Kapitalflucht Kein Schuldensozialismus in Europa!

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Funktionsfähig ist nur der amerikanische Weg

Das wäre ein verheerendes Ergebnis für Europa. Der Rettungsfonds EFSF würde zu einer sozialistischen Planbehörde, die einen öffentlichen Kapitalfluss in Europa organisiert und die Allokationsfunktion der Märkte unterläuft. Wachstumsverluste durch eine Fehlallokation des Kapitals und eine Wirtschaftsflaute der Kerngebiete wären die Folge.

Die Sache wird nicht besser, wenn man die Kreditflüsse durch eine Fiskalregierung steuern möchte, wie es die Euro-Länder nun beschlossen haben. Solange die Schuldner die Regeln mitbestimmen, wird mehr Kapital fließen, als die Märkte gestatten würden. Die Verzerrung wird sich auch innerhalb der Zuflussländer zeigen, weil die Euro-Bonds vorläufig nur die öffentlichen Kreditflüsse absichern. Privaten Kreditnehmern wird sich das Kapital weiterhin verweigern, und so wird der Staatsapparat relativ zum privaten Sektor immer mehr wachsen. Otmar Issing hat in diesem Zusammenhang von einem Weg in die Knechtschaft gesprochen.

Stabil ist dieser Weg nicht, denn es besteht die Gefahr, dass sich die Steuerzahler und Gewerkschaften der Kapitalexportländer gegen den Kapitalabfluss wehren werden. Konkret wird sich in Deutschland gewaltiger Widerstand aufbauen, wenn es auf dem Wege der Einführung von Euro-Bonds wieder in die Krise zurückgetrieben wird, die es aufgrund der Zinsangleichung in Europa nach der Einführung des Euros schon einmal durchlaufen hat.

Funktionsfähig ist nur der amerikanische Weg. Kurz- und langfristige Zinsen spreizen sich nach der Bonität der Wirtschaft aus, und wenn jemand niedrige Zinsen haben will, muss er dafür echte Sicherheiten bieten.

Dieser Weg muss nicht Härte gegenüber den Krisenländern bedeuten. Man kann ihn kombinieren mit einem System der maßvollen und begrenzten Hilfe im Sinne einer Teilkaskoversicherung der Kapitalanleger gegen den Staatskonkurs, wie sie von der European Economic Advisory Group vorgesehen wurde. Das ist die letzte Chance, dem Schuldensozialismus zu entkommen.

Der Autor ist Chef des Ifo-Instituts in München. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com

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108 Kommentare zu "Kapitalflucht: Kein Schuldensozialismus in Europa!"

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  • Was fuer ein Schwachsinn. Der amerikanische Weg unter Greenspan und Bernanke hat nur in Chaos gefuehrt. Ich dachte immer mittlerweile hat dies jeder begriffen :-((( Erschreckend, dass der Mensch Chef des Ifo-Instituts ist. Ernuechternd andererseits.

  • Sinn: "Konkret wird sich in Deutschland gewaltiger Widerstand aufbauen, wenn es auf dem Wege der Einführung von Euro-Bonds wieder in die Krise zurückgetrieben wird, die es aufgrund der Zinsangleichung in Europa nach der Einführung des Euros schon einmal durchlaufen hat."

    Fraglich ist, ob das die Profiteure der Exportindustrie und ihrer Finanziers - und damit die politische Klasse in diesem Lande - als "Krise" betrachten werden, solange die Abnehmerländer über diesen Kapitaltransfer weiter fleißig ordern.

    Beispiel ist der 2012 um fast 20 Prozent wachsende Wehretat Griechenlands - verbunden mit der Absichtserkärung Athens, Eurofighter, deutsche U-Boote und französische Fregatten zu kaufen. Es ist der einzige Bereich, welcher von sämtlichen Sparvoraben ausgeschlossen ist und inmitten der Krise pochte Außenminister Westerwelle auf die Abnahme von Eurofightern.

    Die eigentlichen Verlierer sind die hiesigen Arbeitnehmer, welche große Reallohnverluste seit Euro-Einführung hinnehmen mussten - alleine in den letzten 5 Jahren laut FAZ 7 Prozent. Dazu kommen enorme soziale Einschnitte sowie das Wegbrechen der Renten.

    Sie müssen fragen, ob sie am Ende durch den Euro nicht doppelt und dreifach bestraft wurden.

  • Toller und plausibler Artikel, Danke Hr. Sinn.

  • Die Diskussion ist ja nett, führt aber nicht zum Ursprung, der Fehler ist das System:

    Fakt 1: Geld wird von Banken nicht verliehen, sondern per Buchung
    im Computer erschaffen, d.h. ein Kredit für Person B kommt nicht
    durch Verleihung des Geldes von Person A zustande, sondern wird
    neu erschaffen, aus dem Nichts.

    Fakt 2: Auf diesen Kredit des Geldes, das die Banken nicht haben,
    wird der Zins fällig.

    Fakt 3: Die Rückzahlung des Kredites und des Zinses kann dann auch gar
    nicht möglich sein, da der Zins nicht im Kreislauf vorhanden ist, d.h.
    eine komplette Rückzahlung ist unmöglich.

    Fakt 4: Um den Zins rückzahlen zu können, muss entweder a.) jemand anders
    Geld weggenommen werden, oder b.) ein neuer Kredit aufgenommen werden.

    Fakt 5: Der Zins ist ein ZinsesZins, der exponentiell ist, und damit
    die Problematik zeitlich nach hinten vergrößert.

    Fakt 6: Durch den exponentiellen Verlauf wird der Zins irgendwann so gross,
    dass die komplette aufgenommene neue Kreditmenge nur noch für Zins ausgegeben
    werden muss. Dann erfolgt der Crash.

    Zusammenfassung: Das aktuelle Finanzsystem ist geschaffen worden, ohne
    jemals die komplette Rückzahlung zu ermöglichen. Das betrifft z.Zt. im Focus
    den Eur, der komplette Zusammenbruch kommt, allein der Zeitpunkt ist offen.

    >Franz Hörmann
    >wissensmanufaktur dot net
    >Berd Senf

  • Prof. Dr. Hans J. Bocker: Geld lügt - Gold ist ehrlich
    1h um Vermögen zu sichern:
    http://www.youtube.com/watch?v=AFfCELuEt6M

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  • @whoknows

    "Herrenmensch"

    Schwach, fällt Ihnen tatsächlich nichts besseres ein?

    Eher das Ergebnis dessen, was man "humanistisches" Gymnasium nennt. Ganz elend, man musste noch was lernen und bekam es nicht nachgeworfen ...

  • Wie sehr wir, auch von der Wirtschaftspresse, belogen werden, zeigt sich an den Begründungen für den aktuellen Kursverfall des Euro gegenüber anderen Währungen (US-Dollar, Yen).
    Angeblich fällt der Euro wegen der Staatsschuldenkrise der Eurozonenländer. Die schwelt aber nun schon ziemlich lange, ohne dass sie den Außenwert des Euro beeinträchtigt hätte.
    Was sich dagegen geändert hat, ist die Geldmenge: gerade neulich erst hat die EZB wieder ein riesiges "Brikett" nachgelegt.
    Und, ganz normal: durch das Überangebot an Euronen fällt deren Wert.
    Wir büßen dafür, indem wir höhere Preise für Rohstoffe und insbesondere Erdöl zahlen müssen.
    Bald hat das internationale Finanzverbrechen die Schuldversklavung der (u. a.) deutschen Steuerzahler und Konsumenten geschafft!

  • @ich_mag_den_Euro

    Das ist Ihnen unbenommen. Ich mag auch guten Rotwein, wenn er mein Befinden nicht verschlechtert. Aber zu Ihren Argumenten:
    Bisher haben Leute den Kurs bestimmt, die eben nicht zu den von Ihnen geschmähten Volkswirtschaftlern gehören. nämlich Lehrer, Juristen, Sozialarbeiter, Mathematiker, Historiker, die in den Ministerien, Aufsichtsräten der Landesbanken, der KfW, der IKB die Katastrophe durch Freigabe bzw. kauf von amerikanischen Schrottpapieren herbeiführten. Dass Sie offenkundig auch als Nichtwirtschaftler zu den bekannten Anschuldigungen gegen Sinn greifen, negiert das Versagen der Politiker mit den beliebten Scheinargumenten. Im Lager der Wirtschaftsweisen finden Sie kaum noch jemand, der den von SPD, Grünen und auch der CDU und FDP propagierten Schuldensozialismus (Eurobonds!) befürwortet. Dass Sinn das Lieblingsfeindbild der SPD und Gewerkschaften ist, macht ihn nur noch glaubwürdiger. Beide werden nach Eintritt griechischer verhältnisse in Deutschland ihren Mitgliedern natürlich wieder allerlei Verschwörungstheorien präsentieren.


  • Bisher haben Leute den Kurs bestimmt, die eben nicht zu den von Ihnen geschmähten Volkswirtschaftlern gehören. nämlich Lehrer, Juristen, Sozialarbeiter, Mathematiker, Historiker, die in den Ministerien, Aufsichtsräten der Landesbanken, der KfW, der IKB die Katastrophe durch Freigabe bzw. kauf von amerikanischen Schrottpapieren herbeiführten. Dass Sie offenkundig auch als Nichtwirtschaftler zu den bekannten Anschuldigungen gegen Sinn greifen, negiert das Versagen der Politiker mit den beliebten Scheinargumenten. Im Lager der Wirtschaftsweisen finden Sie kaum noch jemand, der den von SPD, Grünen und auch der CDU und FDP propagierten Schuldensozialismus (Eurobonds!) befürwortet. Dass Sinn das Lieblingsfeindbild der SPD und Gewerkschaften ist, macht ihn nur noch glaubwürdiger. Beide werden nach Eintritt griechischer verhältnisse ihren Mitgliedern natürlich wieder allerlei Verschwörungstheorien präsentieren.

  • @hardy

    Dank für diesen interessanten Link.

    Das ist ja ein fütchterliches Erbe,was wir hunterlassen. Aber ändern hätten wir es nicht können. Das kann gar nicht gutgehen.
    Ich muß überlegen.

    Schönen Abend noch?

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