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Prüfers Kolumne Her mit den iPhone-Hüllen aus Kuhfladen!

Kaffeebohnenhäutchen oder Kuhdung – es gibt offenbar kein Material, das man nicht weiterverarbeiten kann. Der Markt scheint riesig zu sein.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich war neulich in einem Café, in dem der Kaffee nicht nur selbst gemahlen, sondern auch selbst geröstet wird. Es werden grünliche, rohe Kaffeebohnen angeliefert und dann in einen Heißluftröster gegeben. Das riecht sehr ansprechend. Was ich nicht wusste: dass man Kaffee nicht einfach so rösten und mahlen kann.

An den Bohnen haften sogenannte Silberhäutchen. Diese müssen erst durch ein Heißluftgebläse entfernt werden. Die kleinen transparenten Blättchen werden dann in einem Behälter aufgefangen. Der Kaffeehausbesitzer sagte mir, anschließend könne man die Silberhäutchen weiterverwerten, man könne aus dem Schrott beispielsweise iPad-Cover pressen. Er sagte wirklich „iPad-Cover“.

Ich finde es erstaunlich, was man alles aus was machen kann. Der Kaffeehausbesitzer sagte, das sei eben eine philosophische Frage, nichts umkommen zu lassen, sondern alles wiederzuverwenden.

Ich denke mal, wenn man aus Kaffeebohnensilberhäutchen iPad-Cover machen kann, dann gibt es nichts, aus dem man keine iPad-Cover machen kann. Es ist wirklich erstaunlich, was es an Recyclingmöglichkeiten schon alles gibt. Wenn man ein altes Skateboard-Deck hat, muss man es nicht wegwerfen, mit etwas handwerklichem Geschick kann man daraus ein iPhone-Case sägen.

Und wenn man eine alte Luxushandtasche mit Logo-Print besitzt, aber keine Verwendung dafür hat, dann lässt sich daraus auch noch ein iPhone-Case machen. Es gibt Handyhüllen aus recycelter Baumwolle und aus recyceltem Kunststoffgranulat. Es ist den Menschen heute offenbar sehr wichtig, eine nachhaltige Umhüllung für das Smartphone zu haben. Es scheint ein großer Markt zu sein.

Um all das, was recycelt gehört, zu Smartphone-Hüllen zu verarbeiten, braucht man natürlich eine beträchtliche Menge Smartphones. Ob das dann auch mit der Ökobilanz hinhaut, muss man sehen, bis dahin gibt es allerdings sehr viele Dinge, aus denen dringend Smartphone-Cover gemacht werden sollten.

Zum Beispiel all die Strohhalme: Ich habe gelesen, in der EU würden im Jahr 36,4 Milliarden Strohhalme verbraucht. Mit denen muss doch dringend etwas geschehen. Auch scheinen Kontaktlinsen ein Problem zu sein. Jedes Jahr landen Milliarden in der Kanalisation. Es wäre bestimmt ein Markt, iPhone-Cases aus recycelten Kontaktlinsen zu machen.

Es gibt offenbar kein Material, das man nicht zu etwas Schönem nutzen kann. Ich habe einmal eine Ausstellung über Kuhdung gesehen. Es gibt ja viel davon auf der Welt, und wenn man es alles auf die Felder kippt, dann überdüngt man sie. In der Ausstellung wurde gezeigt, wie man aus Kuhdung stattdessen Ziegel und Blumenkübel brennen kann. Man kann also ganze Häuser direkt aus dem After einer Kuh bauen.

Leider weiß ich nicht, wie weit die Forschung schon fortgeschritten ist, aus Kuhdung iPad-Cover zu machen. In diesem Sinne sind Kaffeebohnensilberhäutchen dem Kuhdung vielleicht noch überlegen. Allerdings konnte man im Souvenirshop der Ausstellung Tassen kaufen. Auch aus Kuhdung gebrannt.

Das finde ich okay. Es muss ja noch irgendetwas geben, aus dem man den Kaffee trinken kann, der bei der Kaffeebohnensilberhäutchen-iPad-Case-Produktion quasi als Abfallprodukt anfällt.

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