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Prüfers Kolumne Der ewige Nörgler ist ein Problem im Büro

Die Grummler im Büro haben nichts gegen neue Ideen ihrer Kollegen. Meist sind sie gegen Innovationen, weil nicht sie selbst darauf gekommen sind.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Der Nörgler am Arbeitsplatz ist der Albtraum jeder Führungskraft. Da hat man Ideen, die die Welt oder zumindest die Abteilung zu einem besseren Ort machen könnten, hat den Schlüssel zu wichtigen Neuerungen in der Hand – und dann sind da diese Typen, die jeden Vorschlag mit Zynismus und schlechter Stimmung quittieren. Die immer schon wissen, dass dies ein weiterer Fehlschlag sein würde, dass alles, was dabei herauskommen könnte, nur weitere Verwirrung stiftet. Und dass nichts von dem, was gerade vorgeschlagen wurde, überhaupt neu sei. Im Gegenteil – alles schon mal da gewesen, alles schlecht.

Ich habe selbst viel Erfahrung mit solcher Nörgelei gemacht, vor allem, weil ich selbst sehr gern nörgele. Besonders wenn sogenannte Innovationen oder „spannende Ideen“ vorgestellt werden. Denn in meiner Erwartung bedeuten Neuerungen unter Umständen mehr Arbeit. Im Zweifelsfall für mich.

Ich habe jedenfalls wenige spannende Ideen mit Begeisterung vorgetragen bekommen, die weniger Arbeit bedeutet hätten. Vorschläge, die vor allem weniger Arbeit für alle bedeuten, wurden nur selten zum Vortrag gebracht. Aber man hat ja auch eine Waffe dagegen: die des passiven Protests. Des unmerklichen Grummelns und Schnaufens. Des Armeverschränkens und Augenverdrehens.

In der „Wirtschaftswoche“ habe ich eine Einlassung des Kommunikationstrainers Marcus Werner gelesen. Er meint, dass Leute, die „klammheimliches Gemaule“ veranstalten, Opponenten sind, die „sich nicht trauen, klar eine Gegenmeinung zu vertreten“. Ich gehörte demnach erst einmal zur allerschwächsten Gruppe von Gegnern. Nämlich jenen, die man einfach überhören kann. Weil sie nämlich nicht einmal den Mumm haben, ihren Widerstand zu formulieren.

Der Kommunikationstrainer riet, sich stets schnell zu entscheiden, die gemurmelte Gegenmeinung aufzugreifen oder zu ignorieren. Es sei besser, einfach ein Statement vorzutragen und das nicht von anderen Meinungen verwässern zu lassen. Man könne aber auch „mit Neugier das Gesicht in den Gegenwind halten“ und die leisen Nörgler und Grummler zur Gegenrede auffordern. Die müssten dann Farbe bekennen. Das ist unangenehm für Nörgler wie mich, schließlich ist man als Innovationskritiker meist schlecht vorbereitet. Man steht nicht nur als Verhinderer da, man stottert und stolpert auch noch.

In jedem Fall gelte es, meint Werner, die Wortführerschaft zu behalten. Man könne etwa fragen: „Wer in der Runde ist noch der Meinung, die hier geäußert wurde?“ Wenn sich niemand melde, sei klar: Der Grummler steht allein da. Wenn man aber den Nörgler nicht ignorieren könne, aber auch nicht zu Wort kommen lassen wolle, könne man sagen: „Warten Sie noch kurz ab, ich werde gleich Ihre Bedenken zerstreuen können.“ Das tut der Vortragende dann natürlich nie.

Denn der Nörgler nörgelt nicht, weil er inhaltliche Kritik an Details hat. Er nörgelt, weil nicht er es ist, der die tollen Ideen präsentiert, sondern weil er die Ideen der anderen aushalten muss. Die spielen sich auf, machen mit neuen Ideen Karriere, und er muss zusehen. Das ist die narzisstische Kränkung, die ihn nörgeln lässt.

Mehr: Wer einen zehrenden Job hatte, blüht nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben auf. Führungskräfte hingegen verlieren Ansehen und soziale Kontakte.

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