Kapitalflucht Kein Schuldensozialismus in Europa!

Die französische und italienische Zentralbank lassen ihre Notenpressen auf Hochtouren laufen, um die Kapitalflucht aus ihren Ländern auszugleichen. Damit heizen sie das Problem aber nur noch weiter an. Ein Gastkommentar
  • Hans-Werner Sinn
108 Kommentare
Hans-Werner Sinn ist Chef des Ifo-Instituts in München. Quelle: dapd

Hans-Werner Sinn ist Chef des Ifo-Instituts in München.

(Foto: dapd)

Die Zinsen für Staatspapiere haben sich in der Euro-Zone wieder so ausgespreizt wie schon vor dem Euro. Die Zahlungsbilanzungleichgewichte werden immer größer. Die Krise frisst sich von der Peripherie in den Kern, und die Kapitalflucht beschleunigt sich. Auch aus Italien und Frankreich flieht das Kapital seit dem Sommer mit wehenden Fahnen. Netto könnten mittlerweile 300 Milliarden Euro geflohen sein.

Die Notenpressen bei der Banque de France und der Banca d’Italia laufen auf Hochtouren, um den Geldabfluss auszugleichen. Aber damit wird die Flucht nur befördert, denn der Nachdruck von Geld verhindert einen Anstieg der Geldmarktzinsen bis zu dem Punkt, wo es das Kapital attraktiv fände zu bleiben. Hätte Europa die Regelungen der USA, wo die Zentralbanken der Distrikte der Fed in Washington die Sondergeldschöpfung mit goldbesicherten Wertpapieren bezahlen müssen, würden sie nicht so viel Ersatzgeld schöpfen, und die Kapitalflucht bliebe begrenzt. Die Gelddruckerei ist im Grunde nur Fluchthilfe.

Will die Euro-Zone nicht zu Kapitalverkehrskontrollen schreiten, gibt es nur zwei Auswege: Entweder schiebt sie der lokalen Gelddruckerei einen Riegel vor, oder sie garantiert den Investoren die Anlagen in Ländern, die sie für unsicher halten. Der erste Weg ist der amerikanische. Er verlangt auch, dass das Risiko staatlicher oder privater Wertpapiere bei den Käufern liegt. Der Steuerzahler wird selbst in Extremfällen nicht zu Hilfe geholt. Staaten können in Konkurs gehen.

Der zweite Weg ist der sozialistische. Er führt über Euro-Bonds zur Sozialisierung der Risiken. Weil alle Staaten einander kostenlose Kreditgarantien geben, können sich die Zinssätze für Staatspapiere nicht mehr nach der Bonität der Länder unterscheiden, und die effektiven Zinsen eines Landes sind umso niedriger, je unsolider dieses Land ist.

Der sozialistische Weg folgt zwingend aus dem freien Zugang zur Notenpresse, der das europäische System bis dato kennzeichnet. Solange sich die Banken und damit indirekt auch die Staaten, die ihre Staatspapiere an die Banken verkaufen, billigen Kredit in beliebiger Höhe aus dem Zentralbankensystem ziehen dürfen, wird Europa nicht zur Ruhe kommen. Die Kapitalflucht geht immer weiter, und es sammeln sich riesige Ausgleichsforderungen bei den Zentralbanken des Kerngebiets an (Target), vor allem bei der Bundesbank und der holländischen Zentralbank. In Deutschland machen diese Ausgleichsforderungen mittlerweile die Hälfte des gesamten Nettoauslandsvermögens der Bundesrepublik Deutschland aus (500 Milliarden Euro). Da sie bei einem Auseinanderbrechen des Euros vermutlich verloren gingen, wird der politische Druck, den Euro-Bonds endlich zuzustimmen, übermächtig.

Funktionsfähig ist nur der amerikanische Weg
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108 Kommentare zu "Kapitalflucht: Kein Schuldensozialismus in Europa!"

