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Prüfers Kolumne Ab 75.000 Euro Jahresgehalt stagniert das Glück

Manager stehen für ihre oft exorbitanten Gehälter in der Kritik. Ein Trost: Geld macht nur bis zu einem bestimmten Niveau kontinuierlich glücklicher.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich habe in „Fast Company“ gelesen, dass Bob Iger, CEO von Disney, im Jahr 2018 eine 80-prozentige Gehaltserhöhung bekommen hat. Ich finde das bemerkenswert. Gehaltserhöhungen in dieser Größenordnung gibt es ja nicht oft. Wenn unsereins eine Gehaltserhöhung im zweistelligen Prozentbereich haben möchte, wird man für gewöhnlich zum Arzt geschickt. Das aktuelle Gehalt von Iger beträgt 65,6 Millionen Dollar.

Er erntet für dieses Gehalt auch jede Menge Kritik, denn er verdient laut einer neuerlichen Studie damit 1424-mal so viel wie der Disney-Mitarbeiter im Durchschnitt. Die Filmemacherin und Disney-Erbin Abigail Disney, nannte das Gehalt, „insane“, wahnsinnig, und sagte, solche Summen würden einen zersetzenden Effekt auf die Gesellschaft haben.

Ich frage mich manchmal, wie solche Gehälter festgelegt werden. Vermutlich spielen Zielvereinbarungen eine Rolle. Aber ob solche Ziele erreicht werden, hängt ja von vielen, vielen Faktoren ab, die man zum Teil nur schlecht beeinflussen kann. Hat man dann trotzdem das Gefühl, dass man dieses Gehalt auch wirklich ständig wert ist?

Mal davon ausgegangen, dass jemand wie Iger jeden Tag im Leben zwölf Stunden arbeitet, dann kostet eine Iger-Stunde etwa 15.000 Dollar. Eine Iger-Minute 250 Dollar, also etwa 225 Euro. Es wäre für mich schwer, jede Minute etwas zu tun, was 225 Euro wert ist. Schon allein solche 225 Euro aus dem Bankautomaten herauszuholen kostet eine Minute. Hat man das mal getan, dann müsste man in der nächsten Minute also etwas tun, was 450 Euro wert ist.

Schon allein ein kurzer Gang auf die Toilette dürfte mit fünf Minuten zu Buche schlagen. Sobald man also vom Klo kommt, muss man in der nächsten Minute etwas machen, das 1125 Euro wert ist. Das wäre für jemanden wie mich einfach zu viel Stress. Ich würde mich nicht mehr trauen, auf die Toilette zu gehen.

Ich habe mal gehört, dass das Managerleben trotz der hohen Verdienstsummen auch frustrierend sein kann. Man macht zwar viel Geld, aber man muss dafür auch tatsächlich arbeiten. Und man hat bei all dieser Arbeit trotzdem keine Chance, wirklich in den Klub der Supersuperreichen vorzudringen. Für jene, denen die Konzerne gehören, ist man auch als Millionen-Mann nur ein kleiner Arbeiter, einer der nicht dazugehört zur Welt der wirklich Wohlhabenden.

Es wird allerdings auch immer wieder angemerkt, Geld mache nur bis zu einem bestimmten Niveau kontinuierlich glücklicher. Ich glaube, ab einem Gehalt von 75.000 Dollar sind die Glückssteigerungen durch mehr Gehalt nur noch marginal. Deshalb braucht man auch gar nicht so viel mehr verdienen. Damit ist Iger schon jetzt 65.525.000 Dollar über seinem persönlichen Glückshigh.

Es muss eine frustrierende Erfahrung sein, mit all der Kohle umgehen zu müssen, die überhaupt nicht zur persönlichen Glücksvermehrung beiträgt. Ich vermute, die, die ihm diese Gehaltserhöhung gegeben haben, wollten ihm damit etwas signalisieren.

Sie wollten ihm zeigen, dass all die Arbeit, all die Mühen, die er in seine persönliche Karriere gesteckt hat, letztlich hinfällig sind, wenn er nicht lernt, auf andere Weise glücklich zu werden. Ein echtes Disney-Märchen.

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1 Kommentar zu "Prüfers Kolumne: Ab 75.000 Euro Jahresgehalt stagniert das Glück"

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  • Mr. Iger ist Ihnen sicher von Herzen dankbar, dass Sie sich mit seinem Glücksstatus beschäftigen.

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