Nina Chrustschowa Russland rennt im Hamsterrad der Geschichte

Russlands Bodenschätze, Bevölkerung und Staatsgebiet schrumpft. Doch der Kreml reagiert nicht. Präsident Wladimir Putin führt das Land zurück in die Vergangenheit, urteilt die Urenkelin von Nikita Chruschtschow.
  • Nina L. Chruschtschowa
20 Kommentare
Nina Chruschtschowa  ist Senior Fellow am World Policy Institute in New York. Quelle: Pr

Nina Chruschtschowa ist Senior Fellow am World Policy Institute in New York.

(Foto: Pr)

MoskauStrategische Vision war noch nie ein russisches Markenzeichen und auch im Jahr 2012 war davon absolut nichts zu erkennen. Russlands riesiges Territorium scheint seiner Führung weiterhin den Blick für die Notwendigkeit einer Zukunftsplanung zu verstellen. Zudem ist man überzeugt, dass die scheinbar unerschöpflichen Bodenschätze es dem Land ermöglichen, jede Unwägbarkeit zu bewältigen.  

Aus diesem Grund geht Russland stets unvorbereitet in die Zukunft. Ebenso wie die russische Staatsführung es in der Vergangenheit versäumte, sich auf den Fall des Kommunismus vorzubereiten, zeigt die heutige Schwäche der russischen Wirtschaft, dass man auch für die kommenden Jahrzehnte schlecht gerüstet ist, die von erschöpften Ressourcen, schwindenden Bevölkerungszahlen und einem sich verkleinernden Staatsgebiet geprägt sein werden.  

Wladimir Putins diesjährige Rückkehr in das Präsidentenamt markiert einen neuen Tiefpunkt im Hinblick auf eine strategische Vision Russlands. Schließlich ist die Vergangenheit die einzige Zukunft, die Putin für das Land jemals anstrebte.  

Als die Sowjetunion zusammenbrach, verlor der Kreml nicht nur die Kontrolle über riesige Teile des Staatsgebietes, sondern auch die Hälft der beinahe 300 Millionen Einwohner der UdSSR. Seit damals ist die Bevölkerungszahl aufgrund der vor allem unter Männern hohen Sterblichkeitsrate um weitere Millionen Menschen gesunken. Im gleichen Zeitraum wuchs die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von 248 auf über 300 Millionen Menschen.   

Trotz der Forderungen der russischen Öffentlichkeit nach Reformen – von der Modernisierung des Militärs sowie der  heruntergekommen und korrupten Rechtsinstitutionen bis hin zur Diversifizierung einer auf die Ausbeutung von Bodenschätzen und den militärisch-industriellen Komplex konzentrierten Wirtschaft – ist Putin der autokratischen Sache treu geblieben. 

Als Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow sich anschickte, die russischen Streitkräfte zu reformieren – durch verbesserte Ausbildung in modernen Abwehrtechniken, Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerung – wurde er durch den früheren Gouverneur von Moskau und eingefleischten Putin-Anhänger Sergei Schoigu ersetzt, der das veraltete System umgehend wiederbelebte. Sogar die neuen Uniformen der Armee, die mit ihren Schulterklappen im Stil des 18. Jahrhunderts und den Jacken im Weltkriegslook an der Grenze des Komischen vorbeischrammen, beschwören eher die Vergangenheit, als die für moderne Kriegsführung erforderliche Annehmlichkeit und Effizienz zu bieten. 

Putins Anti-Extremismus-Gesetz
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  • @ Vicario
    Uhu, da kam ja jemand aus dem kurzen Weihnachtsurlaub und hat sich gleich an die Arbeit getan: In den Internetforen Propaganda verbreiten - ist es das, was Sie tun müssen, wenn Sie gerade nicht im " Außendienst" sind? (Ich soll doch direkt fragen)
    ...habe Ihre werte Antwort jetzt erst durch Zufall entdeckt. Und danke für den Patrioten, allerdings bin ich weder Russe noch habe ich dort niemals gelebt. Ich mag nur dieses Land und sein Volk, insofern unterscheiden wir uns wie Tag und Nacht...

  • "Bekannte deutschsprachige Professoren an dieser Universität waren Emil Lederer, Hanns Eisler, Wilhelm Reich, Alfred Schütz, Albert Salomon, Karen Horney, Erich Fromm, Karl Löwith, Max Wertheimer, Rudolf Arnheim, Marie Jahoda, Arnold Brecht, Hannah Arendt, Hans José Rehfisch, Eduard Heimann, Adolph Lowe und Hans Jonas. Bekannte Studenten waren beispielsweise Dan Flavin und John Weakland. In Anerkennung der Verdienste, die sich die New School nach 1933 durch die Aufnahme der durch die Nationalsozialisten ins Exil gezwungenen Wissenschaftler erworben hatte, wurde 1962 aus finanziellen Mittel der Bundesrepublik Deutschland die Theodor-Heuss-Professur eingerichtet, die jedes Jahr mit einem prominenten Ethnologen, Philosophen, Psychologen, Soziologen oder Wirtschaftswissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum besetzt wird. Erster Inhaber der Theodor-Heuss-Professur war 1962/63 der Philosoph Helmuth Plessner."

    Muß man dazu noch was sagen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette


  • @ iskun

    Zitat : Sie haben sich doch selbst entlarvt

    Wobei habe ich mich den entlarvt, sie Komiker ?

    Zitat : Man kann sich schon denken mit welchen „Strukturen“ in Russland Sie „beruflich“ zu tun haben.

    Hier sind ihren Fantasien keine Grenzen gesetzt : sie können sich entfalten nach Lust und Laune...! Oder sie gehen den einfachen Weg und fragen einfach nach...?

    Zitat : Russland wird seinen Weg machen

    Mit Sicherheit wird Russland seinen Weg machen, es ist ja auch ein tausendjähriges Reich. Und Russland wird mit Sicherheit den korrumpierten Blender und Ausbeuter des eigenen Volkes "Zar Putin" überleben, genauso wie es Lenin, Stalin, Brezhnev und Jelzin überlebt hat.

    Zitat : Er wird schon dafür Sorge tragen, dass das Land nicht vor die Hunde geht.

    Das tut er mit aller Gewalt : sobald der Dollarpreis wieder unter 50 $ für Barrel Öl ist, ist das Land wieder dort, wo es 1990 war, im A......und solche Pseudo-Patrioten wie sie werden sich wieder freuen, wenn Päckchen aus dem Westen kommen und das Volk euch nicht den Hals umdreht.....

  • Die Äußerungen/Kommentare hier sind ganz typisch für den aktuellen Tiefstand des Diskussionsniveaus in diesem Land. Man beschäftigt sich nicht mit den Argumenten des Verfassers , man beschäftigt sich mit dem Verfasser selbst, unterstellt ihm negative Intentionen, Steuerungen aus dem Hintergrund u.a. Verschwörungstheorien. Auch die angebliche jüdisch-amerikanische Verschwörung fehlt natürlich nicht. Für alle Hasser des Westens hier und Bewunderern von starken Männern ist bestimmt noch eine hübsche Plattenbauwohnung am Rande Moskaus frei. +++
    Zum Thema: Unzweifelhaft ist Rußland kein demokratisches Land. Es war es auch nie. Im Gegensatz zu Gorbatschow hat Putin erkannt, daß die "Revolution von oben" durch Überzeugung zum Scheitern verurteilt ist. Als Machtmensch weiß er auch, daß die Russen noch nie echte Demokratie hatten und bedient sich daher der üblichen Stereotypien der Machtsicherung (Patriotismus, Großmacht,Subversion aus dem Ausland oder durch MInderheiten). Das Putin dem wilden Treiben der Oligarchen unter Jelzin ein Ende setzte, möchte man ihm fast als Verdienst anrechnen, würde er nicht die Oligarchen durch Leute seines Systems ersetzen. Bedauerlicherweise hat er wirklich wenig Zukunftsvisionen, er hat auch keine Antworten auf die Überalterung der Gesellschaft, der Landflucht aus dem immer menschenleerer werdenden Sibirien ins russische Kernland und auf den Umstand, daß Rußlands wirtschaftliche Position im wesentlichen aus dem Verkauf von Rohstoffen beruhtund nicht auf Nachhaltigkeit, geschweige denn Innovation (von wenigen Sparten abgesehen,die dem militärischen Komplex nahestehen).
    Dem Westen mag man wirklich den Rat geben, von dem "Export der Demokratie" Abstand zu nehmen, ebenso von dem Drang , überall die Gestaltungshoheit haben zu wollen.

  • Ja, man vieles in Russland kritisieren und auch Vladimir Putin.
    Es stört mich nur dass mal wieder (!) eine amerikanische Organisation dahinter steht.
    Es waren und sind doch vor allem die USA die immer noch mit aller Macht versuchen Russland einzudämmen und auszugrenzen, was natürlich eine autoritäre Regierung im Land fördert.

    Und die neuen Uniformen kommen nicht von Schoigu sondern noch von Serdjukow ; -)

  • Zitat: "Ich habe beruflich mit Russischen Strukturen zu tun, in deren Nähe sie nicht mal einen Hauch eines Zuganges haben..."
    Sie haben sich doch selbst entlarvt. Man kann sich schon denken mit welchen „Strukturen“ in Russland Sie „beruflich“ zu tun haben. Dieselben Strukturen organisieren rund um die Welt Staatsstreiche und stürzen ganze Regionen in Bürgerkriege. Das nennt sich dann „demokratischer Wandel“ (orangene Revolution, arabischer Frühling u.s.w.) Hier in Internet-Foren mit Dreck nach Putin zu werfen, gehört sicherlich auch zu Ihrem Aufgabenbereich. Sie machen nur Ihren Job… Ich bin fest davon überzeugt, dass Sie als Klempner weniger Schaden anrichten würden, die Geschichte umzugestalten wird Ihnen und Ihren Auftraggebern trotzdem nicht gelingen. Russland wird seinen Weg machen und um das mit den Worten dieser Urenkelin auszudrücken: Das Rad der Geschichte wird seine Manipulierer in den Straßendreck hineinquetschen und ihre Handlager in die Bedeutungslosigkeit schicken. Retten Sie sich, lernen Sie einen richtigen Beruf!
    Russland könnt ihr vergessen, der Zug ist abgefahren! Da hättet ihr zu Jelzin`s Zeit besser aufpassen sollen, dass kein Putin an die Macht kommt. Er wird schon dafür Sorge tragen, dass das Land nicht vor die Hunde geht. Oder wie es in einem beliebten alten russischen Film hieß: „Дырку вам от бублика, а не Россию!“ :-)

  • Tja, der Westen -

    wenn Putin doch wie der besoffene Jelzin wäre und Rußland zur ökonomischen Verwurstung durch die Kombinate des Internationalsozialismus freigeben würde.
    Aber Putin ist nicht so; er schützt schlichtweg die nationalen Interessen Rußlands vor den Macht- und Geldmagiern des Westens, die ihre Ministranten in der City of London und der US-Ostküste haben.
    Das der Westen mit seinen ganzen dunkel glänzenden Nichtregierungsorganisation auf die Dunkle Seite der Macht abgedriftet ist, - das mögen immer mehr Menschen erkennen.
    Erbärmlich diese Urenkelin eines Roten, - im Dienste der internationalsozialistischen Roten!
    Putin gehört zu den bürgerlichen Weißen (Zarentreuen).

  • @aleschua - Gebe dir völlig Recht. Mein Vorfahren waren im Krieg gegen die Osmanen Anfang des letzten Jahrhundert als Griechen und Offiziere in der russischen Armee. Schon damals hat der Westen sein verlogenes Gesicht gezeigt.

  • Immer witzig, wenn der Westen und seine Marionetten Russland 'kritisieren' und die Welt mit ihrer jämmerlichen Propaganda beglücken.

    Nina L. Chruschtschowa ist die Urenkelin von Nikita Chruschtschow -

    ....und ich bin der Ururururururenkel von Platon, Aristotelis, Alexander, Pyrrhos, Alkibiades, Herodot, Thukydides, Aristofanis, Anaxagoras, Sokratis, Anaximenis, Demokrit, Heraklit, Parmenides, Pythagoras, Thales.

    Vorsicht !!! Dmitri Anatoljewitsch Medwedews Mutter ist jüdischen Glaubens. Nicht dass sich Frau Nina L. Chruschtschowa mit ihren ausschweifenden Gedanken des praktizierten Antisemitimus verdächtig macht!

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