Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Prüfers Kolumne Am Grill: Wo der Mann noch Mann ist

Die Lust am Grillen ist kein archaisches Relikt aus der Steinzeit. Das rituelle Zubereiten von Fleisch über Feuer ist ein Phänomen der Moderne.
Kommentieren
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Neulich las ich einen Artikel über die zweifelhafte Männlichkeit des Grillens. Interessanterweise finden ja die meisten Männer das Grillen männlich. Grillen ist ein stabiler Wachstumsmarkt. Europaweit werden jährlich für mehr als 250 Millionen Euro Grills verkauft. Und meistens werden sie von Männern benutzt.

Männer können für Grills Tausende ausgeben, und sie können mit ihrem angehäuften Grillwissen ihre ganze Umwelt sedieren. Männer haben am liebsten Grills, die möglichst groß sind und über viele Klappen, Hauben und Regler verfügen. Alles in unserer Zeit wird kleiner und mobiler – nur der Grill, der soll wie eine Dampflokomotive sein.

Beim Grillen geht es vor allem um Fleisch. In Beiträgen auf Internetplattformen heißt es, dass der Grillkult eine zentrale Aussage habe: Fleisch und alles, was damit verbunden ist, das Schlachten, das Stückeln, das Grillen, sei Sache der Männer. Demnach ist der sommerliche Grillwahnsinn eines der letzten Überbleibsel des Männlichkeitsgehabes in unserer Gesellschaft.

Der Zauber des Grillens

Das tägliche Kochen, das Versorgen der Familie, das dürften gerne die Frauen besorgen. Aber sobald es um eine rituelle Zubereitung unter freiem Himmel gehe, um blutiges Steak und offenes Feuer, müssten die Männer ran. Offenbar fühlen sich Männer beim Grillen genau am richtigen Platz.

Ein Artikel zitierte die „Forbes“-Autorin Meghan Casserly, die den Zauber des Grillens so erklärte: Grillen gebe Männern die Vorstellung, eine Gefahr zu beherrschen (das Feuer nämlich), man könne dabei mit seinen Freunden herumhängen, Bier trinken und einer Tätigkeit nachgehen, die nicht zu viel Anstrengung verlangt – und nachher müsse man nicht einmal viel sauber machen. Beim Grillen könne man zudem als Mann scheinbar sehr beschäftigt am Feuer entspannen, während alle anderen die wahre Arbeit machen: mit Tellern herumhantieren, Soßen zubereiten und so weiter.

Viele Männer meinen, es sei ein Erbe aus der Steinzeit, dass Männer gerne Fleisch über der Glut mürbe brutzeln lassen. Es lasse sie so fühlen, als hätten sie selbst das Wildbret mit den bloßen Händen erlegt. Dabei ist das Grillen ein modernes Phänomen. In den frühen Wildbeuter-Gesellschaften kümmerten sich meistens die Frauen um die Zubereitung des Fleisches über dem Feuer.

In Südostasien und Mexiko ist das heute noch so. In Wirklichkeit ist Grillen nämlich kein archaisches Verhalten, sondern ein Vorstadtsiedlungs-Gartenterrassen-Phänomen, das in den USA populär wurde. Barbecue wurde in den 50er-Jahren propagiert und sollte den Vater als Oberhaupt der Familie inszenieren, der sich mit der Nahrungszubereitung für seine Liebsten beschäftigt, anstatt etwa in der Kneipe zu sitzen. Der grillende Mann als der Versorger, dessen Attraktivität steigt, je länger er den Burger wendet.

Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum Männer dieser Tage immer öfter am Grill stehen wollen. Vor den glühenden Kohlen ist ihre Welt noch in Ordnung. Dort haben sie einen festen Platz, es gelten männliche Werte, niemand zweifelt ihre Position an. Alles ist gut. Bis zu dem Tag, an dem die Frauen uns die Grillzange aus der Hand nehmen, weil sie keine Lust mehr haben, auf unseren zäh geschmorten Nackensteaks herumzukauen und uns dabei zu loben.

Mehr: Geldbörsen werden offenbar noch zurückgegeben und ehrliches Handeln lohnt sich. Das gilt aber nicht unbedingt für Manager mit hohen Gehältern.

Startseite

Mehr zu: Prüfers Kolumne - Am Grill: Wo der Mann noch Mann ist

0 Kommentare zu "Prüfers Kolumne: Am Grill: Wo der Mann noch Mann ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.