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Prüfers Kolumne FKK-Debatte: Entblößendes Politikum

Warum wird um Nacktheit so ein Theater gemacht? Ungleichheit beginnt oftmals erst mit Kleidung. Vielleicht muss auch Politik mehr FKK wagen.
25.07.2020 - 13:12 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.


Ich hab gelesen, dass in Deutschland diesen Sommer heftig um die FKK-Kultur gestritten wird. Im brandenburgischen Lychen soll das Nacktbaden an öffentlichen Badestellen etwa am idyllischen Zenssee untersagt sein. Bei wiederholter Zuwiderhandlung droht ein Bußgeld von bis zu 500 Euro. Das ist eine Menge Geld dafür, dass man es nicht in der Tasche haben kann.

Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ist die Freikörperkultur wirklich eine Art Kulturgut. Es war quasi politischer Akt, sich der Kleider zu entledigen, Uniformen abzulegen und sich Sonne und Natur hinzugeben. Ich habe in der „Süddeutschen Zeitung“ gelesen, dass der Deutsche Verband von Freikörperkultur ähnlich stark mit Mitgliederschwund zu kämpfen hat wie die katholische Kirche. Waren es – beim FKK-Verband – einmal 60.000 Mitglieder in den 80er-Jahren, ist es heute nur noch etwas mehr als die Hälfte. Dabei ist Nacktbaden mindestens so politisch wie Fleischessen.

Vor einigen Jahren hat Linksparteiler Gregor Gysi Wahlkampf an einem FKK-Strand gemacht und postuliert, seine Partei werde sich für die Freikörperkultur einsetzen. Das ist in gewisser Hinsicht auch nötig, denn es gibt immer weniger Gelegenheit zum Nacktsein. Immer mehr FKK-Campingplätze werden in Textil-Campingplätze umgewandelt. Das Nudistentum scheint ein schwindender Markt zu sein.

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    Und auch europaweit gibt es immer mehr Länder, die Badebeschränkungen erlassen. In Dänemark und Kroatien ist FKK noch vielerorts erlaubt, in Italien ist Nacktheit an öffentlichen Stränden verboten. Wer am Strand von Cannes nackt ist, muss unter Umständen sogar ins Gefängnis.

    Wenn Nacktheit ganz normal wäre

    Es ist mit der Nacktheit aber auch kompliziert. Je nachdem, in welchem Kontext sie auftritt, ist sie entweder ein Zeichen für Naturnähe und Unverkrampftheit – oder für Belästigung und Sexualisierung. In Berlin Mitte ist sexualisierende Plakatwerbung mit nackter Haut verboten. Wer aber in eine deutsche Sauna geht, ist meist verpflichtet, ohne Badekleidung aufzutreten, denn dort gilt es als Belästigung, wenn man nicht nackt ist.

    Letztlich kommt es vielleicht vor allem darauf an, wie man sich jeweils selbst dabei fühlt – und wie sich die anderen fühlen. Eigentlich ist es schade, dass gerade Nacktheit ein solcher Streitpunkt ist. Denn nackt sind wir ja alle gleich. Erst die Kleidung und das ganze Drumherum machen uns so unterschiedlich. Dass nackte Körper so ein Politikum sind, liegt ja auch daran, dass noch immer viele Menschen signalisiert bekommen, dass sie sich für ihre Körper schämen müssen. Weil sie nicht schlank genug sind oder muskulös sind oder nicht jung genug sind oder eine andere Hautfarbe haben.

    Wenn nicht so vielen Menschen beigebracht würde, dass ihre Körper verhüllt gehörten, würden sie sich von anderen nackten Körpern auch nicht so bedroht fühlen. Und wenn Nacktheit ganz normal wäre, würden Menschen, die sich nackt zeigen, vielleicht auch nicht so schnell auf ihre Nacktheit reduziert.

    Ich hingegen habe schon als kleines Kind FKK-Strände nicht gemocht. Meine Eltern haben mich immer wieder mal zu einem mitgenommen, und ich konnte das Gefühl nicht ertragen, überall am Körper den ganzen Sand zu haben. Ein Problem, das in der aktuellen Debatte noch gar nicht adressiert wurde.

    Mehr: Prüfers Kolumne –Kein TikTok für Trump.

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