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Prüfers Kolumne Das Homeoffice bringt Entschleunigung – und seltsame Gerüche

Mit dem neuerlichen Lockdown ist auch das Homeoffice wieder gefragt. Dadurch kommt es erneut zu langsamerem Internet – und unangenehmen Gerüchen.
28.12.2020 - 12:27 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich bleibe also zu Hause. Es wurde ja viel darüber geschrieben, wie man das eigene Zuhause in den vergangenen Wochen schätzen gelernt hat. Menschen, die zuvor immer auf Reisen gewesen sind und die ganze Zeit gestresst davon waren, konnten nun endlich mal entdecken, wie schön der Blick aus dem eigenen Küchenfenster ist.

Natürlich fallen einem auch immer wieder mal Nachteile des Homeoffice auf. Zum Beispiel, dass die Qualität der Internetverbindung zu Hause beträchtlich abnimmt, wenn alle anderen auch Homeoffice machen und aus den Küchenfenstern gucken. Dabei kommt man endlich mal zur herbeigesehnten Entschleunigung.

Im Homeoffice hat man auch endlich nicht mehr das Problem, dass man während der Arbeitszeit von seinen lieben Familienmitgliedern getrennt sein muss. Man kann also mit seinem Chef diskutieren, ob man eine bestimmte Arbeit machen muss – und gleichzeitig mit dem eigenen Kind, ob es eine bestimmte Hausaufgabe machen muss. Meistens macht man dann beide.

Je mehr Zeit man im Homeoffice verbringt, desto weniger versteht man, warum eigentlich irgendwann mal Büros gebaut worden sind. Wobei: Mir persönlich ist neulich wieder ein Grund eingefallen. In Bürogebäuden hat man nicht so schnell mit Verwesungsgerüchen zu tun. In meinem Homeoffice schon.

Ich wohne in einem Altbau – und in Altbauten, so weiß man, soll es ja immer wieder zu unangenehmen Überraschungen kommen. Entsprechend ging es mir, als ich während eines Zoom-Meetings einen seltsam stockigen Geruch vernahm. Ich hatte das Gefühl, der Gestank käme aus der Wand. Ich dachte an eine verwesende Ratte in Gemäuer – oder so. Oder an irgendein Tier, einen Waschbären vielleicht, der sich in einem Kabelschacht verlaufen hat.

Wenn man einmal schlechten Geruch wahrgenommen hat, fällt es schwer, ihn zu ignorieren. Vor allem, wenn man im Lockdown ist. Ich erwog die Möglichkeit, dass ein Abwasserrohr leckte. Ich rief einen Klempner an, der mir sagte, ich solle warten, bis sich irgendwo nasse Flecken zeigten. Es zeigten sich keine.

Ich erwog, Duftbäumchen zu kaufen. Ich habe in Psychothrillern gesehen, dass Mörder so die Verwesungsgerüche der Ermordeten überdecken. Letztlich habe ich dann doch lieber ein Räuchermännchen aufgestellt. Das Räuchermännchen musste im Akkord arbeiten.

Jetzt, nach zwei Wochen, rieche ich es weniger. Ich weiß aber nicht, ob das nur daher kommt, dass ich mich einfach daran gewöhnt habe – während die Verwesung sich schon in meine Kleidung eingesogen hat. Unter diesen Umständen weiß ich gar nicht, ob ich mir ein Ende des Lockdowns überhaupt wünschen soll. Wenn ich die Wohnung verlasse, werden die Menschen denken, ich wäre ein Untoter. Bei Nachbarn im Haus, so habe ich gehört, wird eine Katze vermisst.

Mehr: Lächeln oder nicht – das ist eine heikle Frage

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