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Prüfers Kolumne Alexa, bring uns auf die dunkle Seite des Mondes

Bringt Jeff Bezos per Sprachassistent die Menschheit unter die Kontrolle Amazons? Nein, aber Verschwörungstheorien sind derzeit gefährlich en vogue.
02.07.2020 - 19:59 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.


Es wird nun viel beklagt, dass das Gerät Amazon Echo, das zigmillionenfach in Haushalten auf der ganzen Welt steht, öfter bei Gesprächen lauscht, als es müsste. Im Grunde sollte der Sprachassistent nur aktiv werden, wenn er mit einem Codewort angesprochen wird. Laut Umfragen nutzt knapp ein Drittel der Deutschen einen Sprachassistenten wie Alexa, Google Assistant oder Siri.

In jedem zweiten Haushalt mit vier oder mehr Personen steht so ein Ding, las ich neulich in der „Süddeutschen Zeitung“. Wie nun Forscher der Ruhr-Universität herausgefunden haben, schaltet sich das Ding aber auch an, wenn im Fernsehen ein Satz wie „Edward Snowden hat ja so recht!“ fällt. Anderen Recherchen zufolge hörten Alexa und andere Sprachassistenten manchmal auch zu, wenn Menschen Sex hatten oder mit ihrem Arzt telefonierten.

Der Grund ist angeblich, dass zu viele Wörter ein bisschen ähnlich klingen wie die Codeworte, welche die Apparate aktivieren. Alexa hört also Intimes mit und hat den Eindruck, sie wäre gemeint. Das ist schon sehr erstaunlich.

Ich persönlich habe mich gewundert, warum sich bislang so viele Verschwörungstheorien mit Bill Gates auseinandersetzten und nicht mit Jeff Bezos, dem Amazon-Chef. Bezos hat in jedem zweiten Haushalt einen Lauschapparat stehen, und seit Ausbruch des Virus ist die Amazon-Aktie auf einem Allzeithoch – das ist doch schon nahe an der Weltherrschaft, oder?

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    Verschwörungstheorien sind viel, aber nicht lustig

    Und Jeff Bezos betreibt ein Raumfahrtunternehmen. Ich wundere mich, warum noch niemand behauptet hat, er sei ein außerirdischer Reptilienmensch, der mit in Wohnzimmern platzierten Lautsprechern die westliche Zivilisation hörig machen möchte. Und anschließend mit seinen Raumschiffen zu einem Sklavenmarkt auf der dunklen Seite des Mondes verschiffen will. Das wäre eine Theorie, die keinesfalls verrückter wäre als jene, dass Bill Gates das Virus erfunden hat, um bei der Vergabe eines Impfstoffs die Menschheit zu chippen.

    Allerdings hatten die Forscher auch herausgefunden, dass das von der von Bill Gates gegründeten Firma Microsoft offerierte Assistenzsystem Cortana noch öfter ohne Anlass lauscht als das Amazon-Produkt Alexa. Versuchen also Gates’ Schergen bei Microsoft am Ende, Bezos’ Lauschangriff zu übertrumpfen?

    Bill Gates hat neulich gesagt, er sei sich nicht sicher, wie er sich zu all den Verschwörungstheorien äußern solle, weil alles, was er sage, die Gerüchte weiter befeuern würde. Zuerst habe er darüber lachen wollen, aber es sei zu ernst, weil solche Geschichten die Menschen davon abhalten würden, sich impfen zu lassen. Das ist allerdings wahr.

    So hübsch es auch sein mag, sich Verschwörungsszenarien auszudenken, letztlich hat der Spaß ein Ende, wenn es Leute gibt, die tatsächlich daran glauben wollen. All jene kann ich zumindest beruhigen, was die befürchtete Unterjochung der Menschheit durch den ehemaligen Microsoft-Chef angeht. Wer wie ich mit Microsoft-Schöpfungen wie Dos und Windows groß geworden ist, dem fällt es sehr, sehr schwer, zu glauben, dass ein Versklavungsprogramm, das Bill Gates entworfen hat, nicht abstürzen würde.

    Mehr: Die großen US-Techkonzerne betreiben digitalen Kolonialismus.

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