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Prüfers Kolumne Die „Generation X“ braucht aktive Babyboomer

„O.K., Boomer“: Wer vor 1970 geboren ist, hat in den sozialen Netzwerken einen schweren Stand. Für die Folge-Generation bedeutet das nervliche Entlastung.
31.10.2020 - 11:15 Uhr 1 Kommentar
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich bin zum Glück kein Babyboomer, das ist ja die Generation, der alles Schlechte vorgeworfen wird. Weil sie so viele sind, fressen sie die ganzen Rentenkassen leer. Außerdem haben sie, so ein häufiger Vorwurf, ihr ganzes Leben in Saus und Braus verbracht und kräftig konsumiert – dabei aber nicht an die kommenden Generationen gedacht. Sie haben angeblich den ganzen Wirtschaftsaufschwung einfach so mitgenommen, sich schnelle Autos, Jachten, Kreuzfahrtschiffe und Atomkraftwerke zugelegt und somit den Planeten für die kommenden Generationen unbrauchbar gemacht.

Und statt sich nun an den Aufräumarbeiten zu beteiligen, sind sie jetzt auch noch beleidigt und meckern an den Jüngeren herum. Sodass es nur ein achselzuckendes „O.K., Boomer“ zu sagen gibt, wenn irgendwer aus der Generation wieder mal meint, dass das mit Gendermainstreaming, Klimaschutz, Maskentragen und so weiter und so fort ja alles übertrieben sei und man doch vor allem die persönliche Freiheit schützen sollte. Dabei waren doch sie es gewesen, die sich auf die Fahne geschrieben hatten, die Welt neu zu erfinden. Stattdessen, so der Vorwurf, klammern sie sich zäh an ihre Sitze im Bundestag und in der Verwaltung.

Ich habe nun in der „Welt am Sonntag“ gelesen, dass diese Annahme so nicht mehr stimmt. Die Babyboomer hätten gar nicht vor, ewig durchzuhalten. Die Mehrheit plant laut einer Studie des Instituts für Arbeitswissenschaft der Bergischen Universität in Wuppertal eine frühe Rente. Sie klammern sich gar nicht an ihre Jobs, sondern wollen sich in ihr Landhaus in der Uckermark verziehen, wenn es die finanziellen Verhältnisse zulassen. Das bedeutet, dass die Boomer möglicherweise bald nicht mehr als Feindbild taugen. Sie schneiden Rosen und überlassen Twitter der „Generation Z“, also jenen, die die „Fridays for Future“-Bewegung tragen und so ziemlich alles kritisieren, was die Babyboomer ihnen hinterlassen haben.

Das kann Leuten wie mir nicht recht sein. Denn dann würde meine Generation, die in den Siebzigern und Achtzigern geborene „Generation X“, zur ältesten aktiven Generation. Bislang waren wir eher als jene bekannt, die Grunge und Techno erfunden haben und die die erste Hälfte des Lebens mit Selbstfindung verbracht haben, um dann die zweite damit zu verbringen, die Suche aufzugeben. Meine Generation war bislang jene, die an nichts schuld war, weil sie ja auch für nichts verantwortlich war. Es wäre nett, wenn das so bliebe. Unsere Generation verträgt es nervlich überhaupt nicht, angefeindet zu werden. Könnten die Babyboomer bitte ein paar twitternde rüstige Meinungsrentner abstellen, die mindestens noch für die nächsten zehn Jahre den Unmut auf sich lenken? Ich wäre auch bereit, etwas von dem Gras abzugeben, das ich auf dem Balkon angebaut habe.

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    1 Kommentar zu "Prüfers Kolumne: Die „Generation X“ braucht aktive Babyboomer"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Klingt irgendwie doof, jedenfalls nicht nach Selbstverantwortung.
      Unsere Generation hat die 1968er Bewegung gestartet für eine reale Demokratie, haben Europe vereint, die Umweltgesetze ins Leben gerufen, sind gegen die Nachrüstung auf die traße gegangen und halfen so den kalten Krieg zu beenden, das Wasser im Rhein ist wieder zum Schwimmen sauber, man kann Luft in Großstädten wieder atmen (es sei denn, jemand macht Kaminfeuer mit nassem Holz), haben enorm Energie gespart im Vergleich zu 1960 (mit uns gelang es das Wirtschaftswachstum vom Wachstum der Energieerzeugung zu entkoppeln, wir haben mit effizienter Landwirtschaft dazu beigertragen den Hunger in der Welt zu reduzieren, obwohl sich die Weltbevölkerung von 1960 bis heute con 3 - auf 8 Mrd. Menschen fast verdreifacht hat, (siehe UN Statisik), und haben für die "Generation Y" optimale Starnedingungen geschaffen - besser, als wir sie im Nachkriegsdeutschland hatten. Noch Fragen?

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