Prüfers Kolumne Die Smartphone-Krüppel – warum das Abendland durch Handys ausstirbt

Wir werden im Alter unter Nackenschmerzen leiden, einen Buckel und steife Daumen haben. Unsere Kinder werden wütend sein. Ein Blick in die Zukunft.
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Nackenschmerzen, steife Daumen, wütende Kinder – und das alles wegen Smartphones. Tillmann Prüfer blickt in die Zukunft. Quelle: picture alliance / Jochen Eckel
Smartphones

Nackenschmerzen, steife Daumen, wütende Kinder – und das alles wegen Smartphones. Tillmann Prüfer blickt in die Zukunft.

(Foto: picture alliance / Jochen Eckel)

Ich habe gelesen, seit mehr als die Hälfte der Jugendlichen in den USA ein Smartphone besäßen, würden dort die Raten von Depressionen steigen. So ein Smartphone sei nämlich für die Psyche ein ziemlich anstrengendes Ding. Es fördert Suchtverhalten, sodass viele gar nicht mehr Zeit alleine verbringen können, ohne auf ihr Handy zu gucken.

Mit der Handysucht ist auch die Konzentrationsfähigkeit dahin. Wer sich nicht konzentrieren kann, kann schlechter lernen, wer nicht lernen kann, bekommt schlechtere Noten. Schlechte Noten bedeuten eine schlechtere Ausbildung, und eine schlechte Ausbildung ist der Vorbote des sozialen Abstiegs.

Aber man muss gar nicht erst arbeitslos wegen des Smartphones werden, um ein Leben auf der heimischen Couch zu pflegen. Smartphone-Besitzer neigen nämlich ohnehin dazu, zu Hause zu bleiben, habe ich erfahren. Seit Jugendliche mit Smartphones versorgt sind, treffen sie sich weniger mit Freunden, sind weniger unterwegs und haben weniger Sex.

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Doch das ist erst der Anfang der Probleme, die so ein Gerät verursachen kann. Unsere Generation wird man einmal an der gebeugten Körperform erkennen, denn uns wird der Smartphone-Nacken kennzeichnen. Der ständig nach vorne gebeugte Kopf ist extrem belastend für die Nackenmuskulatur. Der Nacken muss ein Zusatzgewicht von etwa 20 Kilogramm halten. Das ist das Gewicht einer Kiste Bier.

Dazu kommen Muskelprobleme an der Hand. Wer ein Smartphone hält und mit den Daumen bedient, muss das Teil mit vier Fingern fixieren, während der Daumen den Touchscreen penetriert. Auch hier sind Überlastungen der Muskulatur die Folge. Letztlich macht uns das Smartphone also zum Krüppel.

So, wie der Bergarbeiter einst mit Staublunge aus dem Stollen stieg, werden wir im Alter unter ständigen Nackenschmerzen leiden, einen sanften Buckel und einen steifen Daumen haben. Wir werden ständig auf den Boden starren, selbst wenn man uns das Handy längst abgenommen hat, damit wir damit keinen Unfug mehr machen können.

Leute, die das besonders breite iPhone X Plus besessen haben, werden dazu noch unter Verkrampftheit in den Fingern der rechten Hand leiden. Es wird schwierig sein, überhaupt einen Termin beim Chiropraktiker zu bekommen, wegen der langen, langen Wartezeiten.

Es wird wahrscheinlich eine hitzige Debatte geben, ob es der jungen Generation überhaupt zuzumuten sei, für die Schäden der Alten aufzukommen. Vor allem, weil die Jungen wütend auf die Alten sind, die ihr ganzes Leben nur auf den Bildschirm gestarrt haben. Die sich mit ihren Kindern nur beschäftigt haben, um Fotos von ihnen auf Facebook zu posten – und nun von den Jungen gerne die teuren Reha-Maßnahmen bezahlt haben möchten.

Außerdem wird die junge Generation gar kein Geld haben, mit dem sie die alten Smartphone-Invaliden pflegen könnte. Denn die Jungen hatten ja auch Smartphones, waren deswegen fast nur zu Hause, hatten schlechte Jobs und keine Freunde. Und weil sie auch keinen Sex gehabt haben werden, wird das Abendland binnen weniger Jahrzehnte ausgestorben sein. Im Vergleich zu diesen Bedrohungen finde ich die aktuelle Debatte über die Gefahren von Zucker echt übertrieben.

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