die ganze Welt anzündet. Eben so darf es nicht sein. Es ist schon noch noch die ganz entscheidende Frage, was man bei seinem Versuch angerichtet hat. Im 19.Jahrhundert hätte man im wirtschaftsliberalen Bürgertum Lindner und seinesgleichen die Pistole auf den Tisch gelegt, das Zimmer verlassen und von Lindner erwartet die Schande seiner auf Staatskosten getätigten Unternehmenspleite in der Farbe seines Blutes zu tilgen. In der heutigen FDP hingegen gilt Bruchlandung auf Staatskosten sogar noch als ehrensteigernd. Im übrigen mögen sich die neolibertären FDP-ler auf ihre Wahlumfragen nichts einbilden. Es ist normal, dass diese Gruppierung dank Medienaufmerksamkeit zur Zeit des Dreikönigstreffens in Umfragen leicht zulegt. Anfang 2014 lag sie sogar über 5 Prozent. Jetzt ist sie in neueren Umfragen sogar wieder auf 3 Prozent zurückgefallen. Da nützen auch die Beinfreiheitspeinlichkeiten gewisser hanseatischer Damen nichts. Nein, die FDP hat fertig, und das ist gut so.

  • @ Herr Marc Hofmann
    Wenn irgendjemand der Allgemeinheit nimmt, und es den Reichen gibt, dann ist es doch zu tiefst kapitalistisch!
    So werden die Verluste der Banken den Bürgern aufgebürdet, die Gewinne bekamen die Reichen, siehe Vermögensentwicklung.

    Sozialistisch wäre es hier, wenn die Reichen über Vermögenssteuer usw. an der Finanzierung der Schulden beteiligt würden. Dies will z.B. die kommende sozialistische Regierung in Griechenland tun.

    Beim EEG profitieren in erster Linie die Netzbetreiber - die Dank CDU/FDP stark subventioniert werden und natürlich die Banken und Privatpersonen, deren Anlagen oft überhöht subventioniert werden. Vielmehr wurden natürlich voher die KKW subventioniert, es waren reine Gelddruckmaschinen - und es ist zu befürchten, daß hier noch gewaltige Kosten auf die Bürger zukommen. Sozialistisch wäre gewesen, diese EEG-Anlagen staatlich zu finanzieren und die Gewinne wieder in die Staatskasse zu bringen.

    Also Sozialismus ist das alles nicht! Eher ein Kapitalismus der Reichen Herrschenden, schon mit feudalen Zügen, wenn man sich die Gesetzgebung gegen Bezahlung (z.B. Mövenpickgesetz) ansieht!

  • @Marcel Europaeer
    Was haben die Farbe "Braun", "Rot" und "Grün" in Deutschland gemeinsamm...das Sozialistische (Gleichmacherei und Bevormundung). Schon mal darüber nachgedacht???!

  • @Fred Meisenkaiser
    Die Grünen im sozialistischen Kleid haben mit der Energiewende die größte Abzockemasche per EEG unter das deutsche Volk gebracht. Das Grün-Sozialistische EEG zockt den Armen Bürger ab und gibt es den Reichen Bürger. Und zum Schluss bleibt der Wohlstand für das Volk auf der Strecke. Wenn Sie es denn dann so sehen, dann sind die Grünen und die Sozen die neue FDP.
    Da gebe ich ihnen dann auch recht.

  • " hätte sie damals die uns ruinierenden Rettungsschirme abgelehnt"
    Diese Rettungsschirme sichern die Gewinne der Banken Hedgefonds und Versicherungen. Und wem gehören die? Natürlich den oft schwerreichen Eignern!

    Die Kosten für die Bürger sind die Gewinne der Finanzverbrecher. Und die FDP ist nun mal die Interssenvertreter dieser Reichen Klientel. Also ist nicht zu erwarten, dass sie etwa tun, um deren Gewinne zu schmälern.

  • Das braune Geschwätz kann man langsam nicht mehr hören. Sicherlich gibt es einen Bodensatz an Unverbesserlichen, der redet aber in der Partei nicht mit, auch wenn viele Medien etwas anderes transportieren wollen. Im Gegenteil, die Ausschlussverfahren gegen Rechtsaußen, werden knallhart durchgezogen, sollten die Medien auch mal berichten!
    Übrigens im Gegensatz zu der kontinuierlichen Schönfärberei linken Terrors in Deutschland durch ANTIFA-Mobs, wie kürzlich gegen eine Polizeidienststelle in Leipzig, leider nur bei Reuters und FAZ zu lesen!

    Esoterisch ist ja wohl eher die CDUSPDGrüne angehaucht, denn die hoffen immer noch, das der EUR-Crash-Kelch irgendwie an Ihnen vorbei gehen könnte ... weit gefehlt, die Einschläge kommen immer näher und die Kosten für den deutschen Michel steigen täglich rasant. Draghi hat die nächste Stufe der Umverteilung von Mittelschicht nach ganz oben schon gezündet, demnächst mehr zu diesem Thema ...

    Zunehmende Terrorgefahr und völlig unkontrollierte Zuwanderung auf Rekordniveau werden sich auch nicht von allein erledigen ... also wer ist hier esoterisch?

  • und wozu bräuchten wir noch eine weitere Mainstream-Multikulti-Lilalu-Partei? Davon haben wir schliesslich schon 5 im Bundestag.Nein, die FDP hatte eine Riesenchance, hätte sie damals die uns ruinierenden Rettungsschirme abgelehnt. Dann wären sie heute Volkspartei, so aber werden sie den Weg der Bayernpartei gehen, dem einige der anderen Parteien hoffentlich auch bald folgen werden. Nicht umsonst wächst und wächst Pegida trotz medialem und politischem Trommelfeuer.

  • Die FDP vertritt ausschließlich die Reichen - nur die profitierten z.B. von den Steuersenkungen für Millionenerben. Die Bürger bezahlten diese geschenke mit erhöhten Abgaben, mit einer erhöhten Mehrwertsteuer usw.

    Und dafür sollen auch die Reichen die FDP wählen, nur die haben was von denen.

  • Und was ist an diesem neoliberalen Haufen sozialistisch?

    Die FDP vertritt nur die Besserbekommenden, dies ist das Gegenteil von sozial.

    Die 2% Reichen können gerne FDP wählen. Die kauften sich doch bei der FDP auch die entsprechenden Gesetze: Mövenpick, Ernbschaftssteuer usw.

    Vonder Energiewende ala FDP profitierten nur die Eigner der Netzbetreiber usw.

    Es ist genug neoliberal im Lande. Man wird jahrzenhnte daran zu leiden haben!

  • Wenn man den aktuellen Umfragen traut, ist die FDP auf niedrigem Niveau im Aufwand.
    www.wahlrecht.de

    Ich vermute, manch ein zwischenzeitlich zur AfD abgewanderter, wirtschaftsliberaler Wähler hat mitbekommen, welchen unappetitlichen, braun-esoterischen Beifang man mit an Land zieht, wenn man am rechten Rand fischt. Da wird einem die FDP gleich viel sympathischer, auch wenn sie ihre liberalen Wurzeln zum größten Teil gekappt hat.

Alle Kommentare lesen