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Kommentar Passiver Widerstand beim staatlichen Regelwerk für Manager

Die deutschen Aufsichtsräte sollten die aktuellen Veränderungen des Governance-Kodexes genau verfolgen.
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Der Autor ist geschäftsführender Herausgeber von „Der Aufsichtsrat“. Quelle: Pressefoto
Manuel Theisen

Der Autor ist geschäftsführender Herausgeber von „Der Aufsichtsrat“.

(Foto: Pressefoto)

Seit 16 Jahren berichtet die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK) regelmäßig auf einer hochrangig besetzten Konferenz über ihre Arbeit. Ihr 2002 erstmals veröffentlichtes Regelwerk ist freiwillig und eine Variante der von staatlicher Seite geforderten „guten Unternehmensführung und -überwachung“.

Auf der DCGK-Jahreskonferenz 2017 zeichnete sich ab, was man als kleines Wunder bezeichnen konnte: Der neue Kommissionsvorsitzende und ehemalige KPMG-Wirtschaftsprüfer Ralf Nonnenmacher kündigte an: Der Kodex soll grundlegend überarbeitet werden.

Der Job ist alles andere als einfach. Nicht nur die allgegenwärtigen Bewahrer und Bedenkenträger müssen abgeschüttelt werden. Eine noch größere Gefahr geht von den internationalen Zaungästen der Corporate-Governance-Diskussion aus.

Sie lassen nicht nach, ihre zusätzlichen Wünsche aufzulisten, die der Aufsichtsrat künftig erfüllen soll. Dazu gehören Investorengespräche, eine gemeinsame Strategieverantwortung von Vorstand und Aufsichtsrat und vieles mehr, was an die Funktionsweise angelsächsischer „Boards“ erinnert. Vor allem bei US-Konzernen sind Leitungs- und Kontrollfunktionen „monistisch“ in einem Gremium zusammengefasst.

Keine Kodex-Konferenz geplant

Das Überraschende: In dürren Zeilen kündigte der DCGK-Vorsitzende dieses Frühjahr im Namen der Regierungskommission eine Konferenzpause an. Er begründete dies mit einer verlängerten Konsultationsphase. „Eine Kodex-Konferenz (…) würde (...) in der aktuellen Phase der Arbeit am und der Diskussion über den Kodex keinen echten Mehrwert versprechen“, schrieb er.

Trotz des knappen Textes verweist Nonnenmacher zweimal darauf, dass ihm weitere Gespräche mit „Emittenten, institutionellen Investoren und weiteren Experten“ besonders wichtig seien. Die Diskussion wolle er zudem für Indexfonds öffnen.

Weshalb dann aber die Konferenzpause? Die Gesprächsbereitschaft und das Interesse der hier Zitierten dürfte zeitlich und inhaltlich nahezu unbeschränkt sein. Eine unüberwindliche Hürde ist hier jedenfalls nur schwer zu vermuten. Dasselbe gilt für den Verdacht, die Akteure setzten auf eine Verzögerungstaktik.

Vielmehr ist zu befürchten, dass hier die verbliebenen Anhänger eines Kodex-Ansatzes am Werk sind, die sich für einen „interessenpluralistischen“ Aufsichtsrat einsetzen. Im Gegensatz dazu zeichnete sich bei den jüngsten Bemühungen des DCGK nämlich ab, dass sich die Kontrollgremien künftig relativ einseitig an den Interessen des Kapitalmarkts ausrichten sollen. Ein passiver Widerstand also? Tönt da gar im Hintergrund die alte Western-Melodie: „Spiel mir das Lied vom Tod“?

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