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Kommentar „Breturn“ statt „Brexit“ – Großbritannien muss eng an die EU angebunden bleiben

Die EU darf nicht der Versuchung erliegen, an den Briten ein Exempel zu statuieren. Gute Beziehungen zu London sind wichtig – und unersetzlich.
21.01.2020 - 20:57 Uhr 1 Kommentar
Der Autor ist Eigentümer der Dr. Sasse AG und Präsident der IHK für München und Oberbayern. Quelle: Rudolf Wichert
Eberhard Sasse

Der Autor ist Eigentümer der Dr. Sasse AG und Präsident der IHK für München und Oberbayern.

(Foto: Rudolf Wichert)

Es hat lange gedauert, bis der Brexit ein Datum bekommen hat. Ganz Europa konnte dabei zusehen und mitfiebern, wie der innenpolitische Disput eines Mitgliedslandes die ganze Gemeinschaft in Unruhe versetzt – und wie das Ergebnis dieses Disputs mehr Fragen aufwirft, als es Antworten anbietet. Jenseits des Datums mangelt es daher auf vielen Ebenen und in fast allen zwischenstaatlichen Beziehungen heute (noch) an belastbaren Vereinbarungen, Abkommen, Regeln.

Auf politischer Ebene ist derzeit noch die Versuchung groß, an Großbritannien ein Exempel zu statuieren. Sie ist nicht von Vernunft getrieben, sondern von den mit künstlicher Aufgeregtheit gefüllten Kommunikationsströmen in virtuellen Kommunikationskanälen sowie von der Frustration einer sitzen gelassenen Geliebten.

Unter anderem muss die angebliche Sorge als Argument herhalten, andere EU-Mitglieder könnten sich ebenfalls zum Ausstieg ermutigt sehen, zum Abschied von der idealistischen Vision des geeinten Europa. Ein fadenscheiniges Argument, wie jeder Unternehmer weiß, der nach dem Ausstieg eines Mitarbeiters den Rest des Teams zum Bleiben bewegen möchte, indem er vermeintliche „Verräter“ brandmarkt und ihnen üble Nachrede hinterherschickt. Es ist nicht die Zeit für erzieherische Maßnahmen oder große Gesten. Es ist die Zeit für besonnenes, überlegtes Handeln.

Denn so unbefriedigend und mühselig das Tagesgeschäft auch erscheint, bringen uns ein unaufgeregter Umgang mit der Gegenwart und ein optimistischer Ansatz für die Zukunft am zügigsten voran. Die Voraussetzungen dafür sind viel besser, als es angesichts der veröffentlichten Katastrophenszenarien den Anschein hat. Vor allem, wenn es uns zu bewahren gelingt, was nicht infrage steht – und was Großbritannien für Europa in der Vergangenheit wertvoll gemacht hat und auch künftig machen wird.

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    Schottland als Hotspot für die Raumfahrt

    Das Vereinigte Königreich ist eine der ältesten ununterbrochen wirkenden Demokratien der Erde. Es nimmt für die EU und insbesondere für Deutschland als Handelspartner eine Schlüsselrolle ein, ist Sitz der größten europäischen Bank (HSBC) und spielt am europäischen und internationalen Finanzmarkt eine bedeutende Rolle.

    Für die militärische und zivile Sicherheit der Region hat sich Großbritannien als unverzichtbar erwiesen – und wird dies auch künftig tun, nicht zuletzt als Mitglied im UN-Sicherheitsrat und als einer der leistungsfähigsten Nato-Partner. Bei Forschung und Wissenschaft kommen aus Großbritannien herausragende Beiträge für Zukunftsprojekte. Man denke nur an Schottland als den „Hotspot“, der für die europäische Raumfahrt den idealen Zugang ins All bereithält.

    Nicht zu vergessen: Das Vereinigte Königreich ist traditionell und auf vielen Ebenen mit Ländern rund um den Globus vernetzt, ein wertvolles Asset für eine europäische Außenpolitik, soll sie denn einmal ihren Namen verdienen. Nicht zuletzt die englische Sprache als Fundament globaler Kommunikation macht uns die Bedeutung deutlich, die dieses Land für uns alle hat. Mit allen diesen Eigenschaften, nicht nur geografisch, ist „die Insel“ unserem Kontinent näher als jeder anderen Region der Welt.

    Weshalb es im Wortsinn bemerkenswert ist, dass Großbritannien aus der EU austritt, aber nicht Europa verlässt. Das ist eine belastbare Grundlage für die Zukunft.

    Was wir vor uns haben, ist mithin ein klassischer Fall von „Changemanagement“, ein effizienter Umgang mit Veränderungen. Der Zustand eines vollumfänglich in die EU integrierten Großbritannien, auf den wir uns eingerichtet haben – und von dessen Bestand unsere Hoffnung erfüllt war –, hat sich gewandelt, so wie sich in der Vergangenheit andere Voraussetzungen für das unternehmerische Handeln gewandelt haben.

    Auch Unternehmen in der Verantwortung

    Es gibt, vom Klimawandel über Handelskriege bis zum gesellschaftlichen Wandel, ausreichend Herausforderungen in größerer Dimension. Von ihnen dürfen wir uns als Unternehmen nicht ablenken lassen, indem wir den „Brexit“ als Problem überhöhen. Oder indem wir dafür einen Aufwand betreiben, der uns an anderer Stelle wertvolle Energie entzieht.

    Die Politiker sind gefordert, eine tragfähige Lösung herbeizuführen.

    Wir Unternehmer sind gefordert, im eigenen wie im europäischen Interesse unsere Möglichkeiten für ein entspanntes Miteinander zu nutzen. Nicht zuletzt, um damit einen „Breturn“ herbeizuführen: die geordnete, nachhaltige und belastbare Einbindung Großbritanniens in den europäischen Verbund. Dafür lohnt es sich zu arbeiten.

    Mehr: Auf zu neuen Welten – Warum im Jahr 2020 Geschichte geschrieben wird.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: „Breturn“ statt „Brexit“ – Großbritannien muss eng an die EU angebunden bleiben"

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    • Klingt schon wieder nach Rosinenpickerei für die Briten

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