Offener Brief der AHK „Markige Worte gegen Griechenland helfen nicht“

Führende deutsche Unternehmer haben sich für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ausgesprochen. Die deutsch-griechische Handelskammer fürchtet um die gute Beziehung der Länder und antwortet mit einem Brief.
  • Michael Maillis, Götz Funck
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Griechenland wehrt sich gegen deutsche Vorwürfe. Quelle: dapd

Griechenland wehrt sich gegen deutsche Vorwürfe.

(Foto: dapd)

Mit einem Offenen Brief an die Präsidenten der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft Hans-Peter Keitel (BDI) und Hans Heinrich Driftmann (DIHK) versucht das Präsidium der deutsch-griechischen Handelskammer die Wogen im Währungsstreit zu glätten. Das Schreiben im Wortlaut:

„Die Deutsch-Griechische Industrie- und Handelskammer verfolgt mit Sorge die derzeitige Entwicklung. Deutschland und Griechenland haben über die Jahrzehnte auf vielen Gebieten sehr enge Verbindungen geknüpft. Deutschland ist Griechenlands wichtigster Wirtschaftspartner mit dem höchsten Anteil am Außenhandel, im Tourismus und den Investitionen. Deutschland trägt den Hauptanteil an den Maßnahmen zur Rettung des Landes. Das erste Goethe-Institut wurde in Athen errichtet und es erteilt jedes Jahr über 50 Prozent aller Sprachdiplome aller Goethe-Institute weltweit. Umso bedauerlicher ist es, dass sich die Beziehungen der beiden Länder in den letzten Wochen so deutlich eingetrübt haben.

Markige Worte, wie sie inzwischen selbst von Wirtschaftsführern in Deutschland verstärkt zu hören sind, und die lautstark einen Austritt Griechenlands aus der Euro Zone befürworten, helfen in der jetzigen Phase ganz sicher nicht. Kühles Denken und Analysieren zeigen schnell, dass endloses Sparen das Land letztendlich nicht auf den Wachstumspfad zurückführen wird. Kein Land hat in der Nachkriegszeit ein so hartes Sparprogramm aufgelegt wie Griechenland. In den letzten drei Jahren ist die Wirtschaft um mehr als 16 Prozent geschrumpft und die Arbeitslosigkeit gleichzeitig auf über 20 Prozent hochgeschnellt.

Auch wenn sie noch nicht ausreichend sein mögen, die einschneidenden Maßnahmen zeigen deutliche Erfolge, wie den Rückgang der Neuverschuldung von 15,5 Prozent des BIP im Jahre 2009 auf etwa neun Prozent in 2011 oder den Anstieg der Exporte um 17 Prozent im letzten Jahr. Dies wird von den Kritikern regelmäßig übersehen. Niemand in Griechenland bezweifelt, dass radikale Strukturreformen notwendig sind. Nur, solche Reformen benötigen Zeit. Europa kann nicht gewinnen, wenn mehr als elf Millionen Einwohner selbst nach einem Austritt aus der Euro-Zone in wirtschaftliches und politisches Chaos versinken und Europa wird in einem solchen Fall schon aus Eigeninteresse nicht teilnahmslos bleiben.

Der Zeitpunkt ist gekommen, wo man über Maßnahmen zur Förderung des Wachstums nachdenken und handeln muss. Dies wird zwar nicht ohne europäische Unterstützung möglich sein. Sie wird jedoch umso geringer ausfallen, je schneller das Land wieder zu Wachstum zurückfindet. Aufrufe zu einem Boykott deutscher Waren und Dienstleistungen auf der einen und der sich wiederholende Hinweise auf den Austritt aus der Euro-Zone als Allheilmittel (für wen eigentlich?) auf der anderen Seite sind ganz sicher nicht die Lösung und nicht im Interesse der Wirtschaft unserer beiden Länder.

Wir wissen die konstruktive Haltung, die der BDI und der DIHK vom Beginn der griechischen Schuldenkrise an eingenommen haben, sehr zu schätzen. Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, dass die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft auch weiterhin zu denjenigen gehören werden, die kein Öl, sondern Wasser ins Feuer gießen. Wir laden Sie ein, mit uns über konkrete Maßnahmen zur Förderung der Wirtschaft Griechenlands nachzudenken. Oberste Priorität hat dabei die Versorgung der Unternehmen mit frischem Geld und die Förderung von Wirtschaftszweigen wie Tourismus, Infrastrukturprojekte und erneuerbare Energien, die unmittelbar zu einem Wirtschaftsaufschwung beitragen werden.“

Michael Maillis, Präsident der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer und Götz Funck, Erster Vizepräsident der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer

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10 Kommentare zu "Offener Brief der AHK: „Markige Worte gegen Griechenland helfen nicht“"

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  • lol hört euch doch mal reden !! is net besser was in der bild steht !! das was ihr vorder oder an vorschlägen bringt kommt für grichenland 15 jahre zu späht !! ihr zählt gerade auf was griechenland gemacht haben hätte sollen vor der euro einfürung!! und was haben sie gemacht ?? milliarden an krediten aufgenommen und wer hat sie ihnen besorgt ach ja der der jetzt wieder am hebel sitzt und das soll was werden !? wenn deutsche firmenbosse sagen das beste für griechenland ist der austritt aus der eurozone dann ist das das beste für grichenland?? warum weil sie die wirtschaft lenken!! aber unsere anwälte und physik professoren die uns regieren behaupten da ja gerne was anderes ;-) !!

    und was machen unsere anwälte die geben einem land heute kredit aber dieses land kann heute schon nicht einmal die zinsen für die alten kredite bezahlen nur wie will es das dann in 2,5,7,10 jahre?!
    16 prozent is die wirtschaft geschrumpft in den letzten 3 jahren und das ohne das irgend ein spaarpaket geschnürt wurde !!
    mit den spaarpaketen schaffen die das nochmal aber brauchen nur 1 jahr dafür!! die wirtschaft ist am ende dem land würde ein schuldenschnitt von 100% warscheinlich netmal mehr helfen!! so sieht doch die realität aus !!

  • Mir ist immernoch ersichtlich wieviele Menschen auf die Propaganda der Bildzeitung wert legen.
    Dem Normalbürger in Griechenland, ist es egal ob der Staat pleite geht. Sie sehen die Schuld bei den Behörden und beim Staatsapparat. Jetzt leiden alle unter dieser Krise auch die die immer fleißig ihre Steuern bezahlt haben.
    Europa will nicht, dass ein Euro-Staat pleite geht. Das ist im Eurokonzept nicht vorgesehen.
    Die Bürger bevorzugen es dass die Staatbediensteten ihre Arbeit verlieren als sie selbst.
    Da kommt Europa und Deutschland und spielen den Retter. Ist doch klar, dass die dort Hass schüren. Genauso wie hier in Deutschland der Fokus und die Bild Hass schüren.
    Der deutsche Normalo sollte sich auch mal in den Kopf setzen, dass wenn man Geld gibt, es noch lange nicht heisst, dass man Menschen besitzt.

  • Was in Europa in bezug auf Greichenland passiert ist eine Hexenjagd sondergleichen. Statt das Land komplett kaputt zu sparen sollte man über einen sauberen Schuldenschnitt nachdenken. Weiter sparen wird nicht helfen, so wird die Binnenkonjunktur abgewürgt, eine Spirale der Einkommensausfälle, Konsumausfälle, Betriebspleiten mit den daraus verbundenen Einkommenausfällen etc generiert, die nur in der totalen Pleite enden kann. Lieber retten was zu retten ist: eine funktionierende Wirtschaft, die nur etwas umgekrempelt werden muss.

  • Ein gut strukturiertes und finanziertes Investititionsprogramm - ein europäischer Marschallplan - für den wirtschaftlichen Aufbau der griechischen Wirtschaft würde uns allen helfen. Dabei müssten natürlich auch die wohl stark verkrusteten bürokratischen Strukturen zu Gunsten marktwirtschaftlicher Strukturen aufgebrochen werden - denn ohne wirtschaftliche Perspektiven für die Griechen selbst gelänge schließlich nichts.

  • Die Illusionisten sehen wir an allen Ecken und Enden zu Werke gehen um ihre Pappkameraden aufzustellen und ihre gemalten Landschaften und Bergen und in diese visualisierten giechischen Landschaften werden dann solarindustrielle Träume verpflanzt und es wird suggeriert der Strom fließt durch die Luft nach Mitteleuropa . Herrlich und von einer Naivität sondersgleichen... Aber eigendlich sind alle pleite wie Solar Millenium.

  • Lieber Herr Maillis, vielleicht sollten Sie Ihrer politischen Elite klar machen, dass grade die Deutschen es als ungehörig empfinden, wenn sie das griechische Volk gegen uns emotionalisiert, indem sie mit dem Finger auf uns zeigt, um vom eigenen Fehlverhalten abzulenken!

  • Nun ja was soll die deutsch-griechische Handelkammer denn auch anderes schrieben als das, was sie in gedämpftem Ton moderat und leidenschaftslos zum besten gibt. Pflaster und sedierende Mittel. Eben das Übliche und schon oft Gehörte. Eine eingehende Analyse aller Umstände und eine Beleutung und Begründung wie es zu der unglaublichen Verschärfung der derzeit zu verzeichnenden Krise kommen konnte, fehlen vollständig. Man beschränkt sich auf eine Art Appel. Es wird sediert, geglättet verharmlost. So wird es nicht gehen und diese Vorgehensweise wird auch nicht zu den Resultaten führen, die man sich erhofft. Man verstärkt Illusionen in einem Illusiostheater und baut Kulissen wie potemkinsche Dörfer. Nicht mehr nicht weniger.

  • Säufer und Wirt einigen sich darauf, dass Unbeteiligte die Zeche zahlen.
    Die schöne Bedingung:
    Der Säufer muss versprechen, künftig trocken zu bleiben. Das ist dann die Voraussetzung für weitere Lokalrunden.
    Statt Säufer und Wirt können Sie - lieber Leser -auch Junkie und Dealer schreiben.
    Nun beweisen die Dealer Feinsinn: Man solle ihren besten Kunden ja nicht mit markigen Worten verstimmen ...

  • Jetzt kommen weitere Durchhalteparolen. Sieht Euch warm an, Deutsche! Ihr zahlt bis zum St. Nimmerleinstag.

    Aber: Das griechische Volk wird meutern, wenn es keine Kohle geschenkt kriegt. Nur den Gürtel enger schnallen für die Reichen und die Banken? Das ist lächerlich!

  • Stimmt; besser: "Speak softly and carry a big stick."

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