Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Prüfers Kolumne Der letzte Verweigerer von Amazon Prime

Wer kein Abo hat, wartet länger auf sein Paket und kann nicht unbegrenzt Musik und Videos streamen. Doch es gibt Gründe, sich Prime zu verweigern.
1 Kommentar
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich bin der wohl letzte Mensch auf Erden ohne Amazon-Prime-Account. Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe. Denn man muss einem Amazon-Prime-Account aus dem Weg gehen, wie man in Berlin Hundehaufen aus dem Weg gehen muss. Wenn man unbedacht ist, tappt man hinein. Ich weiß gar nicht mal, warum ich partout keinen Amazon-Prime-Account haben will.

Wenn man den nicht hat, wartet man unter Umständen länger auf sein Paket, man kann nicht unbegrenzt Musik und Videos streamen. Und Amazon selbst suggeriert ständig, dass man doof sein muss, wenn man nicht die Prime-Angebote nutzt. Ich musste beim Einkaufen etwa ständig die leuchtenden Schaltflächen, die Gratis-Versand versprachen, vermeiden und stets darauf achten, nur auf versteckte, graue Schaltflächen zu klicken, damit ich den Nicht-prime-, Nicht-gratis-Versand bekam.

Das ist ein bisschen so, als wenn man beim Bäcker sagen müsste, ich möchte bitte das teurere, weniger wohlschmeckende Brot von gestern. Aber ich kann mir nicht helfen: Allein die Art, wie mir Amazon sein Abo ins Gesicht reibt, weckt in mir Abwehrreflexe. Jemandem wie mir muss man das Gefühl geben, ich wäre schlauer und pfiffiger als alle anderen, wenn ich so ein Abo abschließen würde.

Wenn man mir aber suggeriert, es sei das Allerselbstverständlichste, dann halte ich mich fern. Ich muss das betonen: Nur deswegen habe ich keinen Amazon-Prime-Account. Es ist die reine Eitelkeit. Es gäbe nämlich noch etliche weitere Gründe, wie ich auf der Website fastcompany.com lesen konnte: Dort schreibt man unter „why it‘s time to cancel your Amazon prime account“, dass sich im Netz eine Opposition gegen Amazon formiere.

Man berichtet etwa von einer Keramik-Künstlerin, die Amazon so sehr hasst, dass sie jedem eine Tasse schenkt, der ihr einen Screenshot des gelöschten Amazon-Prime-Accounts schickt. Amazon gilt vielen als ein böses Unternehmen, das wächst und wächst – während man sich mit Gewerkschaften um eine bessere Bezahlung von Mitarbeitern streitet. Aber Amazon scheint gar nicht so viel Wert darauf zu legen, beliebt zu sein.

Ich erinnere mich an verzweifelte Imagekampagnen von Facebook, mit denen Mark Zuckerberg das schlechte Image aufbessern wollte. Ich habe nicht das Gefühl, dass ihm das viel gebracht hätte. Immer wieder wurde betont, bei Facebook ginge es darum, Menschen zu verbinden, damit die Welt ein besserer Ort würde. Man nimmt es ihm immer noch nicht ab. Amazon dagegen behauptet erst gar nicht, als eigentlichen Unternehmenszweck die Rettung der Welt zu verfolgen.

Man konzentriert sich lieber darauf, dem Konsumenten klarzumachen, wie er von Amazon profitiert: Portofreie Zustellung und die Möglichkeit, alles an jedem Ort der Welt bekommen zu können. Ich glaube nicht, dass jemand, der Amazon benutzt, glaubt, damit etwas Gutes für den Planeten zu tun. Jedes Produkt, das geliefert wird, fehlt dem lokalen Einzelhändler in der Bilanz.

Man ist Teil dessen und mag sich deshalb selbst nicht. Viel vom Hass auf Amazon ist vielleicht Abneigung gegen einen selbst. Wenn man übrigens „I hate Amazon“ bei Google eingibt, sind die ersten zehn Treffer Produkte, die Amazon anbietet.

Startseite

Mehr zu: Prüfers Kolumne - Der letzte Verweigerer von Amazon Prime

1 Kommentar zu "Prüfers Kolumne: Der letzte Verweigerer von Amazon Prime"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sie sind nicht allein. Nicht nur Amazon Prime nutze ich nicht, ich nutze Amazon überhaupt nicht. Daran denke ich weniger an unseren Planeten (der denkt ja auch nicht an mich), sondern ich kann Jeff Bezos einfach nicht leiden. Der Gedanke, dass er an meiner Person Geld verdient ist mir schier unerträglich. Gleiches gilt für Facebook. Da bin ich auch nicht. Kann Zuckerberg nicht leiden. In diesem Sinne, Friede den Hütten, Krieg den Palästen! :-)

Serviceangebote