Prüfers Kolumne Beim Thema Bitcoin herrscht oft analoge Ignoranz

Die Bitcoin-Technologie ist zehn Jahre alt geworden. Nicht jeder dürfte die Technologie verstanden haben. Ist es dennoch Zeit, Bitcoins zu kaufen?
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Die Bitcoin-Technologie ist inzwischen zehn Jahre alt. Quelle: picture alliance / fStop
Bitcoins

Die Bitcoin-Technologie ist inzwischen zehn Jahre alt.

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Die Bitcoin-Technologie, habe ich gelesen, ist zehn Jahre alt geworden. Es ist also das erste Mal, dass eine Technik, die zu meinen Lebzeiten entwickelt wurde und von der alle sprechen, einen zehnten Geburtstag feiert, ohne, dass ich verstanden habe, worum es eigentlich geht. Also ein bisschen weiß ich natürlich schon.

Ich kann mein Wissen über Bitcoins hier gerne kurz referieren. Bitcoin ist ein digitales Zahlungsmittel, das, anders als herkömmliche Zahlungsmittel, nicht von einer Notenbank herausgegeben, sondern dezentral im Internet produziert wird. Hinter Bitcoins steht die Blockchain-Technologie. Sollte ich in Bitcoins investieren? Hätte ich sollen?

Irgendwie glaube ich, dass Bitcoins vor allem Spekulationsobjekte sind. Es steckt ja kein Gegenwert dahinter, wie das bei einer Notenbank der Fall ist. Es ist eine unregulierte Währung für Leute, die auf die Zukunft wetten möchten. Und auf die Zukunft wette ich äußerst ungern.

Vor einem Jahr kostete ein Bitcoin etwa 5.300 Euro, etwa so viel wie heute, zwischenzeitlich war er aber 15.000 Euro wert. Ich glaube, diese Währung hätte mich überfordert. Hätte ich Bitcoins, hätte ich innerhalb eines Jahres unheimlich viel Geld gewonnen und sehr viel Geld wieder verloren, ohne irgendetwas gemacht zu haben. Das scheint für die heutige Zeit normal zu sein, aber ich würde den Stress nicht aushalten.

Ich bin eher von gestern, was neue Technologien angeht. Das war ich aber schon immer.

In der Zeit zur Jahrtausendwende, als das Börsensegment „Der Neue Markt“ in Mode war und sich alle mit Aktien von Tec-Start-ups eindeckten, kaufte ich kein einziges Papier. Als der Neue Markt dann zusammenbrach, war ich irgendwie ganz zufrieden. Die Zukunft war abgeblasen worden, und ich hatte nicht auf die gesetzt.

Ich bin eine der wenigen lebenden Personen, die sich an die Zeit vor dem Internet erinnern können. Ich kann mich vor allen Dingen an die ersten Gespräche über das Internet erinnern, ich hatte durchaus eine Meinung dazu. Jemand fragte mich, was ich vom „World Wide Web“ hielte, das war Mitte der Neunzigerjahre.

Ich meinte, dass es ein absoluter Hype sei zu glauben, dass ein Wirtschaftswunder daraus entstehe, dass man ein paar Computer miteinander vernetze. Als ich später einmal von einer kleinen Firma namens Google hörte, sagte ich, dass man schlichtweg kein Geld mit einer Firma verdienen könne, die eine Leistung wie eine Suchmaschine anbiete, ohne dafür Gebühren zu erheben.

Dann redeten alle vom Buchhändler Amazon. Ich erkläre, dass es sich überhaupt nicht rechnen würde, große Lager von Büchern zu horten, um sie in alle Welt zu verschicken. Ich prophezeite jedem, der es wissen wollte, dass eine Aktie von Amazon ein Fehlkauf sei.

Mein einziges Glück ist, dass es damals noch kein Twitter gab, so konnte ich meine Fehlprognosen wenigstens nicht über Social Media verbreiten, sodass man sie dort heute noch finden könnte.

Meine Ignoranz war gottlob relativ analog. Nach allem, was ich über mich weiß, sollte ich wohl ein paar Bitcoins kaufen. Aber fragen Sie mich in zehn Jahren noch mal.

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