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Kommentar Zurück zum Kalten Krieg

Der russische Präsident Wladimir Putin will den Raketenabwehrschirm in Europa stoppen. Kommt er damit durch, würde er Russlands Macht demonstrieren. Es wäre ein Schritt zurück in eisige Zeiten.
17 Kommentare
Autor Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Quelle: PR

Autor Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

(Foto: PR)

Der Gast, der nicht kam, heißt Wladimir Putin, seit zwölf Jahren der wahre Herrscher aller Reußen. Den 16-Jahre-Rekord des Helmut Kohl wird er locker überbieten. Verständlich, dass er den Nato-Gipfel in Chicago ausgespart hat. Doch Camp David, wo sich die G8 traf, war eine richtig romantische Location: in den Catoctin-Bergen bei Washington versteckt, mit bester Gesellschaft - lauter Promis von Obama bis Merkel. Offiziell hieß es, Putin müsse sich sein neues Kabinett zusammenklauben; das war allerdings Sache seines Premiers Medwedjew, der brav und schlipslos mit den Großen Sieben tafelte. In Wahrheit war das Njet eine klassisch-russische Geste: Verachtung durch Verweigerung.

Was will der wiedergewählte Zar? In seinem Wahlkampf hatte er antiamerikanische Rhetorik zuhauf geliefert, so als hätte der „Reset“ vor drei Jahren nie stattgefunden. Sein Generalstabschef Nikolai Makarow legte noch einen drauf, als er mit einem Erstschlag gegen die künftige Raketenabwehr in Polen und Rumänien drohte. Auch wettert der Kreml gegen das Nato-Großmanöver „Steadfast Jazz“ im kommenden Jahr, vergisst dabei aber, dass die Übung die gebotene Antwort auf die russische von 2009 ist, die einen Angriff auf die baltischen Nato-Länder simulierte.

Besonders sauer sind die Putinisten auf Amerikas „Einmischung in innere Angelegenheiten“. Kaum gewählt, ließ Putin seine Sicherheitskräfte auf die demonstrierenden Demokraten los. Was hat Washington verbrochen? Die Provokation hörte sich so an: Hillary Clinton säuselte in CNN, sie hoffe, Russland werde „in der Lage sein, sich weiter zu demokratisieren“. Hammerhart. „Die Nato hat 20 Jahre lang um den Kreml geworben“, notiert der „Economist“, das „Ergebnis ist enttäuschen“. Die viel ältere Bilanz: Die Zaren, die roten und die weißen, kommen und gehen, aber die Kontinuität bleibt bestehen. Das Ur-Prinzip ist ein sowjetisches Veto über die Sicherheitspolitik des Westens.

Die Sowjets haben die Nato zu torpedieren versucht, die Wiederbewaffnung der Deutschen, deren Nato-Beitritt, die Stationierung taktischer Atomwaffen. Unvergessen bleiben die Stalin-Noten von 1952, die Wiedervereinigung gegen Neutralisierung anboten - Ende des Bündnisses. Immer wieder hielt Moskau den Köder eines „gesamteuropäischen Sicherheitssystems“ hin, das die Nato aufgelöst hätte. Schließlich entfachte der Kreml die Kampagne gegen die Nachrüstung. Ein jedes Mal hielt der Westen stand. Kein Veto für Moskau.

Der Raketenabwehrschirm ist keine Gefahr für Russland
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17 Kommentare zu "Kommentar: Zurück zum Kalten Krieg"

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  • Vielleicht sollte man ein bißchen sachlicher schreiben. Wenn man die Ängste der Russen nicht verstehen will, der kann auch nicht neutral über strategische Kriegsspiele urteilen und wenn wir die Welt betrachten, dann sind es doch die USA/NATO die Krieg und Verderben in die Welt bringen und die unterdrückten und gemordeten Völker noch als gefährlich einstufen um eine Überfall und die Vernichtung zu rechtfertigen. Ich hätte mir hier eine neutrale Beurteilung weltgeschichtlicher Dimensionen gewünscht aber manche sind halt unfähig und verbissen russlandfeindlich eingestellt. Wir brauchen solche Berichterstattung nicht, die den Hass eines Journalisten dokumentiert.

  • Eine 1000 Jahre alte Zusammenarbeit verbindet uns mit Russland. Und weitere 1000 Jahre werden wir Deutsche den russischen Markt bedienen. Unsere Kinder und Kindeskinder und deren Kinder werden es tun, wenn sie erwachsen und gut ausgebildet sind. Uns verbindet auch eine menschliche Komponente, die es gilt immer wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Wir mögen die russische Seele, haben wir doch in der Kunst und der Musik großes zu bieten und dem anderen durch Aufführungen zu schenken. Das offene Gespräch untereinander in Politik und Wirtschaft war und ist immer mit den Russen möglich gewesen. Angst und Mißtrauen müssen zwischen diesen beiden großen Völkern weichen. Von allen europäischen Völkern hat Russland zu uns das größte Vertrauen. Darum sollten wir in offenen Gesprächen mit unserem großen Nachbarn die ursprünglich existierenden Vorbehalte abbauen und mit klarer Offenheit auf Rußland zugehen. Es ist neben allen Anderem unser Zukunftsmarkt.
    Alles andere Geschwätz ist kontraproduktiv.

  • @Austin:
    Ihre Feststellung: Zitat"...US-Amerikaner dann 4,4% ausgeben ist eindeutig aus dem "Nichthandeln" Europas abzuleiten" ist offensichtlich nicht zutreffend und irreführend. Die Amerikaner geben Billionen $ für Rüstung deshalb aus, weil sie ihre eigene Macht sichern wollen. Leider sind diese $ nur geborgt, nicht durch Export oder Sparen erzeugt!
    Über kurz oder lang ist diese Form der Rüstungsfinanzierung zu Ende, weil niemand mehr wertloses grün bedrucktes Papier als Bezahlung für Lieferungen und Leistungen entgegen nimmt. Danach steht der amerikanische Wagen (dem die Russen und Chinesen schon ein Rad abmontiert haben, weil der schon soviele Fussgänger umgefahren hat! Achtung: dies ist eine diplomatische Umschreibung) komplett still! Kein Geld für Sprit und das in einem Land, wo die Entfernungen ziemlich gross sind. Ergo: Aus die Maus! Zurück zum Pferd und Kuhjungen!

  • Der ewige kalte Krieger Josef Joffe, nicht genug das er bei der Zeit hetz-Artikel verbreiten darf, darf er auch hier seinen geistigen Abfall publizieren.

  • @ Austin – Wie koennen Sie denn nur so naiv sein. Es geht um knallharte wirtschaftliche, militaerische und politische Machtinteressen. Die Amerikaner werden uns nicht selbstlos schuetzen, sie schuetzen ihren Machtbereich. In den letzten Jahren haben wir viele Stoermanoever gesehen, die eine Annaeherung zwischen Russland und Deutschland verhindern sollten. Auch Putin koennen wir nicht bededingunslos vertrauen. Wir muessen eiskalt analysieren und zu unserem besten verhandeln. Wir muessen unser EIGENES INTERESSE erkennen und vertreten! Und das heisst miot den Russen sprechen und verhandeln.

  • Eine saubere Argumentation sieht anders aus, Herr Joffe. Die Amerikaner und die Israelis behaupten doch ständig, dass sie eine iranische Atombewaffnung nicht zuließen, und diese mit allen Mitteln, auch einer militärischen Intervention verhindern würden.
    Wie könnte es unter diesen Umständen zu einer atomaren Bedrohung des Iran in Hinblick auf Europa kommen?
    Schon dieser schwerwiegende Fehler in Ihrer Argumentationskette, zeigt deren ganze Hinfälligkeit.
    Die amerikanischen Raketenpläne sind eindeutig gegen Russland gerichtet und das liegt nicht im Interesse Europas.
    Selbstverständlich haben auch die USA weitreichende geostrategische Interessen in Hinblick auf Russland und dessen Bodenschätze. Wir hier in Europa und Deutschland brauchen hingegen gute Beziehungen zu Russland und keine Brandstifter.

  • Der Author dieses Artikels ist nicht nur ein USA Vasal, er ist bewust ein Antieuropaeer.

    Ich wundere mich warum das Handelsblatt ihn als Kommentator zulaesst. Soll er doch seine Ideen als normaler Leser in der Kommentarleiste platzieren - oder ist ein unabhaengiges Europa dem Handelsblatt auch zuwider?

    Das Raketenschild der Amerikaner ist eine Angriffswaffe. Sie soll den Zweitschlag verhindern, und Russland erpressbar machen. Die Amis koennten mit hochpraezisen Waffen den Ueberraschunserstschlag fuehren.

    Russland wird dagegenspielen und daraus wird nichts, ausser, dass mann unter groesserem Zeitdruck ueber Raketendtarts entscheiden werden muss - wer braucht es?

  • Gutmenschen? Realisten! Lächerlich ist nur Ihr paranoischer Kommentar.

  • Die Gutmenschen wieder überall! Auch in Zukunft werden wieder militärische Bedrohungen kommen. Und Europa kann froh sein, dass im Fall der Fälle die Amerikaner dafür einstehen. Wie uns Libyen gezeigt hat, sind die europäischen Militärs so miserabel ausgestattet, dass wir ohne u.a. Munitionsnachschub nicht mal selbst einen Krieg führen können! Deutschland gibt lächerliche 1,4% des BIP fürs Militär aus (NATO Empfehlung 2%) und dass sie US-Amerikaner dann 4,4% ausgeben ist eindeutig aus dem "Nichthandeln" Europas abzuleiten. Und dass die Russen die Raketenabwehr aus eigenen Sicherheitsbedenken ablehnen ist einfach lächerlich und unglaubwürdig!

  • Schon die Einleitung ist fasch.
    Die instalation des Raketenabwehrschirms ist ein riesiger Schritt zurück.

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