Prüfers Kolumne Airbnb macht die Menschen sozialer

Jede Wohnung sollte eine Airbnb-Unterkunft sein, dann wären alle Menschen nett zueinander. Doch nicht überall ist das Konzept beliebt.
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Im Urlaub neigen Menschen in der überwiegenden Mehrheit viel eher zu sozialem als zu asozialem Verhalten. Quelle: dpa
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Im Urlaub neigen Menschen in der überwiegenden Mehrheit viel eher zu sozialem als zu asozialem Verhalten.

(Foto: dpa)

Ich habe gelesen, dass der Chef von Airbnb, Brian Chesky, gesagt habe: „Ohne, dass der Mensch grundsätzlich gut wäre, könnte Airbnb nicht funktionieren.“ Schließlich würde Airbnb bedeuten, dass man gänzlich fremde Menschen in seinen privaten Wohnraum einlassen müsse.

Man muss darauf vertrauen, dass sie nicht randalieren, dass sie nicht die Nachbarn belästigen und nichts mitgehen lassen. Man muss darauf vertrauen, dass die Leute, die bei einem einziehen, gut und pfleglich sind. Wären Menschen grundsätzlich schlecht und würden andere bestehlen und betrügen, wo sie nur könnten, dann gäbe es auf einer Plattform wie Airbnb so viel Scherereien, dass man das Geschäft gar nicht betreiben könnte.

Da musste also erst eine Wohnungsvermietungsplattform aus dem Silicon Valley kommen, um Thomas Hobbes Credo „Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf, kein Mensch“ zu widerlegen. Man könnte es freilich auch für eine beispiellose Anmaßung halten, dass sich nun tatsächlich Internetmilliardäre rühmen, das Wesen des Menschen ergründet zu haben. Man könnte die Aussage ja in der Weise einschränken, als man da sagte: Der Mensch ist grundsätzlich gut, wenn er Urlaub macht und sein Bewertungsprofil nicht versauen möchte.

Tatsächlich neigen Menschen in der überwiegenden Mehrheit viel eher zu sozialem als zu asozialem Verhalten. Es ist viel wahrscheinlicher, dass einem einer einen guten Tag wünscht als einen schlechten Tag. Mit unsozialem Verhalten kommen wir meist nicht weiter.

Und was eine Airbnb-Wohnung angeht, so hat man von unsozialem Verhalten schließlich nichts. In vielen Fällen sind die bei Airbnb offerierten Wohnungen ja auch gar nicht die Privatwohnungen der Leute, sondern Wohnungen, die vor allem dafür hergerichtet wurden, ganzjährig bei Airbnb vermietet zu werden. Denn wenn der Mensch im Urlaub ist, dann zahlt er auch mehr für seine Unterkunft, als wenn man ihn einen regulären Mietvertrag unterschreiben lässt.

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Airbnb-Mieter schreiben nachher nette Bewertungen und beschweren sich nicht, dass die Warmwassertherme wieder repariert werden müsste, man muss sie nicht einmal rausklagen, wenn man die Wohnung wieder für eigene Zwecke verwenden möchte.

Der Airbnb-Mensch, von Airbnb selbst entdeckt, ist in vielerlei Hinsicht dem gemeinen Homo Sapiens weit überlegen. Es wäre zu überlegen, ob die Welt nicht generell zu einem besseren Ort werden würde, wäre jede Wohnung eine Airbnb-Wohnung. Wir wären nett zueinander, würden uns gut benehmen und würden einander allerlei Fünf-Sternchen-Wertungen zuschieben.

Leider wird daraus wohl nichts, denn nicht überall ist der Airbnb-Mensch willkommen. In Berlin etwa, wo es sehr viele Angebote von Airbnb, aber nur wenige auf dem normalen Mietmarkt gab, hat man ein Zweckentfremdungsverbot durchgesetzt. Wer seine Wohnung bei Airbnb vermieten will, braucht nun eine Registrierungsnummer.

Hier sieht man Airbnb als Heuschrecke auf dem Wohnungsmarkt, und es gibt Stadtteile, wo Touristen aus Stickern entgegen gehalten wird: „Berlin hates you.“ Der Mensch ist also dem Menschen kein Wolf. Außer in Berlin.

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