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Prüfers Kolumne In der Coronakrise ist Normalität plötzlich aufregend

Mit der Zeit fällt es leicht, sich mit der Corona-Welt zu arrangieren. Schließlich bekommt man endlich mal was für sein Geld – etwa im Restaurant.
30.05.2020 - 11:41 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Wir sind nun also wieder zurück auf dem Weg in die Normalität. Ich hätte mir gar nicht vorstellen können, dass ich diese sogenannte Normalität einmal als etwas Besonderes ansehen würde. Im Grunde hätte ich früher nichts als normal angesehen, was mir nun als ganz selbstverständlich erscheint.

Im Büro trage ich nun Mundschutz. Das ist normal. Früher aber hätte man Menschen mit Mundschutz für OP-Ärzte oder vielleicht für Michael Jackson gehalten.

Vor wenigen Monaten wäre es noch normal gewesen, dass Menschen mit einer roten Nase ins Büro kommen, um dort vollgepumpt mit Ibuprofen laut schniefend ein wichtiges Projekt zu Ende zu bringen. Heute wäre das undenkbar, dagegen ist normal, dass es gar kein Projekt gibt.

Was gestern noch verrückt gewesen wäre, ist heute Alltag. Und was gestern noch ganz normal war, klingt heute komplett verwegen. Eine Dienstreise in eine benachbarte Stadt? So aufregend wie eine Expedition zum Südpol!

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    Meinetwegen kann man sich mit der Öffnung noch Zeit lassen, ich habe mich in der neuen Zeit ganz gut eingerichtet. Ich habe volles Verständnis für jede Art von Hygienemaßname, und ich bin bereit, mich allen Vorschriften ausnahmslos zu beugen.

    Ich finde, das ist auch ein bisschen Urlaub von der ständigen Selbstverantwortung. Endlich entscheidet mal jemand für mich, und ich muss mich nur danach richten. Ich würde auch einen ABC-Schutzanzug und eine Gasmaske tragen, wenn man der Meinung ist, dass es der öffentlichen Gesundheit dient.

    Ich habe nicht das Gefühl, dass ich dadurch als Bürger automatisch aus der Mitte der demokratisch Regierten gerissen würde. Vor allem verstehe ich nicht, warum so viele, die sonst eher Putin gut finden, nun gegen die angebliche Gesundheitsdiktatur Sturm laufen.

    Bislang war ihnen alles zu lasch, jetzt lebt man endlich mal in einem Staat, wo die Polizei kommt, wenn man im Garten eine Grillparty macht – und das ist dann auch wieder nicht recht.

    Und man kann auch wirklich etwas erleben. Inzwischen machen viele Restaurants wieder auf. Ich war am Wochenende auswärts essen. Man verwies uns an einen Platz, der so weit von den wenigen anderen Gästen entfernt war, dass man deren Tische kaum noch erkennen konnte.

    Wir mussten uns mit Adresse in eine Liste eintragen, damit wir im Falle eines örtlichen Corona-Ausbruchs schnell nachverfolgbar wären. Der Kellner trug natürlich Mundschutz und bat uns, die Speisekarte genau zu studieren, denn sie müsste anschließend vernichtet werden.

    Dass tatsächlich zwischen all diesen Vorsichtsmaßnamen noch ein Gericht serviert werden konnte, fühlte sich wie eine kleine Sensation an. Es hätte mich nicht gewundert, wären im Anschluss die Stühle, auf denen wir gesessen hatten, verfeuert worden.

    Im Grunde war es wie in einem Nobel-Restaurant, wo ein guter Teil des Preises ja auch in den ganzen Ritualen und dem Brimborium liegt, das vom Personal drum herum veranstaltet wird.

    Das kann einen ja ein bisschen trösten, sollten in der kommenden Wirtschaftskrise die Mittel knapp werden: In Coronazeiten bekommt man wirklich etwas für sein Geld.

    Mehr: Warum auf Wikipedia nur Männer vertreten sind.

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