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Prüfers Kolumne Alle Instagram-Bilder sind auch Bewerbungsfotos

Im Web sieht niemand so aus wie im realen Leben. Das bringt überraschende Momente im Vorstellungsgespräch.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ein Bekannter von mir ist in der Verlegenheit, in seinem Unternehmen immer wieder mal Menschen einstellen zu müssen. Allerdings muss er dafür viele Bewerbungen ansehen. Die Bewerbungen werden heute standardmäßig ohne Bewerbungsfoto eingereicht.

Nun kann mein Bekannter nicht an sich halten und beginnt, all die Leute, die sich bei ihm bewerben, zu googeln und auf Instagram zu suchen. Das führt dann dazu, dass er allerlei Bilder von ihnen findet, die sie bestimmt nicht ihrer Bewerbungsmappe beigefügt hätten.

Was aber immer noch besser ist, als wenn er gar keine Bilder von ihnen findet, denn dann ist er der Meinung, dass sie entweder gar nicht existieren oder aber kein Sozialleben haben oder so ungewöhnlich aussehen, dass sie sehr streng darauf achten, dass sie ja niemals irgendwo fotografiert werden.

In jedem Fall passiert dann genau das, was man eigentlich hatte vermeiden wollen: Der mögliche Arbeitgeber ist hauptsächlich mit dem Äußeren der Bewerber beschäftigt.

Es gibt viele Ratschläge, wie man ein Bewerbungsfoto produzieren sollte. So soll man sich auf dem Foto etwa so kleiden, wie man auch zur Arbeit kommen würde. Also weder übermäßig förmlich noch zu leger. Man soll auf einem Bewerbungsfoto nicht die Arme verschränken, weil das zu „bossy“ aussieht.

Auf einer professionellen Bewerbungs-Beratungsseite fand ich auch diese Tipps: „Partybilder: Sie sind noch ungeeigneter als Schnappschüsse“, und „extreme Frisuren (z. B. ein Irokesenschnitt) werfen beim Personaler meist Fragen auf und senken die Chancen auf ein Bewerbungsgespräch.“

Eigentlich soll ein Bewerbungsfoto also nur deutlich machen, dass man von jemandem keinerlei Überraschungen zu erwarten hat. Es soll einen halt so zeigen, wie man einigermaßen ist.

Bewerbung für cooles Ansehen

Aber wie ist man denn überhaupt so? Seit jeder Mensch in seinem Alltag auf Social Media mit etlichen Filtern agiert, gibt es eigentlich generell kaum noch Bilder, auf denen man so aussieht, wie man eben so aussieht. Moderne Smartphone-Kameras lassen das manchmal auch gar nicht mehr zu. Sie integrieren die Bildbearbeitung gleich in den Schnappschuss.

In letzter Konsequenz sind also alle Bilder, die es von einem im Netz gibt, besser als das Bild, das man von Angesicht zu Angesicht abgibt. So gesehen, sind heute alle Bilder, die man so von sich auf Instagram postet, Bewerbungsfotos.

Man bewirbt sich darum, von seinen Mitmenschen als hinreichend cool angesehen zu werden. Nur hat das Social Web den Vorteil, dass man den meisten Menschen dort niemals in der Realität entgegentreten muss. Dem künftigen Arbeitgeber schon. 

Mein Bekannter berichtete zum Beispiel von einem Bewerber, dem er beim Vorstellungstermin gegenübersaß – und der in der Realität eine völlig andere Nase hatte als auf allen Bildern, die man von ihm auf Social Media finden konnte. Er hatte die Bilder offenbar einfach konsequent mit einer Filtersoftware bearbeitet.

So jemand zeigt zumindest, dass er mit Geld umgehen kann, wenn er, anstatt die eigene Nase zu operieren, einfach alle Bilder operiert, die es von ihm geben könnte. Ein absolutes Einstellungskriterium.

Mehr: Chris Hughes wirft Facebook vor, ein Monopol gebildet zu haben. Auch Präsidentschaftsbewerberin Warren fordert eine Zerschlagung großer Tech-Konzerne.

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