Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Prüfers Kolumne Frauen wird nicht zu wenig gezahlt – sondern Männern zu viel

Männer gehen generell mit wesentlich höheren Forderungen in Gehaltsverhandlungen als Frauen. Weniger Größenwahn würde viele Probleme verhindern.
Kommentieren
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich habe gelesen, dass die Unterbezahlung von Frauen im Kopf beginne. Sie hätten nämlich wesentlich moderatere Gehaltsvorstellungen als männliche Bewerber. Im Durchschnitt verdienen Männer 21 Prozent mehr als Frauen in Deutschland. Und das, obgleich Frauen keineswegs schlechter ausgebildet sind. Diese Lohnlücke geht offenbar schon beim Einstellungsgespräch los.

Laut einer Studie des Bonner Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), für die Studenten verschiedener Fachrichtungen befragt wurden, rechnen männliche Studenten mit einem jährlichen Einstiegsgehalt in ihrem Job von 39.076 Euro, ihre Kommilitoninnen dagegen begnügen sich mit erwarteten 33.434 Euro. Was bedeutet, wenn eine Frau ein Gehaltsangebot bekommt, das 20 Prozent unter dem liegt, das ein Mann bekommen würde, fällt sie nicht vor Überraschung vom Stuhl, sondern hat Ähnliches schon erwartet.

Die Forscher fanden heraus, dass die niedrigen Gehaltserwartungen nicht etwa damit zusammenhängen, dass Frauen sich generell für schlechter bezahlte Jobs entschieden. Auch angehende Maschinenbauerinnen erwarten weniger als die männlichen Kollegen.

Die Forscher erkundeten zudem, wie sich Frauen und Männer in Gehaltsverhandlungen verhalten. Dies ergab, dass Männer generell mit wesentlich höheren Forderungen in die Verhandlungen gehen. Sie pokern hoch, haben aber auch großen Verhandlungsspielraum. Sie sind bereit, ihre Arbeitskraft wesentlich höher zu taxieren, als die eigentlich wert ist.

Man kann es auch so sehen: Frauen wird vielleicht nicht zu wenig gezahlt, sondern vor allem Männern zu viel. Diese halten von sich selbst unrealistisch viel, stellen überzogene Gehaltsforderungen und bekommen am Ende mehr raus. Das bedeutet, dass ein beträchtlicher Teil des wirtschaftlichen Investitionsvolumens für Männer mit zu großem Selbstbewusstsein ausgegeben wird.

Als Reaktion auf besagte Studie wurden Frauen zu Trainings aufgerufen, wo sie lernen sollten, genauso große Gehaltsforderungen zu stellen wie ihre männlichen Kollegen. Schließlich könnten sie dann damit rechnen, ebenfalls mehr abzustauben.

Nun wäre es allerdings die Frage, ob das überhaupt erstrebenswert sein soll. Männer stellen ihre hohen Forderungen ja offenbar nicht aus strategischem Geschick, sondern wegen Selbstüberschätzung. Würde man denn gerne die Fähigkeit, sich selbst realistisch einschätzen zu können, gegen Geld eintauschen beziehungsweise für eine effektive Gehaltserhöhung von 20 Prozent?

Man könnte vielleicht alternativ Männern frühzeitig ein Training zukommen lassen, das sie davor bewahrt, sich für Götter zu halten. Ich will nicht zu defätistisch wirken, aber einige Katastrophen wären der Wirtschaft wohl erspart geblieben, hätte es etwas weniger männlichen Größenwahn gegeben.

Große Probleme entstehen im Allgemeinen nicht durch vernünftig vor sich hin wurschtelnde Kleingläubige, sondern durch große Visionen einzelner Männer. Wo heute ein Visionär ein neues Zeitalter einläutet, ist morgen ein Loch in der Kasse. Es gäbe also viel zu sparen. Aber dazu wird es nicht kommen. Denn jene, die das Geld verteilen, sind ja auch zum großen Teil Männer.

Mehr: Frauen verdienen durchschnittlich immer noch deutlich weniger als Männer. Unternehmensberaterin Henrike von Platen will darum den 20. April zum Equal Pay Day für Führungskräfte erklären.

Startseite

Mehr zu: Prüfers Kolumne - Frauen wird nicht zu wenig gezahlt – sondern Männern zu viel

0 Kommentare zu "Prüfers Kolumne: Frauen wird nicht zu wenig gezahlt – sondern Männern zu viel"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote