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Prüfers Kolumne Hohe Gewinne mit hohen Entlohnungen zu vergüten ist der falsche Weg

Topmanager erhalten immer noch zu viel Gehalt. Unternehmen sollten das Geld lieber in die Kundenzufriedenheit investieren – damit wäre allen geholfen.
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich habe gelernt, dass Liebe effektiver ist als Geld. Wer seine Mitarbeiter lobt, hat unter gewissen Umständen damit mehr Erfolg als jemand, der ihnen mehr Geld zahlt.

Das jedenfalls ergab eine Studie der International School of Management in Dortmund, die im Journal „Frontiers in Psychology“ publiziert wurde.

Dabei wurden Mitarbeiter untersucht, die aus eigenem Antrieb, also quasi intrinsisch, ihre Aufgaben erfüllten. Diese Büroarbeiter kamen eher auf innovative und kreative Lösungen, wenn sie mit sozialer statt finanzieller Anerkennung belohnt wurden. Dann hilft eher eine Dankespostkarte als ein Bonus.

Allerdings wird gewarnt, mit Lob überschwänglich umzugehen: Wer vor anderen Kollegen hervorgehoben würde, könne dadurch auch beschämt werden. Und dazu noch Neider erzeugen: Leute, die auch gerne gelobt worden wären und nicht verstehen können, warum ihr Kollege herausgestellt wurde.

Schließlich, das hat die Studie leider nicht untersucht, ist davon auszugehen, dass ausbleibendes Lob Mitarbeiter noch viel schneller und nachhaltiger frustriert als ausbleibende Lohnerhöhungen. Diese Erkenntnisse sind jedoch nur in Positionen wirksam, wo es ohnehin Spaß macht zu arbeiten.

Wo man das Gefühl hat, durch seine Arbeit mache man die Welt etwas besser und erziele Ergebnisse, die einem zeigen, dass es gut ist, dass man sich um etwas kümmert.

Wer dagegen in einer Position arbeitet, wo man Arbeit leistet, die niemandem etwas bringt außer dem Arbeitgeber, muss voraussichtlich weiter mit viel Geld motiviert werden.

Manager werden mit Topgehältern gelockt

Es ist anzunehmen, dass sich dabei die Höhe der Vergütung proportional zur „Unangenehmheit“ des Jobs verhält. In diesen Tagen wurde viel über Manager der Automobilbranche geredet, die wegen Betrugs mit der Software in Dieselfahrzeugen angeklagt werden. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass eines der Motive die immens hohen Boni gewesen sein können, mit denen die Topmanager bei erfolgreichen Geschäften gelockt worden waren.

Anhand der neuen psychologischen Erkenntnisse muss man fragen: Wenn ein Wirtschaftszweig mit solch hohen Beträgen seine Arbeitnehmer an die Schreibtische locken muss – spricht das nicht dafür, dass die geforderte Tätigkeit derart widerwärtig ist, dass man sie kaum ohne gewisse Deformationen überstehen kann? Ich fürchte, was die Arbeitsbedingungen von Auto-Topmanagern angeht, sind die Gewerkschaften immer noch auf beiden Augen blind.

Vielleicht wäre es auch für große Automobilkonzerne ein Weg, eher mal den Blick darauf zu werfen, wie man denn diese Jobbeschreibungen in den obersten Etagen angenehmer gestalten könnte. Hohe Zahlen in den Umsätzen zu fordern und diese dann mit hohen Entlohnungen zu vergüten hat sich offenbar als der falsche Weg herausgestellt.

Es wäre vielleicht besser, anzuregen, dass der Kunde ein Lächeln auf den Lippen haben soll, wenn er das Auto anlässt. Das Geld, das man bislang in die Boni der Manager gesteckt hat, sollte man dafür verwenden, Dankespostkarten zu drucken, die man an die Kunden verteilt, die diese wiederum an die Topmanager zurückschicken können. Damit wäre auch der Post geholfen, die ja beklagt, dass zu wenig geschrieben werde.

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