Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Prüfers Kolumne Arbeitgeber sollten schlafende Mitarbeiter loben

Wer im Job ruht, stellt seine Arbeitsfähigkeit wieder her. Doch pausenlos zu arbeiten scheint in deutschen Unternehmen kein Problem darzustellen.
Kommentieren
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Die Pause ist in Deutschland traditionell der Feind des Arbeitgebers. Die gesetzliche Mindestpausenzeit in Deutschland beträgt eine halbe Stunde für einen sechsstündigen Arbeitstag. Die Pause zählt dabei nicht einmal zur Arbeitszeit.

Wenn der Arbeitnehmer während der Pause das Betriebsgelände verlässt, tut er dies auf eigene Gefahr. Fällt ihm in dieser Zeit ein Klavier auf den Kopf, ist er nicht über seinen Arbeitgeber versichert. Er war ja in der Pause.

Um Pausenzeiten wird mitunter erbittert gestritten. Zuletzt gab ein Gericht einem Angestellten recht, der geklagt hatte, weil er es übertrieben fand, dass ihn sein Arbeitgeber nach rund 20 Jahren gekündigt hatte, weil er ihn zweimal vor Beginn der offiziellen Pausenzeit beim Nickerchen im Pausenraum erwischt hatte. Der Arbeitgeber fühlte sich um die Arbeitszeit betrogen.

Berücksichtigt man aber die Erkenntnisse der Wissenschaft, sollten Arbeitgeber schlafende Arbeitnehmer eher loben als abmahnen. Denn wer im Job ruht, stellt seine Arbeitsfähigkeit wieder her, um danach wieder konzentriert weiterarbeiten zu können.

Tatsächlich sind Pausen dringend notwendig, um die Arbeitskraft zu erhalten. Wer keine Pausen macht, macht eher Fehler, verliert die Konzentration, verringert seine Möglichkeiten zur Regeneration.

Bei Fernfahrern weiß man das, wenn es allerdings um Büroarbeit geht, ist die Sorge um die Konzentration weitaus geringer. Man kann ja nicht einen Bus, höchstens eine Firma an die Wand fahren. Wenn Arbeitnehmer ihre Konzentrationsfähigkeit auf andere Weise gefährden, etwa indem sie Cannabis rauchen, finden Arbeitgeber das durchaus unangebracht. Pausenlos zu arbeiten scheint dagegen überhaupt kein Problem zu sein.

In deutschen Firmen herrscht eine Kultur vor, die Pause möglichst unter den Tisch fallen zu lassen. Die wenigsten jüngeren Unternehmen richten noch Pausenräume ein. Man nimmt schnell einen Salat in der Plastikschale an den Platz, wo man ihn, Soße versprühend, in sich hineinschaufelt und gleichzeitig E-Mails liest, damit man bloß nicht das Gefühl hat, sich zu sehr Zeit zu nehmen.

Wofür eigentlich? Für nichts. Nichts Wichtiges. Das nämlich ist genau das, womit man eine Pause verbringen sollte.

Tatsächlich sollte man viel öfter Pause machen, wenn man was leisten will. Der Psychologe Karl Anders Ericsson will herausgefunden haben, wie Menschen arbeiten, die Höchstleistungen erbringen. Bei denen kommt es nicht nur darauf an, wie viel sie schuften, sondern auch, wie sie sich die Arbeit einteilen.

Sie fangen morgens an, wenn das Gehirn ausgeruht ist – und pausieren alle 90 Minuten. Kurzes Pausieren reicht, bei längeren Pausen nimmt der Erholungseffekt ab. Wissenschaftler sagen, dass im Entspannungszustand im Gehirn die Alphawellen aktiv werden, die auch dafür sorgen, dass man unverhofft auf kreative Einfälle kommt, die im angespannten Zustand unterdrückt werden.

Nicht auszudenken, welche Innovationskräfte in Deutschland frei würden, würde man öfter mal Pause machen. Zum Entspannen reicht es übrigens angeblich schon aus, länger auf eine Fototapete zu gucken. Leider findet man solche in deutschen Unternehmen auch immer seltener.

Mehr: Die Grummler im Büro haben nichts gegen neue Ideen ihrer Kollegen. Meist sind sie gegen Innovationen, weil nicht sie selbst darauf gekommen sind, meint Tillmann Prüfer.

Startseite

Mehr zu: Prüfers Kolumne - Arbeitgeber sollten schlafende Mitarbeiter loben

0 Kommentare zu "Prüfers Kolumne: Arbeitgeber sollten schlafende Mitarbeiter loben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote