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Prüfers Kolumne Das deutsche Einhorn ist ein Eichhörnchen

Die Deutschen vergraben mehr Nüsse als je zuvor – metaphorisch gesprochen. Die Sparquote liegt auf Rekordniveau. Warum sind wir solche Eichhörnchen?
07.11.2020 - 11:12 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

So sehr ich mich auch bemühe, es gelingt mir nicht, ordentlich zu sparen. Dabei wird in Deutschland wieder gespart wie nie, habe ich gelesen. Das meldet jedenfalls der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. Einer Umfrage zufolge haben 41 Prozent in den vergangenen Monaten ihre Konsumausgaben eingeschränkt, jeder Dritte hat sein Sparverhalten verändert. Auch das Statistische Bundesamt weist eine deutlich gestiegene Sparquote aus: Im zweiten Quartal 2020 lag sie bei 20,1 Prozent. Davor war sie zwischen neun und elf Prozent. Das bedeutet, dass die Deutschen ein Fünftel ihres Einkommens unter die Matratze legen. Es ist laut „Welt am Sonntag“ die höchste Sparquote überhaupt. Der bisherige Sparrekord wurde 1991 und 1992 mit jeweils 12,9 Prozent gemessen.

Natürlich liegt das auch daran, dass die Deutschen im Frühjahr nicht so viel Gelegenheiten hatten, Geld auszugeben. Sie konnten kaum in den Urlaub fahren, keine großen Feiern veranstalten. Man konnte sein Geld nicht einmal am Kneipentresen versaufen. Doch das Sparen ist eng mit der deutschen Geschichte verbunden. Es kommt aus den frühen Jahren der Arbeiterbewegung. Es war eine Idee, der Verelendung der unteren Gesellschaftsschichten vorzubeugen und die unzufriedenen, rebellischen Proletarier einzuhegen. Ein Arbeiter, der spart, so die Überlegung, legt eher nicht seinen Betrieb in Schutt und Asche. Wer ein Sparkonto hat, der fackelt nicht die Bank ab. Es wurde damals gerne auf Vorbilder aus der Natur verwiesen: Das Eichhörnchen etwa, das Vorräte anlege, um damit über den Winter zu kommen.

Dass wir Sparen als tugendhaft empfinden, ist also tief in unsere Psyche eingegraben wie die Nüsse eines Eichhörnchens im Waldboden. Je schwieriger die Lage, desto mehr spart der Deutsche – auch wenn es angesagt wäre, die Wirtschaft anzukurbeln, damit das Geld Erträge erzielt. Nun klagen Anlageexperten seit Jahrzehnten, dass sich die Deutschen mit all ihrer Sparerei keinen Gefallen tun. Sie sollten ihr Geld lieber in Aktien investieren, anstatt es in Sparverträgen zu vergraben. Zumal die Zinspolitik geeignet ist, die Rücklagen von Sparern eher aufzufressen als zu mehren. Was ja mit den Rücklagen des Eichhörnchen übrigens auch passiert. Viele der verbuddelten Nüsse findet es nicht wieder.

Ich habe neulich gelesen, dass Eichhörnchen ungemein unverträgliche Tiere sind. Sie mögen einander nicht, verbeißen einander ständig aus ihren Revieren. Sogar Männchen und Weibchen schaffen höchstens mal ein paar Momente der Zweisamkeit zwecks Paarung, bevor sie sich sofort wieder streiten. Ich muss sagen, ich bin ganz zufrieden damit, kein Eichhörnchen zu sein. Auch wenn es bedeutet, dass ich ständig pleite bin.

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