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Kommentar „Tarifkartell“ richtet immensen Schaden an

Spartengewerkschafter nehmen ihre Kollegen in Geiselhaft: Ihr neues Geschäftsmodell beruht auf Erpressung. Der Gesetzgeber sollte zügig das Betriebsverfassungsgesetz ändern, fordert Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel.
28.02.2012 - 13:27 Uhr 14 Kommentare
Einweiser am Flughafen Frankfurt: Direkt und indirekt werden über 50.000 Beschäftigte in Mitleidenschaft gezogen. Quelle: dpa

Einweiser am Flughafen Frankfurt: Direkt und indirekt werden über 50.000 Beschäftigte in Mitleidenschaft gezogen.

(Foto: dpa)

Immer öfter nehmen kleine Gruppen ihre Kollegen in großen Betrieben in Geiselhaft. Beschäftigte, die an strategischen Schalthebeln sitzen, gründen eine Spartengewerkschaft und fordern exorbitante Lohnerhöhungen mit der Drohung, den ganzen Betrieb lahmzulegen. Die Forderungen dieser Gruppen überschreiten die der großen Gewerkschaften oft um ein Vielfaches. Aktuell verlangen die Vertreter von ca. 200 Angelernten, die auf dem Frankfurter Flugfeld im Durchschnitt 40.000 Euro Jahresgehalt kassieren, Lohnerhöhungen von 64 Prozent. Direkt und indirekt werden am Frankfurter Flughafen über 50.000 Beschäftigte in Mitleidenschaft gezogen, von den Passagieren ganz zu schweigen.

Vorreiter dieser Entwicklung waren die Piloten der Lufthansa. Ihrem Beispiel folgte das restliche Kabinenpersonal. An die regelmäßig das ganze Land in Geiselhaft nehmenden Fluglotsen hat man sich hierzulande schon gewöhnt. Spätestens aber, als die Lokführer den Schienenverkehr lahmlegten, um für sich ein besonders großes Stück aus der Torte der Personalkosten der Bahn AG herauszuschneiden, hätte es Arbeitgeberpräsidenten und Gewerkschaftsführern dämmern müssen, dass hier ein neues Geschäftsmodell entsteht. Ähnlich wie bei der Mafia beruht es auf Erpressung. Den Chefs der betroffenen Unternehmen bleibt nichts anderes übrig, als Schutzgeld in Form von Sonderkonditionen für die Erpresser zu zahlen.

Wenn es so weitergeht, werden Spartengewerkschaften bald für die Beschäftigten in den Kontrollräumen von Stromerzeugern, in Rechenzentren von Großunternehmen oder in Operationssälen unserer Krankenhäuser entstehen. Leider verbietet das gesetzlich verordnete Tarifkartell zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften den Betriebsräten, hier eine Rolle zu spielen. Dabei wären sie am besten geeignet, zusammen mit den Betriebsleitungen für Fairness bei der Bezahlung der Berufsgruppen in ihrem Unternehmen zu sorgen und Schmarotzern in den Arm zu fallen. Diejenigen, die den Betrieb am besten kennen, dürfen nur zuschauen, wie betriebsfremde Arbeitgeber- und Gewerkschaftsfunktionäre über die Entlohnung und die Festsetzung der Arbeitszeiten in ihren Unternehmen entscheiden.

Dabei richtet dieses „Tarifkartell“ schon lange immensen Schaden an. Die „Flächentarife“ werden von betriebsfremden Funktionären ausgehandelt, die sich an ökonomischen Durchschnittswerten orientieren und die Vielfalt der betrieblichen Wirklichkeit ignorieren. Das Ergebnis kann man nach jedem Tarifabschluss besichtigen: Für einige Betriebe ist der Abschluss zu hoch. Er bringt sie in existenzielle Gefahr, treibt sie in die Insolvenz oder zwingt sie, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlegen.

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    14 Kommentare zu "Kommentar: „Tarifkartell“ richtet immensen Schaden an"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die BRD existiert seit 1990 nicht mehr

      www.brd-schwindel.de

    • Angst, das kleine Leute, zu stark ins "große System" eingreifen, was ?

      Angst, daß von hier mal eine große Revolution starten könnte ?


      RICHTIG machen es die Leute.

      Legt mal den laden 2 Tage komplett lahm, nur so können wir unseren Politikern zeigen, daß die Macht vom VOLK ausgeht !

    • Hier predigt wieder einmal einer Wasser, der selbst den Wein aus den Fässern trinkt.

    • @ KWB
      Danke für ihren Kommentar.
      Das sind genau meine Gedanken und ich hätte es nicht besser formulieren können.

    • Selten so einen Stuss gelesen. Völlig einseitige Sicht aus der Chefposition heraus. Wenn sich die Firma die Leute eigentlich nicht leisten kann, dann macht dieser Laden insgesamt was falsch! Das dann an der Gewerkschaft abzuladen, ist zu einfach. Profit für das Kapital ist und kann nicht alles im Leben eines Unternehmens sein.

    • Also ich finde die Forderungen der Vorfeldlotsen überzogen und egoistisch !

      Was sollen denn die Mitarbeiter der externen Sicherheitsfirmen sagen,
      die von der Bundespolizei angeheuert werden ?

      Sie tragen auch eine große Verantwortung, haben eine stressige Arbeit
      und bekommen dafür mal gerade 12,36 € (NRW-Tarif) !

      Und streiken ist nicht so einfach,
      wenn man für einen externen Dienstleister arbeitet ...


      Die ganze Kommerzialisierung der Flughäfen ist Schwachsinn !
      Flugsicherung, Vorfeldkontrolle + auch vor allem das Sicherheitspersonal müssten Angestellte im öffentlichen Dienst sein, die gewerkschaftlich einheitlich organisiert sind
      und denen durch eine Garantenstellung das Streiken erschwert wird.
      Dafür sollen sie dann auch faire Löhne bekommen
      und sie sollen nicht ständig Angst haben müssen,
      dass sie durch eine Neuausschreibung ihre Arbeit verlieren.

    • Die Koalitionsfreiheit ist grundgesetzlich garantiert. Dieses als "Geiselhaft" zu bezeichnen ist ein Anzeichen dafür, dass wir überhaupt keine Maßstäbe mehr haben und nur noch von bestimmter Seite räsonieren, wenn die Arbeitgeber in Bedrängnis geraten.

    • "Geiselhaft", "Schmarotzer" - welch schlimme Worte - aber aus dem Hals der Klassenkampfmumie Olaf Henkel nur Ausdruck eines unverschämten Charakters. Daß die Arbeitgeber im Verein mit den Harz IV -Verbrechern der SPD einen ausbeuterischen Niedriglohnmarkt erschaffen haben wie man ihn sonst nur in den übelsten Hinterhöfen Asiens antrifft, daß die Reallohneinkommen seit über 10 Jahren kontinuierlich sinken, daß die Babyboomer-Generation mit ihrem Überangebot an hochqualifizierten Arbeitnehmern seit 25 Jahren zu Bittstellern für die immer mieser werdenden Jobs herabgewürdigt wird, daß global agierende Unternehmen Politik und Beschäftigte skrupelos mit Abwanderungsdrohungen zu schlechten Sozialstandards nötigen, daß selbst große und namhafte Unternehmen die Rechte ihrer Beschäftigten mit Füssen treten - all das ist für diesen Herrn kein Problem.
      Wenn nun die wenigen durch Arbeitsteilung und Spezialisierung zu Funktionseliten herangebildeten und noch nicht in Leiharbeitsverhältnissen drangsalierten Arbeitnehmer ihre Streikrechte wahrnehmen, scheint für den Moralkapitalisten Henkel der Untergang Deutschlands gekommen.
      Herr Henkel: würden die deutschen Arbeitnehmer auch nur 20 % jener entschlossenen Brutalität und Skrupelosigkeit aufbringen, wie sie sie seit bald 15 Jahren von den Unternehmen ertragen müssen dann - und erst dann - hätten die Arbeitgeber Grund zur Sorge.

    • Seit Jahren werden die Arbeitnehmer erpresst und bedroht mit Ausgliederungen, Entlassungen ect. Nun wendet sich das Blatt mal und schon ruft Herr Henkel nach dem Gesetzgeber. Wie armselig! Oben immer mehr abkassieren auf Kosten der Allgmeinheit hat hoffentlich bald ein Ende.

    • Henkel hat recht. Es ist eine Unverschämtheit, wenn Arbeitnehmer durch Streiks die Macht haben, weit über ihren Bereich hinaus anderen Unbeteiligten zu schaden! Sekretärinnen der Flugsicherung verdienen das 3fache des Üblichen, und es steht im Raum, dass sie einen Nachschlag von 18.000 Euro bekommen. Wo bitte ist da Lohndumping?

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