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  • Was fuer ein Schwachsinn. Der amerikanische Weg unter Greenspan und Bernanke hat nur in Chaos gefuehrt. Ich dachte immer mittlerweile hat dies jeder begriffen :-((( Erschreckend, dass der Mensch Chef des Ifo-Instituts ist. Ernuechternd andererseits.

  • Sinn: "Konkret wird sich in Deutschland gewaltiger Widerstand aufbauen, wenn es auf dem Wege der Einführung von Euro-Bonds wieder in die Krise zurückgetrieben wird, die es aufgrund der Zinsangleichung in Europa nach der Einführung des Euros schon einmal durchlaufen hat."

    Fraglich ist, ob das die Profiteure der Exportindustrie und ihrer Finanziers - und damit die politische Klasse in diesem Lande - als "Krise" betrachten werden, solange die Abnehmerländer über diesen Kapitaltransfer weiter fleißig ordern.

    Beispiel ist der 2012 um fast 20 Prozent wachsende Wehretat Griechenlands - verbunden mit der Absichtserkärung Athens, Eurofighter, deutsche U-Boote und französische Fregatten zu kaufen. Es ist der einzige Bereich, welcher von sämtlichen Sparvoraben ausgeschlossen ist und inmitten der Krise pochte Außenminister Westerwelle auf die Abnahme von Eurofightern.

    Die eigentlichen Verlierer sind die hiesigen Arbeitnehmer, welche große Reallohnverluste seit Euro-Einführung hinnehmen mussten - alleine in den letzten 5 Jahren laut FAZ 7 Prozent. Dazu kommen enorme soziale Einschnitte sowie das Wegbrechen der Renten.

    Sie müssen fragen, ob sie am Ende durch den Euro nicht doppelt und dreifach bestraft wurden.

  • Toller und plausibler Artikel, Danke Hr. Sinn.

  • Die Diskussion ist ja nett, führt aber nicht zum Ursprung, der Fehler ist das System:

    Fakt 1: Geld wird von Banken nicht verliehen, sondern per Buchung
    im Computer erschaffen, d.h. ein Kredit für Person B kommt nicht
    durch Verleihung des Geldes von Person A zustande, sondern wird
    neu erschaffen, aus dem Nichts.

    Fakt 2: Auf diesen Kredit des Geldes, das die Banken nicht haben,
    wird der Zins fällig.

    Fakt 3: Die Rückzahlung des Kredites und des Zinses kann dann auch gar
    nicht möglich sein, da der Zins nicht im Kreislauf vorhanden ist, d.h.
    eine komplette Rückzahlung ist unmöglich.

    Fakt 4: Um den Zins rückzahlen zu können, muss entweder a.) jemand anders
    Geld weggenommen werden, oder b.) ein neuer Kredit aufgenommen werden.

    Fakt 5: Der Zins ist ein ZinsesZins, der exponentiell ist, und damit
    die Problematik zeitlich nach hinten vergrößert.

    Fakt 6: Durch den exponentiellen Verlauf wird der Zins irgendwann so gross,
    dass die komplette aufgenommene neue Kreditmenge nur noch für Zins ausgegeben
    werden muss. Dann erfolgt der Crash.

    Zusammenfassung: Das aktuelle Finanzsystem ist geschaffen worden, ohne
    jemals die komplette Rückzahlung zu ermöglichen. Das betrifft z.Zt. im Focus
    den Eur, der komplette Zusammenbruch kommt, allein der Zeitpunkt ist offen.

    >Franz Hörmann
    >wissensmanufaktur dot net
    >Berd Senf

  • Prof. Dr. Hans J. Bocker: Geld lügt - Gold ist ehrlich
    1h um Vermögen zu sichern:
    http://www.youtube.com/watch?v=AFfCELuEt6M

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  • @whoknows

    "Herrenmensch"

    Schwach, fällt Ihnen tatsächlich nichts besseres ein?

