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Prüfers Kolumne Glückliche Menschen nerven

Glückliche Menschen machen einem klar, dass das Glück, das man für sich selbst verbucht, nur ein Halbglück ist. Das ist unerträglich.
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Der regelmäßige „World Happiness Report“ ist für unseren Autor eher eine Art Reisewarnung. Quelle: dpa
Glücksforschung

Der regelmäßige „World Happiness Report“ ist für unseren Autor eher eine Art Reisewarnung.

(Foto: dpa)

Eines der wirklich interessanten Forschungsfelder ist die Glücksforschung. Wir wollen ja schließlich alle glücklich sein, da ist es umso besser, je mehr man darüber weiß, was eigentlich glücklich macht. Es kann ja sein, dass man ein Leben lang den falschen Dingen nachrennt und erst am Schluss und dann natürlich viel zu spät versteht, dass der ganze Kram nicht glücklich macht.

Es gibt einen regelmäßigen „World Happiness Report“, einen vom Sustainable Development Solutions Network der Vereinten Nationen veröffentlichten Bericht. In diesem Glücksbericht werden 116 Nationen in ein Ranking eingeordnet, je nachdem, wo die glücklichsten Menschen wohnen.

Dabei kommt ziemlich zuverlässig heraus, dass die glücklichsten Menschen stets da wohnen, wo soziale Sicherheit und Wohlstand herrscht. Und die unglücklichsten immer da, wo Elend und Bürgerkrieg herrscht.

Deutschland ist so eher im hinteren Spitzenfeld, Platz 15 – noch vor den USA, aber hinter Costa Rica. Die glücklichsten Menschen findet man offenbar in Finnland, gefolgt von Norwegen. Auf dem dritten Platz liegt Dänemark, auf Platz vier liegen die Isländer.

Bei den Isländern war ich etwas überrascht. Ich meinte, Island sei eine Art Vulkanfelsen mitten im Nordmeer, wo es kaum Bäume gibt.

Vielleicht ist das Glück, das Bäume verbreiten, auch einfach sehr überschätzt. Interessant auch, dass Schweden erst auf Rang neun kommt. Vielleicht können sie mit den wahnsinnig glücklichen Nachbarn einfach nicht mithalten und fühlen sich deswegen schlechter, als sie müssten.

Ich selbst finde es auch schwierig, mit sehr glücklichen Menschen zusammen zu sein. Sie nerven unglaublich, weil sie einem dauernd vorleben, dass das bescheidene Glück, das man für sich verbucht hat, nur so ein Halbglück ist.

Von daher nutzte ich persönlich den World Happiness Report als eine Art Atlas für Reisewarnungen. Er zeigt mir die Länder, in die ich lieber nicht möchte. Ich will mir nicht den ganzen Tag von hinreißend glücklichen Norwegern vorleben lassen, wie zufriedener das Leben sein könnte, wenn man an einen Fjord leben würde.

Ich habe nun gelesen, dass zwei US-Volkswirte aus Boston und Indiana die Erkenntnisse der Glücksforschung heftig infrage gestellt haben. Denn Glücksforscher fragen wie selbstverständlich nach dem Glück, ohne wissen zu können, was man eigentlich darunter versteht.

So bedeutet das amerikanische „happy“ eher Zufriedenheit, während das deutsche „glücklich“ von tieferen Emotionen spricht. Die Ökonomen rechneten vor, dass, wenn man die statistischen Annahmen leicht verändert, die Norweger plötzlich unglücklicher sind als die Nigerianer. Befreit man aber die Glücksforschung von all diesen statistischen Unwägbarkeiten, blieben wohl eher wenige gesicherte Erkenntnisse übrig: Krankheit macht nicht glücklich, Einsamkeit und Armut auch nicht.

Ich liebäugele nun doch damit, einen Urlaub in Norwegen zu machen. Einfach, um all den Norwegern zu sagen, dass sie offenbar doch nicht so glücklich sind. Denn wenig ist mehr erhebend, als unter Menschen zu sein, denen es schlechter geht als einem selbst.

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