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Prüfers Kolumne Irgendwie nicht ganz gesund

Menschen lassen sich nicht selten krankschreiben, wenn sie sich diffus nicht ganz fit fühlen. Doch was hilft diese Krankschreibung im Homeoffice?
10.10.2020 - 11:06 Uhr Kommentieren
Handelsblatt: Prüfers Kolumne
Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Nun, im Herbst, beginnt normalerweise die Zeit der Krankschreibungen. Abgesehen von Corona gibt es ja auch einen bunten Strauß anderer Erreger, die aufdringlichsten sind Schnupfen und Grippe. Die Herbstzeit ist meist geprägt von schniefenden Kollegen, dunstigen Bussen und Bahnen, schlecht belüfteten Büros, und überhaupt ist es düster und trist.

Dieses Jahr sind die Büros reichlich belüftet. Alle drei Schritte steht ein Desinfektionsmittelspender. In den öffentlichen Verkehrsmitteln tragen alle Mund-Nasen-Schutz – und falls ein Kollege schnieft, wird er sofort nach Hause geschickt. Die Frage ist, ob es die klassische Krankschreibung unter diesen Umständen überhaupt noch geben kann. Irgendwie ist die ganze Welt ja krank, und gleichzeitig sind die Grenzen zwischen krank und gesund ja sehr verschwommen.

Meint man, möglicherweise ein ganz leichtes Kratzen im Hals zu spüren, reden alle Kollegen auf einen ein, man solle bloß zu Hause bleiben, als Sicherheitsmaßnahme. Homeoffice dann eben. Hat man aber nun wirklich Husten oder Fieber, führt der Weg unweigerlich zum Coronatest. Im Ernstfall drohen Gesundheitsamt, Quarantäne, Nachverfolgung der Kontakte. So macht Kranksein ja auch keinen Spaß. Während der Coronakrise haben sich nach Angaben der AOK deutlich weniger Bürger krankgemeldet als in den Vorjahren, vor allem zwischen Mai und August. Auch die Techniker Krankenkasse meldet unterdurchschnittliche Krankmeldungen. Die AOK vermutet, dass die Menschen aus Angst vor Ansteckung Arztpraxen meiden. Hinzu komme, dass es im Homeoffice weniger Infektionsrisiko gebe.

Mir hat einmal ein Hausarzt erzählt, dass das Anstrengende an seinem Beruf gar nicht die Kranken seien. Ein großer Teil seiner Patienten bestehe aus Leuten mit unspezifischen Symptomen, die hier etwas drücke und dort etwas steche, denen aber eigentlich nichts fehle.

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    Denen könnte man kaum mehr verschreiben als eine Ibuprofen und Ruhe. Vielleicht brauchen jene Leute auch gar nicht mehr als ein bisschen gutes Zureden und das Gefühl, dass ihnen jemand verbrieft, dass sie gerade irgendwie nicht gesund sind. Wahrscheinlich ist das sogar die wichtigste Funktion der Ärzte. Oder hat jemand schon gehört, dass einer zum Arzt gegangen sei und der ihm gesagt habe, dass alles bestens und er völlig gesund und arbeitsfähig sei? In diesem Sinne liegt eine wichtige Funktion der Mediziner im Krankerklären der eigentlich Gesunden. Wer hilft denen jetzt? Der Herbst ist schließlich immer noch düster und trist.

    Mehr: Entwurzelt im Homeoffice.

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