Miriam Meckel Netzgemeinde und „externe Welt“ verstehen sich nicht

Die Aufregung rund um die Thesen zum Web 2.0 von Ansgar Heveling hat gezeigt, Netzgemeinde und „externe Welt“ stehen sich unverstanden gegenüber. Miriam Meckel fordert eine dringend notwendige politische Debatte.
  • Miriam Meckel
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Miriam Meckel ist Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen. Quelle: dpa

Miriam Meckel ist Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen.

(Foto: dpa)

Freiheit ist eine Zumutung. Sie ist kompliziert und keineswegs selbstverständlich, und sie bleibt auch nicht von selbst, wenn einst erreicht. Das gilt für das digitale ebenso wie für das analoge Leben. Und ganz besonders für die Meinungsfreiheit. Von der ist auch gedeckt, dass sich Politiker mit von Kenntnis weitgehend ungetrübten Ansichten in martialischer Sprache über mediale Schlachtordnungen äußern und darüber, wie das Netz die bürgerliche Gesellschaft bedrohe. Auch das muss gesagt werden dürfen, ganz im Sinne des immer noch eindrucksvollen Satzes von Rosa Luxemburg: „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“

In Sachen Internet hat man gelegentlich den Eindruck, der Satz gelte nicht mehr. Er sei abgelöst worden durch eine Bush-Doktrin 2.0 fürs Web: Mach keinen Unterschied zwischen einem verirrten Einzelnen und seiner Partei. Mach auch keinen zwischen einer Äußerung und der Plattform, auf der sie stattfindet. Bekämpfe immer beides. Der gelassene Umgang mit geistigem Unsinn wird zur verbissenen Schlammschlacht, der Austausch von Argumenten zur binären Konfrontation. Ich kann nur für oder gegen das Internet sein. Für das Internet zu sein reicht als politisches Programm.

Die Parteien, die sich in dieser Konfrontation gegenüberstehen, sind klar abgegrenzt: auf der einen Seite die Politiker der alten analogen Welt mit ihren Regulierungswünschen und -ansätzen. Auf der anderen Seite die Netzgemeinde, deren Glaubenssätze für die neue digitale Welt inzwischen zuweilen im Wortsinne religiöse Züge annehmen. Das hat durchaus Tradition. John Perry Barlow, einer der frühen Internetaktivisten, hat schon auf dem World Economic Forum in Davos 1996 gesagt: „Regierungen der industrialisierten Welt, ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, lasst uns allein. Ich erkläre den weltweiten Gesellschaftsraum, den wir aufbauen, als unabhängig von der Tyrannei, die ihr uns auferlegen wollt.“

Heute haben wir den weltweiten Gesellschaftsraum, von dem Barlow sprach. Die Regierungen der industrialisierten Welt haben dort wenig zu melden, es sei denn, sie engagieren sich, wie die Volksrepublik China, in der Zensur der Inhalte, um ihre Bürger zu unterdrücken. Das Fundament für diesen Raum sind die Server von Google, Facebook, Amazon. Seine virtuelle Infrastruktur, die unser aller Leben bestimmt, wird in den USA angelegt und betrieben. Von der „Tyrannei“ einiger weniger globaler Konzerne aus den USA, die uns ihre Bedingungen für ein Leben im weltweiten Gesellschaftsraum aufdrücken, ist bislang kein historisches Zitat überliefert.

Es braucht eine Debatte zwischen Netz und externer Welt
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8 Kommentare zu "Miriam Meckel: Netzgemeinde und „externe Welt“ verstehen sich nicht"

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  • Frau Meckel, einiges kann man unterschreiben, manches wiederum in Rauch aufgehen lassen, den propagierten "weltweiten Gesellschaftsraum", sie meinen hier sicherlich den der alles entscheidenden Berge von Bildern, Abbildern, sozusagen von sich selbst. Da kann ich trotz einiger "social books" leider wirklich nur einen ungezügelten Handel erkennen, inklusive allumfassender Werbung, total. Wo wären diese "Hanseln" von "social books", die mehr Einnahmen vorzeigen können als Staaten. Und dann auch noch Beifall klatschen, money talks and free love denen, die sich infolge Nichtbeachtung, verloren vorkommen müssen. Afrika, Asien, da sind die Beispiele zuhauf. Und neuerdings in den USA und auch hier.

    Scheinbar kommen einige Unternehmen ohne Listung auf "social media" nicht mehr klar. Den "volkswirtschaftlichen" Nutzen sollten Sie sich getrost mal gegen den Ruin von kleineren und mittleren Unternehmen, einhergehend mit ständig neuen Meldungen über Betriebsschließungen und in der Folge Arbeitslosen, richtungsweisend annehmen.

    Was eine soziale Gesellschaft in Einklang mit entsprechenden Gesetzen für die Gesamtwirtschaft in 100 Jahren erreichte, hat sich hier eine Kaste auf die Fahne geschrieben, den stufenlosen Rückwärtsgang in die LEIBEIGENSCHAFT anzuwenden.

    Sicherlich klafft eine Lücke zwischen Anwendern und Nutzern und denen die das Internet nur als "Verkaufsplattform" betrachten. Die Weisheit, die früher die katholische Kirche und sonstige gesellschaftsfähige Heerscharen "unter die Gläubigen" verbreitete, da muß man nur den Kirchgang mal wiederholen und sie werden wissen, wo wir sind. Voll daneben, das sagen sogar Protestanten.

    Vom Ursprung des "freien Zugangs" zum www sind wir Welten entfernt. Die Schnelligkeit der Vernetzung in welcher, keinerlei "staatliche" Regulierung vorgesehen war, hat erst die Affinitäten, was der "Mob" alles damit anstellen kann, "Regierende" auf den Plan gerufen. Beispiele "round the world". Und das juckt den WEF "bilderbergisch".

  • Aus welcher Giftecke im Netz haben Sie uns das denn per copy-and-paste beschert?

    Bitte keinen Link, so genau will ich es dann auch nicht wissen; Verquastes gemischt mit Astrologie und miese Ressentiments jedenfalls sind mit Sicherheit keine Werbung für die Piraten...

  • Ja dürfen den Konzerne Überhaupt im Internet auftreten.Ein Konzern mit Ambitionen zu Zensieren im Internet,ist wie eine Armee die den ganzen Freiraum und Öffentlichen Platz für sich haben will und damit die Freiheit des einzelnen stiehlt.

    Was machen die,wenn wir keine Städte und Infrastruktur und Internet wollen.Entweder Freiheit oder ihr könnt euch den Scheiß behalten euer Gefangen-lager im Internet und euer gefangen-Lager Guantanamo eure Freiheits verzerrende Strukturen wie Städte und Straßen und Kommunikation-Straßen zum Internet.Das alles könnt ihr euch behalten und euer Geld.

    Ich setz auf mobile Selbstversorgung,sollte das funzen,könnt ihr mich mal.

    M.f.G

    Habnix

  • 20 Mio. deutsche Bürger sind auf Facebook. Parallelwelten? Vielleicht in einigen Köpfen. Viel wichtiger ist, dass diese Entwicklung und damit verbunden Errungenschaften, wie YouTube, twitter, Wikipedia oder der arabische Frühling bedroht sind. Von ACTA, einem vorbei an demokratischen Prozessen durchgewunkenem Kontrollabkommen, das einst für Copyright stehen sollte. Darüber informiert bereits die ARD: http://www.tagesschau.de/ausland/acta110.html

  • Ich denke man muss sich da etwas aufeinander zubewegen:
    Auf der einen Seite kann es nicht sein, das Kinofilme teilweise schon VOR Premiere in Deutschland im Netz als Raubkopie zu bekommen sind.
    Auf der anderen Seite kann es aber auch nicht sein, dass man für das Herrunterladen eines Films, der bereits mehrere Jahre alt ist(Was durchwegs auch mal aus versehen passieren kann), eine Abmahnung über 1000 Euro erhält.

  • Wenn die Autorin schreibt:
    "Wir müssen uns fragen, wie die digitale Infrastruktur unseres Leben aussehen soll, damit alle Freiheiten gesichert werden, von denen der Einzelne ebenso profitiert wie die Gesellschaft im Ganzen. Sich den Detailfragen der Sicherung von Freiheit im und für das Netz zu widmen ist schon Zumutung genug.",

    hat sie damit vollkommen recht. Allerding ist das ein Punkt, den es bestimmt nicht mit Menschen aus der "externen Welt" zu diskutieren gilt - denn an der Ahnung alteingesessener Dinosaurier zum Thema Internet gibt es wohlberechtigte Zweifel. Wer sich heute selbst zu dieser Masse an Menschen der externen Welt zählt, hat die letzten 20 Jahre wohl sein Bewusstsein abgeschalten - was soll man von so jemandem erwarten? Die Internetgemeinde ist kein Gespenst. So gut wie jeder hat heute eine Email-Adresse, sogar ein recht neues Unternehmen wie Facebook hat 800 Millionen Nutzer.

    Dass das Alter eines Menschen damit nur peripher zu tun hat, sieht man an den vielen älteren Menschen, die sich im Internet tummeln und teilweise dem neuen Medium sehr aufgeschlossen gegenüberstehen.

    Problematisch ist doch die Art, die Regierungen beim Umgang mit dem Internet an den Tag legen - nun wundern sie sich über die Wehrkraft der Nutzer und rufen zur "Demokratischen Diskussion" auf. Nun, da sie drauf und dran sind, den Kürzeren zu ziehen. Der Schluss, dass man es weitgehend mit einem Haufen eingebildeter, arroganter und unwissender Möchtegernführer zu tun hat, die sich ihre Glaubwürdigkeit erst einmal wieder erarbeiten müssen, fällt nicht schwer.

    "Von oben herab" ging in erster Linie nicht von der Netzgemeinde aus, sondern von denen, die geglaubt haben, sie säßen am längeren Hebel.

  • "Die Aufregung rund um die Thesen zum Web 2.0 von Ansgar Heveling hat gezeigt, Netzgemeinde und „externe Welt“ stehen sich unverstanden gegenüber."

    Das kann ich nicht nachvollziehen, klingt in etwa so sinnvoll wie: "Der Fernsehzuschauer und die "externe Welt" stehen sich unverstanden gegenüber."

    Das Internet ist nichts weiter als ein Medium, wenn auch das mächtigste, das jemals erdacht wurde, das in der realen Welt von realen Menschen als reales Werkzeug verwendet wird.

    Das einzige, was Heveling bestätigt hat, ist, daß in der CDU/CSU, der Contentmafia und anderen Teilen der Bevölkerung reaktionäres Gedankengut verbreitet wird.

    Und heuchlerisches obendrein, denn Heveling ist mittlerweile selbst als Urheberrechtsverletzer entlarvt, er hat Teile seiner Webseite gekaudert:
    http://blog.odem.org/2012/01/urheberrechtstrolle.html

    Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche. (F. W. Bernstein)

  • Das Wassermann – Zeitalter.

    Alte Ordnungen lösen sich auf und werden durch andere, höher gelagerte Ordnungen ersetzt werden. Für die Anhänger der alten Ordnung bricht dann immer mehr das Chaos aus, während für die Menschen mit höheren Bewusstsein immer mehr Gerechtigkeit erkennbar wird.

    Das alte, lineare Denken wird durch ein Denken in Ganzheit ersetzt.

    Alles ist mit ALLEM verknüpft und alles beeinflusst alles. Wer denkt, dass er noch durch Raub, Mord und Betrug seinen Wohlstand erlangen kann, wird immer mehr eines Besseren belehrt. Immer mehr wird man nur das essen, was man sich erarbeitet (und nicht geraubt) hat. Im globalen sieht man das anhand der stetig steigenden Misserfolge der Mördernationen (England, Israel und Amiland) und der Erstarkung von rechtschaffenden Nationen wie Deutschland, China, Japan.

    Aber die Vertreter der alten Ordnung wollen mit immer mehr Kontrollen die alte Kontrollfähigkeit wieder herstellen. Aber hier kämpfen sie auf verlorenem Posten. BIG BROTHER rüstet seine Armeen immer mehr auf, aber ein paar Selbstmordattentäter erreichen oft mehr. Vietnam, Afghanistan waren erste Beispiele dafür, dass die Zeit der primitiven Materialschlachten beendet ist.

    Ähnlich im Internet. Hier versucht BIG BROTHER das Volk zu bekämpfen. Aber so wie gewissen arabische Staaten (Tunesien, Ägypten,..) den Kampf gegen das Internet verloren haben (Wiki Leads), so werden auch die Piratennationen den Kampf gegen das Internet verlieren. Die angeblichen Internet-Terroristen sind die führende Elite von morgen. Wie schnell das gehen kann, erkennt man daran, wie schnell in Deutschland die Piraten Partei hoch gekommen ist.

    Dabei ist das alles nur alles ein Vorgeschmack auf die neue Zeit. schon Gorbashow sagte: "Wer zu spät kommt, bestraft das Leben".



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