    Eher das Ergebnis dessen, was man "humanistisches" Gymnasium nennt. Ganz elend, man musste noch was lernen und bekam es nicht nachgeworfen ...

  • Wie sehr wir, auch von der Wirtschaftspresse, belogen werden, zeigt sich an den Begründungen für den aktuellen Kursverfall des Euro gegenüber anderen Währungen (US-Dollar, Yen).
    Angeblich fällt der Euro wegen der Staatsschuldenkrise der Eurozonenländer. Die schwelt aber nun schon ziemlich lange, ohne dass sie den Außenwert des Euro beeinträchtigt hätte.
    Was sich dagegen geändert hat, ist die Geldmenge: gerade neulich erst hat die EZB wieder ein riesiges "Brikett" nachgelegt.
    Und, ganz normal: durch das Überangebot an Euronen fällt deren Wert.
    Wir büßen dafür, indem wir höhere Preise für Rohstoffe und insbesondere Erdöl zahlen müssen.
    Bald hat das internationale Finanzverbrechen die Schuldversklavung der (u. a.) deutschen Steuerzahler und Konsumenten geschafft!

  • @ich_mag_den_Euro

    Das ist Ihnen unbenommen. Ich mag auch guten Rotwein, wenn er mein Befinden nicht verschlechtert. Aber zu Ihren Argumenten:
    Bisher haben Leute den Kurs bestimmt, die eben nicht zu den von Ihnen geschmähten Volkswirtschaftlern gehören. nämlich Lehrer, Juristen, Sozialarbeiter, Mathematiker, Historiker, die in den Ministerien, Aufsichtsräten der Landesbanken, der KfW, der IKB die Katastrophe durch Freigabe bzw. kauf von amerikanischen Schrottpapieren herbeiführten. Dass Sie offenkundig auch als Nichtwirtschaftler zu den bekannten Anschuldigungen gegen Sinn greifen, negiert das Versagen der Politiker mit den beliebten Scheinargumenten. Im Lager der Wirtschaftsweisen finden Sie kaum noch jemand, der den von SPD, Grünen und auch der CDU und FDP propagierten Schuldensozialismus (Eurobonds!) befürwortet. Dass Sinn das Lieblingsfeindbild der SPD und Gewerkschaften ist, macht ihn nur noch glaubwürdiger. Beide werden nach Eintritt griechischer verhältnisse in Deutschland ihren Mitgliedern natürlich wieder allerlei Verschwörungstheorien präsentieren.


  • Bisher haben Leute den Kurs bestimmt, die eben nicht zu den von Ihnen geschmähten Volkswirtschaftlern gehören. nämlich Lehrer, Juristen, Sozialarbeiter, Mathematiker, Historiker, die in den Ministerien, Aufsichtsräten der Landesbanken, der KfW, der IKB die Katastrophe durch Freigabe bzw. kauf von amerikanischen Schrottpapieren herbeiführten. Dass Sie offenkundig auch als Nichtwirtschaftler zu den bekannten Anschuldigungen gegen Sinn greifen, negiert das Versagen der Politiker mit den beliebten Scheinargumenten. Im Lager der Wirtschaftsweisen finden Sie kaum noch jemand, der den von SPD, Grünen und auch der CDU und FDP propagierten Schuldensozialismus (Eurobonds!) befürwortet. Dass Sinn das Lieblingsfeindbild der SPD und Gewerkschaften ist, macht ihn nur noch glaubwürdiger. Beide werden nach Eintritt griechischer verhältnisse ihren Mitgliedern natürlich wieder allerlei Verschwörungstheorien präsentieren.

  • @hardy

    Dank für diesen interessanten Link.

    Das ist ja ein fütchterliches Erbe,was wir hunterlassen. Aber ändern hätten wir es nicht können. Das kann gar nicht gutgehen.
    Ich muß überlegen.

    Schönen Abend noch?

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