Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kolumne: „Coronomics“ Die Deutschen müssen keine Angst vor einer Inflation haben

Der deutsche Staat leitet viel Geld in die Wirtschaft. Manch einer erwartet eine schlimme Inflation – zu Unrecht.
22.06.2020 - 18:03 Uhr Kommentieren
Peter Bofinger ist Ökonomie-Professor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats. Quelle: SVR
Der Autor

Peter Bofinger ist Ökonomie-Professor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

(Foto: SVR)

Die Corona-Pandemie hat zu finanz- und geldpolitischen Rettungsmaßnahmen geführt, die in der Wirtschaftsgeschichte einmalig sind. Vor allem bei deutschen Medien werden deshalb zunehmend Ängste über mögliche Inflationsgefahren laut. Hans-Werner Sinn sieht bereits Parallelen zur deutschen Hyperinflation.

Die Pandemie bedeutet für die Wirtschaft einen simultanen Angebots- und Nachfrageschock. Auf der Angebotsseite führte der Lockdown zur Unterbrechung von Lieferketten. Arbeitnehmer mussten sich um ihre Kinder kümmern. Während diese Effekte allmählich in den Hintergrund treten, bestehen viele Schutzmaßnahmen fort, die für Dienstleister und die Industrie höhere Kosten bedeuten.

Auf der Nachfrageseite kam es zunächst dazu, dass Verbraucher bestimmte Dienstleistungen („social consumption“) nicht mehr nachfragen konnten. Mittlerweile hat auch hier eine Normalisierung eingesetzt.

Dafür machen sich jetzt Einkommensverluste durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit negativ bemerkbar. Belastend ist zudem die Unsicherheit über den Fortgang der Pandemie: Unternehmensinvestitionen, die Anschaffung von Autos und anderen längerfristigen Gebrauchsgütern werden zurückgestellt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Bisher hat der preisdämpfende Nachfrageschock den kostentreibenden Angebotsschock überkompensiert. In Deutschland sind die Verbraucherpreise saisonbereinigt seit Februar 2020 um 0,4 Prozent gesunken.

    Trotz der massiven Konjunkturpakete wird sich daran auch in den nächsten Jahren nichts Grundlegendes ändern. Selbst wenn es gelingt, das Virus unter Kontrolle zu bringen, wird die wirtschaftliche Dynamik verhalten sein. Unternehmensbilanzen werden beschädigt sein, was die Finanzierung von Investitionen erschwert. Die Staaten stehen bei einer stark gestiegenen Verschuldung unter Konsolidierungszwang.

    In Deutschland erfordert die Schuldenbremse über Jahre hinweg sogar Budgetüberschüsse. Bei einer weltweit gestiegenen Arbeitslosigkeit wird es den Gewerkschaften schwerfallen, höhere Löhne durchzusetzen.

    Schon im vergangenen Jahrzehnt kam es trotz einer robusten Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage zu eher moderaten Lohnsteigerungen und sehr niedrigen Inflationsraten. Eine deflationäre Entwicklung ist so sehr viel wahrscheinlicher als ein Wiederaufleben der Inflation.

    Woher kommen die Inflationsängste? Sorgen bereitet die anhaltend starke Ausweitung der Notenbankbilanzen. Dies hat sich jedoch nicht in der Entwicklung von Bankkrediten und Geldbeständen der privaten Haushalte und Unternehmen niedergeschlagen, die seit der Finanzkrise nur moderat gewachsen sind. Am ganz aktuellen Rand steigt die Geldmenge stärker an, was jedoch vor allem Ausdruck einer temporär sehr hohen Sparneigung sein dürfte.

    Und wenn es tatsächlich zu einer Überhitzung der Wirtschaft käme, könnte die EZB jederzeit die Zinsen anheben. Bei der langen Laufzeit der Staatsschulden wäre dies auch fiskalisch verkraftbar, zumal von einem höheren Wachstum des nominellen Bruttoinlandsprodukts entlastende Effekte ausgehen. Eine überzogene Kreditentwicklung kann man zudem mit makroprudenziellen Instrumenten (etwa Beleihungsgrenzen) stoppen.

    Es gibt also keinen Grund, sich vor „Vulgär-Keynesianismus“ zu fürchten. Man sollte froh sein, dass die Politik sich keynesianisch verhält, um eine Wiederholung der Großen Depression zu vermeiden.

    MehrEuropa sollte hart getroffenen Ländern unter Auflagen großzügig helfen, meint Holger Schmieding.

    Startseite
    0 Kommentare zu "Kolumne: „Coronomics“: Die Deutschen müssen keine Angst vor einer Inflation haben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%