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Prüfers Kolumne Horrorfilme und Videokonferenzen bringen innere Unruhe

Videokonferenzen können von überall aus abgehalten werden. Das führt zu Signalstörungen – und innerem Stress, der länger andauert als ein Film.
07.05.2020 - 13:08 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Es gibt Mitarbeiter, die immer dann aufblühen, wenn zur Konferenz aufgerufen wird. Dann gibt es nichts, was sie nicht kommentieren müssten. Dann haben sie zu dem meisten eine Meinung und sprudeln geradezu vor „Ideen“. Allerdings bleiben sie dabei immer unkonkret, damit man nicht zwingend darauf kommen muss, dass Sie selbst sich die Mehrarbeit ans Bein binden wollten. Diese Menschen können vom Konferieren gar nicht genug bekommen, weil es nämlich die eigentliche Zeit ist, in der sie arbeiten.

Die Konferenzmenschen treffen in der Konferenz auf andere Konferenzmenschen, die dankbar jeden Ansatzpunkt aufnehmen und zum Stichwort für die eigenen Ideen und Meinungen machen, die sie dann herumreichen. Meist finden sich die Konferenzmenschen gegenseitig sehr anregend, was dazu führt, dass sie die Konferenz als sehr, sehr fruchtbar empfinden und deshalb gar nicht damit aufhören wollen. Das hat leider zur Folge, dass sich die Konferenzen über Stunden hinzieht.

Das ist ganz toll, außer für die Menschen, die gewohnt sind, vor allem außerhalb der Konferenzen zu arbeiten. Denn denen läuft damit die Zeit weg. Ihnen bleibt nur, zu hoffen, dass die Konferenzritter ihnen nicht noch mehr Arbeit aufhalsen. Denn die haben stets gute Vorschläge, was andere machen könnten.

Nun finden all diese Konferenzen jetzt nicht mehr von Angesicht zu Angesicht statt, sondern in der Setzkasten-Optik von Videokonferenzen. Videokonferenzen haben den Vorteil, dass sie von jedem Punkt des Planeten aus gehalten werden können und den Nachteil, dass sie wirklich von jedem Punkt des Planeten aus gehalten werden. Denn die Signale müssen dafür alle möglichen Hindernisse überwinden und bleiben dabei in allen denkbaren Leitungen hängen, so dass eine Konversation selten störungsfrei ist.

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    Wenn so ein Meeting nicht ohnehin dadurch gestört wird, weil jemand an der Tür klingelt, oder einem ein Kind auf den Schoß hüpft, dann weil das Bild einfriert, der Ton sich in ein verzerrtes Krächzen verwandelt oder Teilnehmer auf einmal grußlos verschwinden – und dann alle darüber reden, dass man jemanden „verloren“ habe, wie früher im Krieg. Manchmal fühlt sich ein Zoom-Meeting nicht wie eine Besprechung mit Kollegen an, sondern eher, als ob man Funksignale extraterrestrischer Existenzen auffangen würde.

    Ich habe nun in der „New York Times“ gelesen, dass es kein Zufall ist, dass einem diese Art von Meeting besonders anstrengend vorkommt. Denn das Unterbewusstsein kommt mit all den Mikro-Störungen dieser Konferenzen nicht zurecht. Es passieren so viele kleine Verzerrungen, Bild-Ton-Verschiebungen, Bewegungszerhackungen, dass wir innerlich ständig alarmiert sind. Und gegen den inneren Stress ankämpfen müssen, weil wir nicht mit der verschobenen Realität zurechtkommen.

    Dieselben filmischen Mittel, Verschiebung und Verzerrung, werden übrigens ganz ähnlich in Horrorfilmen verwendet, um den Zuschauer in innere Unruhe zu versetzen. Leider mit dem Unterschied, dass die Zombies im Horrorfilm in der Regel nach 90 Minuten von einem ablassen und nie erklären, dass sie gerade noch eine „völlig verrückte“ Idee haben, der alle noch weiter zuhören müssen.

    Mehr: Die wichtigsten Antworten zu virtuellen Hauptversammlungen.

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